Autobauer DaimlerChrysler und VW diskutierten Allianz

Der überraschende Einstieg Porsches bei VW hat zumindest vorerst eine andere Allianz deutscher Autokonzerne verhindert – die des VW-Konzerns mit DaimlerChrysler. Wegen des Führungswechsels in Stuttgart waren die Gespräche vertagt worden.


Hamburg - DaimlerChrysler hat nach Informationen des SPIEGEL mit den Wolfsburgern über eine wechselseitige Kapitalbeteiligung gesprochen. Sie sollte bei weniger als 20 Prozent liegen und damit kartellrechtlich wohl unbedenklich sein. Auch wollten beide Seiten keine Vertreter in den Aufsichtsrat des jeweils anderen Unternehmens entsenden, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

Wolfsburger VW-Werk: Aufsichtsratschef Piëch kämpft um seinen Posten
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Wolfsburger VW-Werk: Aufsichtsratschef Piëch kämpft um seinen Posten

Hauptmotiv der geplanten Überkreuzbeteiligung: Dadurch hätten sich die beiden Autokonzerne vor einer feindlichen Übernahme schützen können. Dass DaimlerChrysler und der VW-Konzern mit der diskutierten Überkreuzbeteiligung nicht weiter vorangekommen waren, hängt vor allem mit dem Führungswechsel in Stuttgart zusammen. Jürgen Schrempp, der zum Jahresende ausscheidende Konzernchef, ist noch nicht weg, und sein designierter Nachfolger Dieter Zetsche noch nicht richtig im Amt. Anfang nächsten Jahres sollte das Projekt weiter diskutiert werden.

Ein Sprecher des DaimlerChrysler-Konzerns bestätigte, dass es Gespräche gegeben hat. Sie seien allerdings ohne Ergebnis geblieben. Die Initiative sei von Wolfsburg ausgegangen. Ungeachtet dieses Themas seien die Verhandlungen über die Kooperation bei einzelnen Projekten schon weit fortgeschritten.

Machtkampf im Aufsichtsrat von VW

Der Einstieg Porsches bei VW führt noch zu anderen Turbulenzen: Dem Wolfsburger Konzern droht ein Machtkampf seiner Großaktionäre im Aufsichtsrat. Der Stuttgarter Sportwagenbauer will Ferdinand Piëch auf dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bei VW belassen und dürfte dabei auf den Widerstand Niedersachsens stoßen. Ministerpräsident Christian Wulff legt großen Wert darauf, dass VW den Corporate Governance Kodex, die Selbstverpflichtung deutscher Konzerne zu guter Unternehmensführung, einhält. Bei strikter Anwendung des Kodexes müsste Piëch von sich aus den Aufsichtsratsvorsitz beim VW-Konzern abgeben, weil nach dem Einstieg von Porsche die Interessenkonflikte zwischen den privaten Unternehmensbeteiligungen Piëchs und seiner Aufgabe als oberster Kontrolleur noch größer werden.

Piëch ist privat sowohl an Porsche als auch an Europas größtem Autohandelshaus, der Porsche Holding, beteiligt, die in vielen Ländern als Generalimporteur für mehrere Marken des VW-Konzerns arbeitet. Piëch will aber auf jeden Fall bis zum Ablauf seines Vertrags 2007 Chef des Kontrollgremiums bleiben. Nach dessen Abgang will Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der zunächst als gewöhnliches Aufsichtsratsmitglied fungieren will, die Funktion übernehmen. Ein juristisches Gutachten bescheinigt ihm, dass dies durchaus möglich ist. Neben Wiedeking soll Porsches Finanzvorstand Holger Härter in den VW-Aufsichtsrat einziehen. VW-Vorstände und -Kontrolleure wollen auf einer Sondersitzung am 10. Oktober über die Folgen des Porsche-Einstiegs diskutieren.



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