Autoindustrie Viel Lob für Porsche-Einstieg bei VW

Die Porsche AG hat bestätigt, 20 Prozent des Stammkapitals von VW erwerben zu wollen. Die Reaktionen auf den Deal fielen überaus positiv aus: Das Land Niedersachsen, der Bundeswirtschaftsminister, die IG Metall – alle loben die "deutsche Lösung".


Wendelin Wiedeking (auf der IAA): Geschäft absichern mit der VW-Beteiligung
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Wendelin Wiedeking (auf der IAA): Geschäft absichern mit der VW-Beteiligung

Stuttgart - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat den angekündigten Einstieg von Porsche bei Volkswagen als gutes Signal für die heimische Industrie bezeichnet. "Die beabsichtigte Beteiligung von Porsche bei VW ist gut für beide Unternehmen und gut für den Standort Deutschland", kommentierte Clement heute. Er sei froh, dass mit Porsche ein langfristig denkender Investor bei dem Wolfsburger Autokonzern einsteigen wolle.

Nach einer entsprechenden Meldung des SPIEGEL hatte Porsche heute bestätigt, 20 Prozent des Stammkapitals von Volkswagen erwerben zu wollen. Als Grund für den unerwarteten Schachzug, der die Stuttgarter nach derzeitigem VW-Aktienkurs rund drei Milliarden Euro kosten würde, nannte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking die Stellung, die VW für Porsche als Entwicklungspartner und Lieferant habe. Zudem wolle er eine feindliche Übernahme von VW durch Dritte auf diese Weise unmöglich machen.

Lob kam auch vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Er wertete den geplanten Einstieg als mutigen Schritt zur Sicherung von Arbeitsplätzen. "Mit der Beteiligung werden langfristig Arbeitsplätze in Baden-Württemberg und Niedersachsen gesichert", ließ der CDU-Politiker über die Staatskanzlei in Stuttgart mitteilen. Es sei ein "mutiges und weitsichtiges Engagement" von Porsche. "Dieser Aktienerwerb verstärkt alle Möglichkeiten der Kooperation von Porsche und Volkswagen bei der Forschung und Entwicklung künftiger Fahrzeuggenerationen", urteilte Oettinger. Der Vorstoß von Porsche zeige zudem, dass feindliche Übernahmen der deutschen Industrie erfolgreich abgewehrt werden könnten.

Auch Volkswagen selbst reagierte erfreut auf die Ankündigung. Eine stabile Aktionärsstruktur sei für ein langfristig angelegtes Automobilgeschäft sehr wichtig, sagte VW-Sprecher Frank Gaube in Wolfsburg. Durch eine Beteiligung von Porsche werde die bisherige Zusammenarbeit zwischen VW und dem Stuttgarter Sportwagenhersteller zusätzlich gestärkt.

Die IG Metall sieht den geplanten Deal ebenfalls positiv. "Das ist gut für das Unternehmen und gut für den Standort Deutschland", sagte Gewerkschaftssprecher Georgios Arwanitidis der "Frankfurter Rundschau". Der Einstieg von Porsche als Großaktionär bei VW sei die "logische Fortsetzung" der guten Zusammenarbeit zwischen den beiden Autobauern in den vergangenen Jahren. Aus Sicht der IG Metall sei zu begrüßen, dass damit eine feindliche Übernahme erschwert werde.

Das Land Niedersachsen als mit Abstand größter Aktionär hat den geplanten Einstieg der Porsche AG bei Volkswagen ebenfalls ausdrücklich begrüßt. "Die niedersächsische Landesregierung freut sich über das Interesse der Porsche AG, großer Aktionär der VW AG zu werden", hieß es in einer in Hannover verbreiteten Mitteilung. In dem Plan liege eine große Chance für das Automobilland Deutschland im Hinblick auf Qualität, Image und technische Innovation. "Wir sind in guten Gesprächen", erklärte die Landesregierung. "Das Land steht zu seinem Engagement bei Volkswagen."

Niedersachsen hält derzeit rund 18,2 Prozent der Aktien von Volkswagen. Durch das VW-Gesetz von 1960 ist zudem der beherrschende Einfluss des Landes auf alle unternehmerischen Entscheidungen in Wolfsburg abgesichert. Genau diese Sonderrolle will die Europäische Kommission nicht mehr hinnehmen und klagt deshalb vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Sollte sich Brüssel durchsetzen, wäre ein Engagement von Porsche ein wirksamer Schutz vor feindlichen Übernahmen. Derzeit sind zwei US-Investmentgesellschaften mit rund zehn und rund fünf Prozent nach dem Land Niedersachsen die größten Aktionäre bei Europas größtem Autobauer. Die Firmen Porsche und VW kooperieren bereits sowohl in der Produktion als auch in der Entwicklung.



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