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06. Februar 2009, 13:59 Uhr

Autokrise

Chinesische Firma bestreitet Interesse an Volvo

Am Vormittag wurden Volvo-Anhänger von der Nachricht aufgeschreckt, der Ford-Konzern spreche mit Interessenten aus China über den Verkauf des schwedischen Premiumherstellers. Der chinesische Autoproduzent Geely dementiert jetzt Kaufabsichten.

Shanghai - Geely will nach eigenen Angaben die schwedische Volvo-Marke nicht von Ford übernehmen. "Wir planen keinen Kauf von Volvo, so wie es einige Medien berichtet haben", sagte ein Geely-Sprecher am späten Freitagabend (Ortszeit) in Shanghai der Nachrichtenagentur Reuters.

Volvo-Modelle in Göteborg: Ford braucht dringend frisches Kapital
REUTERS

Volvo-Modelle in Göteborg: Ford braucht dringend frisches Kapital

Unter Berufung auf nicht näher identifizierte Quellen hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg zuvor berichtet, der angeschlagene US-Konzern Ford befinde sich in Vorgesprächen mit Geely, um so an frisches Kapital zu gelangen und Hilfen der US-Regierung zu vermeiden. Aber mit Chery Automobile und Chongqing Changan Automobile interessierten sich auch zwei weitere chinesische Automobilunternehmen für die Premiummarke. Eine Sprecherin von Ford in China wollte zu den Berichten keine Stellung nehmen.

Geely ist Chinas größter privater Autohersteller, gelistet in Hongkong. Presseberichten zufolge hat das Unternehmen erstmals vor einem Jahr Kontakt mit Ford über einen Kauf von Volvo aufgenommen, noch bevor Ford sich überhaupt entschieden hatte, die Tochterfirma zu verkaufen. Erste Gespräche soll es dann im Dezember gegeben haben. Den Bloomberg-Informationen zufolge soll die Export-Import-Bank of China dem Unternehmen bereits eine Finanzierung der Volvo-Übernahme zugesichert haben.

Dem Vernehmen nach wird es für Ford schwierig, den 1999 gezahlten Preis für Volvo von 6,4 Milliarden Dollar zu erzielen. Der US-Autobauer machte im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordverlust von 16,4 Milliarden Dollar, der Fahrzeugabsatz auf dem amerikanischen Markt ist auf ein 27-Jahrestief gefallen.

Marktbeobachter bezweifeln ohnehin, dass ein Verkauf der Tochter Volvo nach China gelingen könnte. Volvo könnte den Zugang auf die Märkte in Europa und den USA ermöglichen, sagte Analystin Alice Chong von CIMB-GK Securities. Aber der jeweilige Käufer müsste zunächst hohe Anlaufverluste in Kauf nehmen, weil treue Volvo-Kunden sich von der Marke abwenden könnten.

Zhang Xin, Analyst von Guotai Junan Securities in Peking hält dagegen andere Motive für ausschlaggebend. Chinesische Automobilhersteller wollten die ausländischen Konkurrenten in Sachen technischer Entwicklung anzapfen, sagte er. "Denn aus eigener Kraft den Vorsprung der ausländischen Konkurrenz aufzuholen, würde zu viel Zeit und Kapital erfordern. Übernahmen könnten da helfen."

Aus Industriekreisen verlautete indes, dass sich auch die Ford-Konkurrenten in China nach potentiellen Käufern umsehen würden. Einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen stünden aber eine Reihe von Hindernissen im Weg, da die Risiken hoch seien und sich der chinesische Automarkt ebenfalls im Abwärtstrend befinde.

Manager von anderen chinesischen Autokonzernen, darunter Changan, Dongfeng und Chery, erklärten Reuters, sie beobachteten die Situation. Sie hätten allerdings keine Eile, eine Übernahme abzuschließen. Neben Ford steht auch General Motors(GM) in den USA unter Druck. Das Überleben von der Opel-Mutter GM, zu dem auch die schwedische Marke Saab gehört, ist derzeit von Hilfsgeldern der Regierung in Washington abhängig.

Volvo mit Sitz im schwedischen Göteborg hat im vergangenen Jahr in den USA ein Absatzminus von 64 Prozent verkraften müssen. Bei Ford will man die unrentable Tochter daher schnell loswerden. Bereits im Juni 2008 verkaufte der US-Konzern die Premiummarken Jaguar und Land Rover. Käufer der einst britischen Traditionsfirmen war der indische Autohersteller Tata Motors , der 2,4 Milliarden Dollar dafür zahlte. Bereits im Mai 2007 hatte Ford die Tochter Aston Martin für 931 Millionen Dollar an eine Investorengruppe verkauft.

mik/kaz/Reuters

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