Autoindustrie Wird BMW von Ford geschluckt?

Der US-amerikanische Autogigant Ford will offenbar nicht nur die Rover-Tochter Land Rover, sondern auch BMW übernehmen. Die Quandt-Familie als BMW-Hauptaktionär könnte dabei helfen: Sie scheint ihr Aktienpaket nicht mehr unter allen Umständen halten zu wollen.


Hamburg/Berlin - An dem Münchener Autokonzern habe der zweitgrößte Autohersteller der Welt "großes Interesse", berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf BMW-Kreise. Zwar gebe es zwischen den beiden Unternehmen noch keine Kontakte auf Vorstandsebene, doch werde seit etwa drei Monaten über Mittelsmänner die Möglichkeit einer Übernahme sondiert. Auch der Volkswagen-Konzern und General Motors hätten erneut Interesse an BMW bekundet.

BMW-Zentrale in München: Nach dem Abstoßen von Rover rücken die Kaufinteressenten immer näher
DPA

BMW-Zentrale in München: Nach dem Abstoßen von Rover rücken die Kaufinteressenten immer näher

BMW hatte am Freitag angekündigt, Land Rover für rund sechs Milliarden Mark an Ford zu verkaufen. Mit der Übernahme der Rover-Tochter durch den US-Konzern, so die Zeitung, bestehe eine erste Verknüpfung zwischen den beiden Herstellern, da BMW auch künftig Elektronikteile und Komponenten für die Geländewagen liefern solle. Für die Quandt-Familie, die als Hauptaktionär 48 Prozent der BMW-Aktien hält, führe derzeit der Erbe Stefan Quandt Gespräche. Die 73-jährige Johanna Quandt soll bereits treibende Kraft beim Rover-Verkauf gewesen sein, da sie eine Abkühlung der Autokonjunktur befürchte.

BMW hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, ein Verkauf des Unternehmens stehe nicht zur Debatte. Die Familie Quandt hatte zuletzt am Donnerstag erklären lassen, am Bekenntnis der Familie zum BMW-Konzern könne es weiterhin keine Zweifel geben.

Nun hat die Quandt-Familie offenbar erstmals Bedingungen für ein Festhalten an ihrem Aktienpaket gestellt. Die Familie habe von BMW-Chef Joachim Milberg verlangt, Lösungen zu finden, die die Unabhängigkeit von BMW erhalten, sagte BMW-Konzernbetriebsratschef Manfred Schoch der "Welt": "Nur dann kommt ein Verkauf von Aktienpaketen der Familie Quandt nicht in Frage."

Nach dem Bericht der "Welt am Sonntag" stehen neben einer möglichen Übernahme von BMW noch weitere Allianzen in der Autobranche bevor. So soll DaimlerChrysler trotz des angekündigten Einstiegs von General Motors bei Fiat weiter an dem italienischen Autohersteller interessiert sein. "Zwar gibt es die Erklärung, dass General Motors 20 Prozent übernehmen will. Doch ist ein Rückzug der Amerikaner noch immer möglich", sagte ein Manager der Zeitung. Ein Sprecher von DaimlerChrysler bezeichnete den Bericht als "Spekulation".

Auch die Verhandlungen über eine Kooperation von DaimlerChrysler mit der japanischen Mitsubishi-Gruppe stehen der Zeitung zufolge kurz vor einer Entscheidung. Hier hänge eine Fusion eigentlich nur noch davon ab, ob DaimlerChrysler bereit sei, die aufgelaufenen Mitsubishi-Schulden von mehr als 30 Milliarden Mark zu übernehmen, zitierte das Blatt einen "Branchenkenner".



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