Autobauer in Not GM entwickelt Notfallplan für Opel

Die Verhandlungen von General Motors und der Bundesregierung über Hilfen für Opel dauern womöglich länger als geplant - deshalb kündigt der US-Autobauer jetzt Notfallpläne an. Das deutsche Verhandlungsteam steht inzwischen fest, es nimmt sofort seine Arbeit auf.


New York/Berlin - Der ums Überleben kämpfende US-Autobauer General Motors (GM) hat für seine Europa-Geschäfte rund um Opel "Notfallpläne" angekündigt. Hintergrund sei, dass die Verhandlungen mit mehreren europäischen Staaten wie etwa Deutschland über Finanzhilfen womöglich nicht bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden könnten. Dies gab General Motors am Donnerstagabend Ortszeit in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht bekannt. Details zu den Plänen nannte die Opel-Mutter nicht.

Opel-Arbeiter in Rüsselsheim: Verhandlungsteam für die deutschen Interessen
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Opel-Arbeiter in Rüsselsheim: Verhandlungsteam für die deutschen Interessen

US-Präsident Barack Obama hat GM bis zum 1. Juni eine letzte Frist für einen neuen Sanierungsplan gesetzt. Der US-Konzern will dazu auch Milliardenhilfen bei europäischen Regierungen einsammeln. GM rechnet den neuen Angaben zufolge dabei nicht mehr mit einer Unterstützung durch den schwedischen Staat für die Tochter Saab.

Opel selbst will unabhängiger von der US-Mutter werden und strebt eine eigenständige europäische Gesellschaft an. Dazu bittet das Traditionsunternehmen den Staat um Hilfe in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. General Motors Chart zeigen kämpft derzeit ums Überleben und droht Opel mit in den Abgrund zu reißen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat staatliche Bürgschaften für private Investoren bei Opel zugesagt, eine Staatsbeteiligung an dem Traditionsunternehmen lehnt sie ab.

Das Verhandlungsteam der Bundesregierung zur Rettung von Opel nimmt am Freitag derweil seine Arbeit auf. Das Gremium werde von Jochen Homann, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, geleitet, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") unter Berufung auf Regierungskreise. Das Finanzministerium sei durch Staatssekretär Jörg Asmussen vertreten.

Aus SPD-nahen Regierungskreisen war Kritik darüber zu hören, dass keine Vertreter aus Außen- und Arbeitsministerium eingeladen waren. Kanzlerin Merkel habe damit ihre Ankündigungen nicht eingehalten, hieß es. Es bestehe "Sorge über die Ernsthaftigkeit" der Regierung bei der Lösung der Probleme. In dieser für Opel schwierigen Lage sollten "taktische Spielchen" unterbleiben.

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Das Team soll die deutschen Interessen gegenüber GM und der US-Regierung vertreten. Merkel hatte die Bildung der Gruppe am Dienstag bei einem Besuch im Opel-Werk in Rüsselsheim angekündigt. Neben Vertretern des Bundes und der Länder mit Opel-Standorten sollen in dem Team auch Investmentbanker und Wirtschaftsexperten mitarbeiten. Der "SZ" zufolge ist unter anderem die Investmentbank Lazard in dem Gremium vertreten.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier plädierte erneut für einen Staatseinstieg bei Opel, sollte kein geeigneter Investor gefunden werden. "Wir sollten eine vorübergehende staatliche Beteiligung an Opel nicht von vorneherein kategorisch ausschließen. Schon deshalb, damit ein Privatinvestor dem Staat nicht die Bedingungen diktiert", sagte der Außenminister den Dortmunder "Ruhr Nachrichten".

Man dürfe Opel allerdings "auch nicht an den Nächstbesten verschenken", sagte Steinmeier. "Wenn der Staat eine Milliardenbürgschaft gibt, müssen wir schon ein langfristiges, tragfähiges Zukunftskonzept verlangen. Falls das ausbleibt, müssen wir trotzdem handeln", erklärte er. "Wir können Opel nicht einfach pleitegehen lassen." Bei dem Autobauer gehe es um 30.000 Arbeitsplätze und weitere 100.000 Stellen bei Zulieferern und Händlern. "Darum muss die Politik alle Möglichkeiten ausloten, um das Unternehmen zu erhalten und Brücken zu bauen."

kaz/dpa/Reuters/ddp



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