Autokrise Daimler will zwei Milliarden bei Löhnen sparen

Bittere Pille für die Beschäftigten bei Daimler: Die Mitarbeiter des Autobauers sollen künftig weniger arbeiten - und weniger verdienen. So will der Konzern zwei Milliarden Euro Personalkosten sparen und Entlassungen vermeiden.


Stuttgart - Daimler setzt massiv den Rotstift an: Für 73.000 Mitarbeiter in Deutschland soll die Wochenarbeitszeit um bis zu fünf Stunden ohne Lohnausgleich reduziert werden, wie Personalvorstand Günther Fleig nach Betriebsversammlungen am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Insgesamt sollen die Personalkosten im laufenden Jahr um zwei Milliarden Euro gesenkt werden.

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"Wir brauchen einen substantiellen Beitrag aller Beteiligten", sagte Fleig. Die krisenhafte Situation gehe weiter. Entlassungen seien vorerst aber nicht geplant. Der Gesamtbetriebrat warnte vor einseitigen Einschnitten zu Lasten der Belegschaft.

Die Verhandlungen über das Sparprogramm starten am morgigen Donnerstag. Fleig sagte, von der geplanten Verkürzung der Wochenarbeitszeit seien die Mitarbeiter betroffen, die nicht in Kurzarbeit seien, zum Beispiel Angestellte in Forschung und Entwicklung, in der Verwaltung oder im Einkauf. Die 73.000 Beschäftigten hätten durch die Arbeitszeitreduzierung Einbußen von bis zu 14 Prozent beim monatlichen Gehalt. "Wir müssen jetzt tun, was notwendig ist, um die Personalkosten anzupassen", betonte Fleig.

Dramatischer Einbruch der Verkaufszahlen

Da sich die Lage weiter dramatisch verschlechtert habe und eine schnelle Erholung nicht in Sicht sei, reichten die im vergangenen Jahr angekündigten Sparmaßnahmen nicht aus. Die Verkäufe von Mercedes-Benz und Smart seien im Februar um 40 Prozent eingebrochen - mit dem entsprechenden Verlust an Einnahmen.

"Das Problem brennt uns unter den Nägeln", sagte Fleig. Der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche hatte bereits angekündigt, dass der Autokonzern im ersten Quartal in die roten Zahlen rutschen werde. "Wir brauchen einen substantiellen Sparbeitrag von allen Beteiligten, um unsere Kosten anzupassen", sagte Fleig.

Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte: "Die Menschen sind beunruhigt von dem, was auf sie zukommt." Er forderte auch entsprechende Sparbeiträge von Vorstand und Führungskräften. "Das Thema Gerechtigkeit muss spürbar und sichtbar sein." Einschnitte bei der Altersversorgung lehne man ab.

"Wir reden nicht über Personalabbauprogramme und Entlassungen", versuchte Fleig zu beruhigen. Wenn die Krise weiter anhalte, müsse man auch über Entlassungen nachdenken. In den aktuellen Verhandlungen mit dem Betriebsrat sei dies aber noch kein Thema.

Betriebsbedingte Kündigungen noch kein Thema

Betriebsbedingte Kündigungen bei Daimler sind bis Ende 2011 ausgeschlossen. Die Vereinbarung wurde im Sommer 2004 unterzeichnet. Von dieser Regelung sind aber rund 16.000 Mitarbeiter ausgenommen, die nach der Unterzeichnung eingestellt wurden. Klemm sagte, vorrangiges Ziel der Gespräche über das neue Sparpaket müsse Beschäftigungssicherung sein.

Daimler forderte auch Kürzungen beim Arbeitgeberzuschuss für das Kurzarbeitergeld. Falls es dazu keine Lösung in den Gesprächen zwischen dem regionalen Arbeitgeberverband Südwestmetall und der IG Metall gebe, denke das Unternehmen über eine eigene Lösung nach.

Der Autobauer verlangte erneut, die zweite Stufe der Lohnerhöhung von 2,1 Prozent ab Mai zu verschieben. Fleig sagte: "Wir halten es für ausgeschlossen, dass erst einmal erhöht wird und dann wieder gekürzt wird." Klemm wehrte sich nicht mehr generell gegen eine Verschiebung der Gehaltserhöhung. Das bringe 120 Millionen Euro. "Das ist ein dicker Brocken."

Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Auch Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld dürften kein Tabu sein, sagte Fleig. Der Konzern wolle auch die Ergebnisbeteiligung in Höhe von 1900 Euro für das vergangene Jahr nicht auszahlen. Damit solle die Liquidität des Unternehmens geschont werden. Der Betrag solle den Beschäftigten aber verzinst werden. Die Ergebnisbeteiligung belaufe sich auf eine Summe von 280 Millionen Euro. Klemm sagte, es solle über eine Mitarbeiterbeteiligung an dem Unternehmen gesprochen werden. Da könne die Erfolgsbeteiligung mit eingebracht werden. Von der Verschärfung des Sparprogramms sind insgesamt 141.000 Mitarbeiter von Daimler in Deutschland betroffen.

mik/AP/Reuters/ddp



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