Autokrise Chinesen möchten Volvo kaufen

Für Fans schwedischer Autos ist dies sicher keine erfreuliche Nachricht: Der Ford-Konzern prüft einen Notverkauf seiner Tochterfirma Volvo - einem Bericht der Finanzagentur Bloomberg zufolge führt er dazu auch Gespräche mit Interessenten aus China.


Dearborn - Ford möchte verhindern, staatliche Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, und will dringend nötige Liquidität auf anderem Weg auftreiben. Ein Verkauf des 1999 übernommenen schwedischen Autoherstellers Volvo soll dem US-Konzern Liquidität bringen. Dabei interessieren sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg drei chinesische Automobilunternehmen für die Premiummarke Volvo.

Volvo-Modelle in Göteborg: Drastischer Absatzeinbruch
REUTERS

Volvo-Modelle in Göteborg: Drastischer Absatzeinbruch

Demnach führt Ford Chart zeigen bereits Verhandlungen mit der chinesischen Firma Geely Automobile, berichtet Bloomberg aus informierten Kreisen. Zudem habe Ford auch Gespräche mit den Unternehmen Chery Automobile und Chongqing Changan Automobile geführt.

Dem Vernehmen nach wird es für Ford schwierig, den 1999 gezahlten Preis für Volvo von 6,4 Milliarden Dollar zu erzielen. Der US-Autobauer machte im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordverlust von 16,4 Milliarden Dollar, der Fahrzeugabsatz auf dem amerikanischen Markt ist auf ein 27-Jahres-Tief gefallen.

Marktbeobachter zweifeln, ob ein Verkauf der Tochter Volvo nach China gelingt. Volvo würde "Geely helfen, neue Märkte zu erschließen und an bessere Technologie zu kommen", sagte Analystin Alice Chong von CIMB-GK Securities. "Aber Geely müsste kurzfristig Verluste hinnehmen, da die Verkäufe in Europa und in den USA zusammenbrechen." Ähnliches würde auch für die beiden anderen chinesischen Interessenten gelten. Sprecher von Ford und der drei chinesischen Unternehmen wollten sich zu den Spekulationen um Volvo nicht äußern.

"Chinesische Automobilhersteller wollen die Ressourcen ausländischer Konkurrenten in Sachen technischer Entwicklung anzapfen", sagte Analyst Zhang Xin von Guotai Junan Securities in Peking. "Aber aus eigener Kraft den Vorsprung der ausländischen Konkurrenz aufzuholen, würde eine Menge Zeit und Kapital erfordern. Übernahmen könnten da helfen."

Geely ist Chinas größter privater Autohersteller, gelistet in Hongkong. Presseberichten zufolge hat das Unternehmen erstmals vor einem Jahr Kontakt mit Ford über einen Kauf von Volvo aufgenommen, noch bevor Ford sich überhaupt entschieden hatte, die Tochterfirma zu verkaufen. Erste Gespräche soll es dann im Dezember gegeben haben. Den Bloomberg-Informationen zufolge soll die Export-Import-Bank of China dem Unternehmen bereits eine Finanzierung der Volvo-Übernahme zugesichert haben.

Volvo Chart zeigen mit Sitz im schwedischen Göteborg hat im vergangenen Jahr in den USA ein Absatzminus von 64 Prozent verkraften müssen. Bei Ford will man die unrentable Tochter daher schnell loswerden. Bereits im Juni 2008 verkaufte der US-Konzern die Premiummarken Jaguar und Land Rover. Käufer der einst britischen Traditionsfirmen war der indische Autohersteller Tata Motors Chart zeigen, der 2,4 Milliarden Dollar dafür zahlte. Bereits im Mai 2007 hatte Ford die Tochter Aston Martin für 931 Millionen Dollar an eine Investorengruppe verkauft.

kaz



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