Autokonzern in der Krise Daimler-Chef schließt Entlassungen nicht mehr aus

Dieter Zetsche bereitet Daimler auf den "äußersten Fall" vor: Vor Aktionären bei der Hauptversammlung in Berlin schloss er Entlassungen nicht mehr aus. Außerdem kündigte er harte Einschnitte an, auch beim Personal - und räumte eigene Fehler ein.


Berlin - Wegen der dramatischen Absatzkrise schließt die Daimler AG betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr kategorisch aus. Dieser "äußerste Fall" könne eintreten, wenn die Krisendynamik anhalte, sagte Konzernchef Dieter Zetsche bei der Hauptversammlung vor rund 6600 Aktionären in Berlin. "Um diesen äußersten Fall zu verhindern, werden wir unsere Maßnahmen auf anderen Gebieten nochmals verstärken", erklärte Zetsche und bekräftigte den rigiden Sparkurs des Unternehmens.

Daimler-Chef Zetsche:"Im Nachhinein würden wir uns wünschen, wir hätten Mitte letzten Jahres sogar noch früher gebremst"
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Daimler-Chef Zetsche:"Im Nachhinein würden wir uns wünschen, wir hätten Mitte letzten Jahres sogar noch früher gebremst"

Mit Beginn des zweiten Quartals seien die laufenden Kosten bereits drastisch verringert worden. Jede Ausgabe werde auf den Prüfstand gestellt. In der Verwaltung sollten im laufenden Jahr noch einmal 500 Millionen Euro eingespart werden. Zudem würden IT-Projekte und der Neubau des Verwaltungshochhauses in Stuttgart zurückgestellt. "Bestimmte zusätzliche Fahrzeugprojekte haben wir ebenfalls gestrichen oder zumindest verschoben", erklärte Zetsche.

Für die Belegschaft hatte der Konzern bereits drastische Sparmaßnahmen angekündigt, die die Personalkosten um zwei Milliarden Euro drücken sollen. Die Tariferhöhungen sollen begrenzt, die Zuschüsse für Kurzarbeiter gekürzt, die Arbeitszeit und damit auch der Lohn verringert sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld anteilig vermindert werden.

"Klar ist: Ohne einen substantiellen Beitrag auch der Arbeitnehmerseite wird es nicht gehen", erklärte Zetsche weiter. Bis Ende April sollen Verhandlungen mit den Gewerkschaften darüber abgeschlossen sein. Er verwies auf Gehaltseinbußen der Daimler-Führungskräfte um fast 30 Prozent. Die Vergütungen des Vorstands seien 2008 um 41 Prozent gesunken, die des Vorstandsvorsitzenden um 47 Prozent.

Für das laufende Jahr gab Zetsche einen düsteren Ausblick, ohne allerdings konkrete Zahlen zu nennen. Dies sei erst möglich, wenn die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft und der Märkte besser absehbar sei. Er verwies auf die Vorlage der Bilanz für das erste Quartal am 28. April, kündigte aber bereits ein "deutlich negatives Ergebnis" für das erste Vierteljahr an.

Zetsche räumt zu späte Reaktion ein

Auch für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein deutliches Minus beim Umsatz und Belastungen für das Ergebnis. Frühestens im zweiten Halbjahr sei damit zu rechnen, dass die Talsohle auf den Automobilmärkten durchschritten sei, sagte Zetsche. Wegen der schlechten Zahlen und Aussichten schlug der Daimler-Vorstand eine Senkung der Dividende auf 0,60 Euro (Vorjahr: zwei Euro) vor. Zetsche verwies auf die "schwer abschätzbare weitere Entwicklung", die auch eine genauere Aussage zum Ergebnis 2009 vorerst verhindere. Die Vereinigung der kritischen Daimler-Aktionäre hatte einen kompletten Verzicht auf eine Dividenden-Ausschüttung verlangt.

Für 2008 hatte Daimler Chart zeigen einen Umsatz von 95,9 Milliarden Euro ausgewiesen. Das operative Ergebnis lag bei 2,7 Milliarden Euro, das Konzernergebnis bei 1,4 Milliarden Euro.

Zetsche räumte vor den Aktionären auch Fehler des Managements ein. So habe man im vergangenen Jahr nicht sofort auf den Absatzeinbruch reagiert. Deshalb seien zu viele Autos auf Halde produziert worden. "Ich gebe zu: Im Nachhinein würden wir uns wünschen, wir hätten Mitte letzten Jahres sogar noch früher gebremst", sagte der Vorstandschef in Berlin. Nun sollen durch massive Produktionskürzungen die Lagerbestände bis zum Ende des ersten Halbjahrs dem Niveau der niedrigeren Nachfrage angepasst werden.

Im vierten Quartal 2008 hätten die Pkw-Bestände "zeitweise deutlich über dem Normalniveau" gelegen, gab Zetsche zu. Bis Ende März seien aber schon erste Fortschritte erzielt worden. Durch die Produktionskürzungen inklusive Kurzarbeit seien die Lagerbestände erstmals wieder auf den Level von vor einem Jahr gesunken.

kaz/AP/dpa-AFX



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berlin_rotrot, 08.04.2009
1.
Zitat von sysopDie Autohersteller müssen sparen, die Zulieferer trifft die Krise besonders hart. Wie sieht die Zukunft der deutschen Automobilindustrie aus?
düster düster! wenn wir endlich serienmäßig gas- und elektro autos hätten und die korrupten politiker, manager sich nicht von der Öl-Lobby schmieren lassen würden, dann hätte die Autoinidustrie auf jedenfall eine chance!
Albedo4k8, 08.04.2009
2. In den Abgrund
Mehr braucht man dazu nicht sagen. War alles schon seit Jahrzehnten absehbar.
garfield53, 08.04.2009
3. Nicht schlecht!
Die Autoindustrie insgesamt kann sich unter dem Deckmantel der Wirtschaftskrise von vielen, in ihren Augen unnützen Dingen entledigen: alten verfehlten Technologien, Pensionverpflichtungen, Festangestellten, Arbeitnehmervertretungen, Tarifbindungen, Neue Zulieferer und Dienstleister können bei einen s.g. Neubeginn noch mehr geknebelt werden. Neue Mitarbeiter können durch die auch von den Medien unternehmerfreundlich geschaffene Situation, bei eventuellen Neueinstellungen, mit den beliebten "Ostlöhnen" erpresst werden. Was besseres, als das eigene Unvermögen und die Gier zur Reparatur an den Staat abzuschieben, kann eigentlich nicht passieren. Denn aufgrund der weitgehenden Flächendemontage des Schienennetzes in Deutschland, ist der Individual- und Güterverkehr auf der Straße nicht mehr zurück zu drängen, also Autos werden auf jeden Fall gebraucht, vielleicht anders Technik, aber da hilft bestimmt die Bundesregierung mit Milliardengeschenken. Solange an jeden verkauften Fahrzeug bis zu vierzig Prozent verdient werden. Toll!
mzwk 08.04.2009
4.
Es sieht alles nach FEIERABEND aus. Jeder Deutsche Hersteller will PREMIUM sein. Wer baut die Autos fuer den kleinen Mann? Die Politik hat noch nicht begriffen das es sich bei dieser Krise um eine Ueberproduktionskrise handelt - Es stehen Massen an Fahrzeugen auf Halde die sich keiner Leisten kann. Deutsche Autos sind "over-Engineered", d.h. es ist viel zu viel ueberfluessige Technik drin, die keiner wirklich braucht. Deswegen sind alle so teuer, und das kann sich der normalverdiener nicht leisten. Deswegen wird die Autozukunft in Deutschland sehr duester aussehen. Dazu kommt noch die Abwrackpraemie, welche den Autoverkauf in .de die naechsten Jahre sehr Alt aussehen lassen wird. mfg
Rainer Eichberg 08.04.2009
5.
Zitat von sysopDie Autohersteller müssen sparen, die Zulieferer trifft die Krise besonders hart. Wie sieht die Zukunft der deutschen Automobilindustrie aus?
Eigentlich ganz gut, denn Qualität aus Deutschland hat einen guten Ruf weltweit. Insbesondere, was Autos betrifft. Momentan halten jedoch auch ansonsten kauffreudige Menschen eher den Geldbeutel geschlossen. Schlecht für Cabrio-Hersteller und deren Zulieferer. Reden wir in 3 Jahren nochmal drüber. Dann siehts bestimmt besser aus. Hoffentlich hält Karmann solange durch.
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