Autokonzern Awtowas Putins KGB-Freunde wirtschaften Staatskonzern ab

Eine Milliarde Dollar hat er schon bekommen, doch das ist nicht genug: Russlands größter Autohersteller Awtowas steht trotz Staatshilfe kurz vor dem Bankrott. Selbst Regierungschef Putin verliert deshalb die Geduld mit dem Management - obwohl es alte KGB-Kameraden sind.

Von , Moskau


Moskau - Der Bericht war ein Schock für die Spitzenbeamten in Moskaus Weißem Haus: Schonungslos offenbarten die Manager von Awtowas der russischen Regierung in ihrem Hauptsitz, wie es um den russischen Automobilkonzern bestellt ist. Das Unternehmen aus Togliatti an der Wolga mit rund 100.000 Beschäftigten hat im vergangenen Jahr rote Zahlen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar geschrieben. Damit nimmt das traditionsreiche Unternehmen, das den Pkw Lada herstellt, hinter General Motors Chart zeigen, Ford Chart zeigen, Toyota Chart zeigen und Nissan Chart zeigen den Platz fünf in der Welthitliste Verlust machender Autokonzerne ein.

Arbeiter in einer Fabrik von Awtowas: Management ruft nach staatlichen Hilfen
AFP

Arbeiter in einer Fabrik von Awtowas: Management ruft nach staatlichen Hilfen

Doch damit nicht genug: Das Management ruft nun nach neuen staatlichen Hilfen - obwohl die Regierung unter Premierminister Wladimir Putin dem Autogiganten diese schon reichlich gewährt hat. Insgesamt ist bereits rund eine Milliarde US-Dollar geflossen. Hinzu kamen noch erhöhte Einfuhrzölle für ausländische Pkw, um die vaterländische Automobilbranche anzukurbeln.

Das bisherige Wohlwollen Putins für die Pkw-Produzenten an der Wolga überrascht nicht, gehört das Unternehmen doch zur großen Staatsholding Rostechnologii. Deren Boss ist Sergej Tschemesow, Ende der achtziger Jahre gemeinsam mit Putin als KGB-Auslandsaufklärer in der DDR tätig. Tschemesows Team versprach, in Kooperation mit dem französischen Unternehmen Renault Nissan Chart zeigen das veraltete Werk zu modernisieren und schon 2009 schwarze Zahlen zu schreiben. Doch mehrere französische Manager bei Awtowas haben inzwischen resigniert. Die Franzosen hatten 25 Prozent der Aktien des Unternehmens für eine Milliarde Euro erworben. Wo das Geld geblieben ist, untersuchen jetzt Auditoren des Rechnungshofs - auf Weisung der russischen Regierung.

Kein Konzept, nur Putin

Russische Experten kritisieren, das Awtowas-Management verfüge unter dem früheren Spitzenbeamten Boris Aljoschin über keinerlei Pläne für die Bewältigung der Krise. Auch Mitarbeiter der Konzernhierarchie sagen, man habe statt auf ein Konzept schlicht auf das freundschaftliche Verhältnis von Tschemesow zu Premier Putin gesetzt - und damit auf immer neue staatliche Finanzspritzen.

Doch diese Taktik ist ausgereizt. Das wurde deutlich, als der Konzern ankündigte, die Wochenarbeitszeit ab 1. September auf 20 Stunden zu verkürzen, mit entsprechenden Lohnkürzungen.

Kein Wunder, dass bei den Arbeitern die Proteststimmung wächst - zumal sie wissen, wie Spitzenmanager für sich sorgen. Für besondere Empörung sorgt der Fall des früheren Aufsichtsratschefs und jetzigen Gouverneurs von Samara, Wladimir Artjakow, der in seiner Einkommenserklärung für 2006 Einahmen von 40 Millionen Euro deklariert hat. Artjakow ist weiterhin Mitglied des Awtowas-Aufsichtsrates. Im Juni konnten die Fernsehzuschauer in den Abendnachrichten sehen, dass Putin den Gouverneur vor laufenden Kameras warnte, die staatlichen Hilfen für Awtowas "nicht einfach zu verzehren". Der Auftritt des Premiers war ein deutliches Signal an Tschemesow und sein Team, dass Putin ineffektive Manager nicht endlos dulden wird, auch wenn sie früher seine Kameraden im KGB waren.

Die desolate Lage des Konzerns ist umso ärgerlicher, als zahlreiche russische Ökonomen und Experten glauben, dass Awtowas auch ohne ständige staatliche Dotationen erfolgreich arbeiten könnte. Zwar versuchen die Manager des Konzerns, die Schuld für den angeschlagenen Zustand des Unternehmens auf die Zulieferer zu schieben, die nicht zu Preissenkungen bereit seien. Doch auch die Zulieferer befinden sich wegen der Lage des Unternehmens bereits am Rande des Ruins.

Einer der größten Zulieferer, die Unternehmensgruppe SOK, hat auf der Aktionärsversammlung von Awtowas Ende Juni einen Sanierungsplan für das Werk vorgelegt. Das Konzept verspricht, den Konzern bis Dezember aus der Verlustzone zu führen und den Absatz um 30 Prozent zu steigern. Russische Experten warten nun, ob das Management des Konzerns zu Innovation bereit ist oder Russlands größte Automobilfabrik zum Abpumpen von Milliarden aus der Staatskasse nutzt.



insgesamt 59 Beiträge
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herrwestphal 12.07.2009
1. Der wilde Osten.....
zeigt mal wieder sein wahres Gesicht. Aber was soll man auch erwarten von einer Wirtschaft die von altgedienten KGB Agenten mal so schwuppdiwupp übernommen wurde, vorher schon als marode galt und nun von inkompetenten und korrupten Pseudoführungspersönlichkeiten gelenkt wird. Russland ist ein bemitleidenswertes Land geworden, zerissen von ideologischer und sozialer Ziellosigkeit und einem Weltmachtsanspruch der allenfalls gerechtfertigt wird durch eine gefährlich veraltete Atomstreitmacht. Putin macht sich lächerlich indem er hier von sich ablenkt, da er doch selbst sich dermaßen am ehemaligen Volkseigentum der Sowjetunion bedient hat, dass er nun zu den reichsten Russen gehört. Wie hat er das wohl geschafft? Durch harte und ehrliche Arbeit? In welchem Land der "Industrienationen" gibt es eine derartige Kombination aus politischer Macht UND Geld vereint in einer Person? Was für eine verachtenswerte Machtelite sich in diesem Lande etabliert hat ist kaum noch in Worte zu fassen. Jedes Unternehmen dass in Russland oder in russische Unternehmen auch nur einen Cent investiert, hat es nicht besser verdient als verarscht zu werden. Punkt!
anders_denker 12.07.2009
2. da wird wohl jemand in der konzernzentarle gepfiffen haben
denn wenn man das tut, geht nach russischem aberglauben das geld aus. allen ernstes: auch wenn ich nur andere russische autobauer kenne. prakttisch überall herrscht eine merkliche demotivation und fehlende moderne organisation vor. von ben gewollt, von unten wäre man bereit, aber eine gewisse mittelschicht mauert und sichert kutzfristig denkend besitzstände. hinzu kommt häufig ein system, das denjenigen abstraf, der ein problem meldet. da montiert man besser was falsches - oder z.b. bei mangel an muttern eben mit 2 anstelle der nötigen vier. final zählt was hinten rauskommt (nicht aber die qualität). wobei es eigebntlich díe materialmängel nicht geben dürfte, betrachtet man die dort übliche sicherheitslagerhaltung, mindestbestandsquoten von 3-40% etc. ein grauen für jeden, der wolfsburg oder eisenach etc. kennt. ganz klar kommt hinzu - das vertrauen der einheimschen in diesen hersteller ist gering. kuriosität am rande. der alte niva, der seit eniger zeit unter dem chevrolet stern produziert wird, gilt als minderwertiger als das sovietmodell. wie es richtig schlecht geht kann man also auch noch lernen. Von GM!
h.d.mohl 12.07.2009
3. Russland isolieren!
Zitat von sysopEine Milliarde Dollar hat er schon bekommen, doch das ist nicht genug: Russlands größter Autohersteller Awtowas steht trotz Staatshilfe kurz vor dem Bankrott. Selbst Regierungschef Putin verliert deshalb die Geduld mit dem Management - obwohl es alte KGB-Kameraden sind. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635483,00.html
Russland hat sich als Oligarchen-Diktatur modernisiert und möchte als solche weltpolitisch und weltwirtschaftlich mitspielen. Es fällt ins 19. jahrhundert zurück, möchte aber im 21. Jahrhundert die Weltpolitik und -wirtschaft mitbestimmen. Da Russlands nach Innen wie nach Aussen keine internationalen Standards bzgl. Gewaltenteilung, Industrieinfrastruktur, Meschenrechte, internationale Verträge, Kriegsführung, etc. einhält, muss die internationale Gemeinschaft den russischen (Wirtschafts-)Imperialismus in seine Schranken weisen: durch scharfe und sofortige Konsequenzen bei Nichteinhaltung von internationalem Handels- und Straf- und Vertragsrecht. Russische Investitionen müssen im EU-Raum unbedingt verhindert werden, da Russland kein zuverlässiger Geschäftspartner ist: siehe Wadan-Werften, Gasverträge, etc. Opel z.B. über Magna in russischer Hand wäre dem Untergang geweiht. Dem russischen Bär muss die Flinte erforderlichefalls an den Kopf gehalten werden! Hans-Dieter Mohl
peter m. 12.07.2009
4. titel
@ h.d. moll ist der schwachsinn den sie schreiben ernst gemeint? wie auch immer. ich denke man muss nicht beim kgb gewesen sein um ein unternehmen in den ruin zu wirtschaften. arcandor, ikb, gm, chrysler.. die liste ließe sich beliebig fortsetzen. außerdem.. was ist schon eine milliarde $. gm hat wohl schon 50 milliarden bekommen. dass putin die unfähigen manager entlässt ist auch super. hier ist nämlich der unterschied zu den 90er jahren, als sich das oligarchenpack so lange bereichern konnte bis die unternehmen zusammenbrachen. heute werden die chefs der staatsholding einfach gefeuert wenn sie versagen. und das ist auch gut so. ob man die russische automobilindustrie retten sollte ist sowieso eine andere frage. bei der menge an arbeitsplätzen wird man es aber machen müssen. putin hin oder her, ein premierminister der nicht für arbeitsplätze kämpft wird verlieren. auch putin.
herrwestphal 12.07.2009
5. Es gibt keinen....
Zitat von peter m.@ h.d. moll ist der schwachsinn den sie schreiben ernst gemeint? wie auch immer. ich denke man muss nicht beim kgb gewesen sein um ein unternehmen in den ruin zu wirtschaften. arcandor, ikb, gm, chrysler.. die liste ließe sich beliebig fortsetzen. außerdem.. was ist schon eine milliarde $. gm hat wohl schon 50 milliarden bekommen. dass putin die unfähigen manager entlässt ist auch super. hier ist nämlich der unterschied zu den 90er jahren, als sich das oligarchenpack so lange bereichern konnte bis die unternehmen zusammenbrachen. heute werden die chefs der staatsholding einfach gefeuert wenn sie versagen. und das ist auch gut so. ob man die russische automobilindustrie retten sollte ist sowieso eine andere frage. bei der menge an arbeitsplätzen wird man es aber machen müssen. putin hin oder her, ein premierminister der nicht für arbeitsplätze kämpft wird verlieren. auch putin.
aber auch überhaupt gar keinen Grund den Beitrag von Herrn Moll als Schwachsinn abzutun!! Außerdem gibt es auch keinerlei Grund beleidigend zu werden!!! Wenn sie eine andere Meinung haben ist das ihr gutes Recht zumindest HIER. Ich kenne da ein paar Länder da sieht es ein bisschen anders aus. Was soll ich von einem Land halten in dem Schwule drangsaliert werden! Und in vielem hat Herr Moll recht. Russland scheint sich weiterhin in der Rolle als Klassenfeind zu gefallen. Und im Übrigen ist es egal ob es GM besser oder schlechter macht!! Das ist nicht der eigentliche Gegenstand der Diskussion!
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