Autobauer Kia wirbt VW-Chefdesigner ab

Konkurrent Kia setzt Volkswagen zurzeit mächtig zu: Ausgerechnet den Chefdesigner der Kernmarke, Peter Schreyer, warb der asiatische Autobauer jetzt ab - damit wechselt schon der zweite VW-Manager zu den Koreanern.


Wolfsburg - Er zeichnete in seiner Zeit bei Audi den Audi A3 und schuf den legendären Sportwagen TT, 2005 gewann er den Designerpreis der Bundesrepublik Deutschland. Und er weiß um die Bedeutung seines Jobs: Nichts zähle beim Autokauf so sehr wie die Form, sagte der Chefdesigner der Marke VW, Peter Schreyer, einmal. Umso härter wird es Volkswagen Chart zeigen treffen, dass der 52-Jährigen künftig die Wagen der Konkurrenz entwerfen will. Wie das "manager magazin" erfuhr, hat der asiatische Autobauer Kia Schreyer abgeworben.

VW-Chefdesigner Schreyer: Nichts zählt beim Kauf mehr als die Form
DPA

VW-Chefdesigner Schreyer: Nichts zählt beim Kauf mehr als die Form

Damit wäre Schreyer innerhalb weniger Monate der zweite Top-Manager, den VW an die aufstrebende Marke verliert: Im Herbst war der frühere US-Statthalter von VW, Len Hunt, zu Kia gewechselt. Der Wolfsburger Konzern kommentierte den Bericht zunächst nicht.

Auch sonst herrscht Unruhe bei VW, wo derzeit zahlreiche Posten neu vergeben werden. Wie das "Handelsblatt" berichtete, billigte der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung gestern etwa den Aufstieg des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers und VW-Argentinienchefs Viktor Klima zum Generalbevollmächtigten für Südamerika. Er solle direkt VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder untergeordnet werden.

Außerdem sei der ehemalige Leiter des Werkes Wolfsburg, Werner Neubauer, zum Generalbevollmächtigten für den sanierungsbedürftigen Bereich Komponentenwerke mit 30.000 Mitarbeitern ernannt worden. . Generalbevollmächtigter für den chinesischen Markt wird der Zeitung zufolge VW-China-Chef Winfried Vahland.

VW stellt wesentlich mehr Autoteile als die Konkurrenz selber her und erleidet wegen der hohen Löhne so Wettbewerbsnachteile. Der Konzern will diese Kosten senken, trifft aber auf den Widerstand der Gewerkschaft, die etwa Werksverkäufe ablehnt.

Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte jetzt den Bau eines weiteren Automodells im Werk Wolfsburg, das nicht ausgelastet ist. Mit der Erhöhung der Auslastung von jetzt 392.000 Stück pro Jahr auf 460.000 Stück würden laut Osterloh die Kosten pro Auto um 400 Euro sinken. In der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" bekräftigte Osterloh, dass die Gewerkschaft der Forderung des VW-Managements nach längeren Arbeitszeiten "nicht zum Nulltarif" zustimmen werden.

"Wir erwarten diesmal verbindliche Zusagen vom Vorstand", sagte er mit Blick auf die nächste Verhandlungsrunde Anfang September. Der Vorstand fordert von der Belegschaft eine Arbeitszeitverlängerung auf 35 Stunden ohne Lohnausgleich. Um überzählige Mitarbeiter loszuwerden, läuft zurzeit ein umfangreiches Programm aus Vorruhestand, Altersteilzeit und Abfindungen. Betriebliche Kündigungen sind nach einem Tarifvertrag bis 2011 nicht möglich. Insgesamt will der Autobauer rund 20.000 Mitarbeiter loswerden. VW zahlt seinen Arbeitern in Deutschland rund 20 Prozent mehr als vergleichbare Autofirmen. Die sechs westdeutschen Traditionswerke arbeiten laut Firmenangaben mit Verlust.

ase/AP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.