Autobranche VW und DaimlerChrysler gemeinsam auf Sparkurs

In der deutschen Autobranche wird gespart: DaimlerChrysler erwägt Presseberichten zufolge, Teile seiner Buchhaltung in Billiglohnländer auszulagern. Außerdem sucht der Konzern einen Partner für seinen Kleinwagenbereich – und hat dafür den großen Konkurrenten Volkswagen im Auge.


Hamburg – DaimlerChrysler Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen wollen im Bereich Klein- und Kompaktwagen künftig enger zusammenarbeiten. VW solle möglicherweise künftig die Motoren für den zweisitzigen Smart von DaimlerChrysler liefern, berichtet der "Focus". Demnach sollen im kleinsten Daimler-Wagen Motoren zum Einsatz kommen, die bislang für die Baureihen Fox und Polo von VW konzipiert sind. Dem Bericht zufolge beraten Entwickler beider Konzerne seit einigen Monaten über dieses Projekt.

Daimler-Wägelchen Smart: Motor möglicherweise von VW
AP

Daimler-Wägelchen Smart: Motor möglicherweise von VW

Auch in der Kompaktwagenklasse solle zwischen den Wolfsburgern und den Stuttgartern kooperiert werden: So werde über eine gemeinsame Plattform für die Baureihen der Mercedes A- und B-Klasse, den Chrysler PT-Cruiser und VW-Golf beraten. Sprecher beider Konzerne wollten das jedoch nicht bestätigen.

Die "Stuttgarter Zeitung" berichtet zudem, DaimlerChrysler denke derzeit darüber nach, Teile seiner Buchhaltung aus Kostengründen in Billiglohnländer auszulagern. "Für die Betriebsbuchhaltung gibt es offizielle Überlegungen der Unternehmensseite, dass dafür auch Standorte in Tschechien oder Indien in Frage kommen könnten", sagte Betriebsratschef Erich Klemm dem Blatt.

Der Betriebsrat lehnt eine Auslagerung strikt ab. "Wenn das Unternehmen eine neue Organisation schafft, die zu Personalüberhängen führt, darf man diese nicht dadurch verschärfen, dass Arbeiten nach außen vergeben werden", sagte Klemm. "Deshalb ist es für uns eine zentrale Frage, dass Outsourcing im Interessenausgleich ausgeschlossen wird", fügte er hinzu.

Die Unternehmensleitung von DaimlerChrysler verhandelt seit zwei Monaten mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die Neuordnung der Verwaltung. Die Verhandlungen sollen am Montag fortgesetzt werden.

Um die Kosten zu senken und die Entscheidungsabläufe zu beschleunigen, wollen beide Konzerne Stellen abbauen – VW angeblich bis zu 20.000 allein in Deutschland, DaimlerChrysler weltweit 6000, davon etwa 3200 in Deutschland. Zudem will der Stuttgarter Autobauer seine Führungsstruktur neu ordnen und Kompetenzen aus den Werken in die Zentrale nach Stuttgart verlagern.

kaz/AP/ddp



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