Autobauer in der Krise GM kürzt Gehälter von Opel-Managern

Sämtliche Zulagen sind gestrichen: Wegen der Krise bei General Motors müssen Manager der deutschen Tochter Opel Gehaltseinbußen hinnehmen. Auch die normalen Mitarbeiter bekommen den Sparkurs wohl bald zu spüren - der Autobauer erwägt die 30-Stunden-Woche in allen Werken außer Rüsselsheim.


Berlin/Washington - 14 Monate keine Bonuszahlungen, keine Prämien und keine sonstigen Sondervergütungen: Die Führungskräfte der General-Motors-Tochter Opel müssen ab sofort auf Teile ihres Einkommens verzichten. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Angaben von General Motors Europa. Demnach hat GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster konzernweit alle vertraglich zugesicherten Zulagen gestrichen. Die Regelung gelte für die oberen Managementebenen an allen europäischen Standorten, also auch im Saab-Werk Trollhättan in Schweden, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter. Hintergrund sei die wirtschaftlich schwierige Lage des Mutterkonzerns.

Opel-Werk in Eisenach: Produktion ist gedrosselt
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Opel-Werk in Eisenach: Produktion ist gedrosselt

Der Opel-Konzernbetriebsratschef Klaus Franz kommentierte den Schritt in der Online-Ausgabe von "Bild" mit den Worten: "Das ist sicherlich angesichts der Situation von General Motors ein richtiger Schritt und ein deutliches Zeichen." Ob auch andere Opel-Angestellte betroffen sind, ist noch unklar: "Das heißt noch lange nicht, dass die Beschäftigten, die viel weniger Gehalt bekommen, dem jetzt nacheifern müssten", sagte Franz.

Wegen des rückläufigen Absatzes plant Opel zudem deutliche Produktionskürzungen in fast allen europäischen Werken. Diskutiert wird auch eine Verkürzung der Arbeitszeit, wie Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte. Demzufolge wird in den europäischen Werken bereits die 30-Stunden-Woche diskutiert. Davon ausgenommen sei nur das Werk in Rüsselsheim, weil dort der neue Insignia eine gute Auslastung sichere. In den übrigen Werken in Bochum, Eisenach, Antwerpen oder Saragossa müsse dagegen mit Unterauslastungen gerechnet werden, sagte Franz.

Wie Opel-Geschäftsführer Hans Demant der Zeitung sagte, plant der Rüsselsheimer Autobauer für das kommende Jahr eine Korrektur der Produktionsplanung um gut zehn Prozent nach unten. Opel dürfte dann statt 1,7 Millionen Autos nur noch um die 1,5 Millionen herstellen, schreibt das Blatt.

Dem Bericht zufolge braucht Opel im "schlimmsten anzunehmenden Fall" eine Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro. Dabei gehe es um 1,3 Milliarden Euro für das kommende Jahr und weitere 500 Millionen für 2010, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Teilnehmer der Berliner Krisengespräche.

Der Europa-Chef von GM, Carl-Peter Forster, hatte das erbetene Bürgschaftsvolumen bereits auf "etwas mehr als eine Milliarde Euro" beziffert. Opel betont, es gehe nur um eine Vorsorge für den Fall, dass nach einer Insolvenz der amerikanischen Konzernmutter die Geldströme abreißen. Die Bundesregierung will bis Weihnachten über die Gewährung einer Bürgschaft entscheiden.

Opel-Chef Hans Demant betonte in der "FAZ": "Selbst im Fall einer starken Rezession ist auch ohne die Bürgschaft unsere Liquidität für eine absehbare Zukunft gesichert." Die Zahlungsfähigkeit von Opel wäre auch im Fall einer Insolvenz von GM gewährleistet, sagte er.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zeigt sich unterdessen zuversichtlich, dass General Motors zur Rettung von Opel beiträgt. Glos sagte der Zeitung, Opel habe von dem US-Automobilkonzern noch viel Geld zu bekommen. General Motors habe aber bereits Entgegenkommen signalisiert. Es sei zu hoffen, dass das Unternehmen mit Hilfe des künftigen US-Präsidenten Barack Obama in die Lage versetzt werde, das Geld an Opel vollständig zurückzuzahlen.

Derweil wird in der Union massive Kritik an der Ankündigung einer staatlichen Bürgschaft für Opel laut. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs (CDU), sagte der "Berliner Zeitung": "Das können wir uns nicht leisten." Es sei unmöglich, eine Grenze zu definieren, ab der Unternehmen geholfen werden müsse. Gleichzeitig werde durch die Hilfe für einen Konzern der Wettbewerb verzerrt. Das Beispiel des Baukonzerns Philipp Holzmann habe gezeigt, dass kranke Unternehmen trotz staatlicher Hilfen pleitegingen.

Opel in Deutschland: Traditionsmarke mit Krisenerfahrung
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Die Wurzeln
Das 146 Jahre alte Traditionsunternehmen Opel produzierte ursprünglich Nähmaschinen und Fahrräder. Erst später entwickelte es sich zum größten deutschen, europaweit tätigen Autohersteller. 1929 übernahm der US-Konzern General Motors die Adam Opel AG - für den seinerzeit enormen Betrag von 33,4 Millionen Dollar.

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Die Krisenzeiten
In den neunziger Jahren geriet der Autobauer erstmals in heftige Turbulenzen: 1997 fuhr die Adam Opel AG mit 228 Millionen Mark erstmals in die Verlustzone. Es folgten Sparprogramme unter dem später in die Führung von GM-Europe aufgerückten Manager Carl-Peter Forster. Zurzeit leidet Opel vor allem unter den Problemen des Mutterkonzerns: General Motors droht angesichts eines massiven Absatzeinbruchs das Aus.

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Das Werk in Rüsselsheim
Rüsselsheim in Hessen ist der Stammsitz des 146 Jahre alten Unternehmens. Hier arbeiten 18.300 Mitarbeiter. Neben der Zentrale ist hier das Internationale Technische Entwicklungszentrum und ein neu errichtetes Werk angesiedelt (Jahreskapazität: 270.000 Einheiten). Dazu kommt noch das Testcenter im nahen Dudenhofen.

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...Bochum
Seit 1962 ist Opel am Standort Bochum in Nordrhein-Westfalen tätig. Mittlerweile werden drei Werke auf einem ehemaligen Zechengelände betrieben. Die 5300 Mitarbeiter stellen vor allem den Astra, Zafira, Achsen und Getriebe her. 2007 wurden rund 240.000 Fahrzeuge gebaut.

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...Kaiserslautern
In Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz stellen rund 1200 Mitarbeiter Vierzylinder-Leichtmetall-Ottomotoren und Vierzylinder-Turbodieselmotoren mit Commonrail-Kraftstoffeinspritzung her. Im Komponentenwerk sind weitere 2300 Mitarbeiter tätig. Opel ist seit 1966 in Kaiserslautern.

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...Eisenach
Bei der Opel Eisenach GmbH in Thüringen produzieren 1900 Mitarbeiter den neuen Corsa. Das Werk machte 1992 kurz nach der Wende auf.

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cvk/ddp/dpa-AFX/AFP



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