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21. März 2009, 10:31 Uhr

Autokrise

Opel sucht vergeblich nach einem Investor

Opel braucht dringend einen Investor, doch die Suche gestaltet sich schwierig: Nach SPIEGEL-Informationen gibt es für den angeschlagenen Autobauer offenbar noch immer keinen ernstzunehmenden Interessenten - trotz gegenteiliger Behauptungen von Bundeswirtschaftsminister Guttenberg.

Hamburg - Die Suche nach einem finanzstarken Partner für Opel zieht sich nach SPIEGEL-Informationen in die Länge: Bislang sei "kein Investor in Sicht" sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Jochen Homann, nach Berichten von Teilnehmern einer Beamtenrunde, die sich vergangene Woche im Anschluss an die US-Reise von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg traf.

Opel-Produktion in Rüsselsheim: Schwierige Investorensuche
AP

Opel-Produktion in Rüsselsheim: Schwierige Investorensuche

Guttenberg hatte in den vergangenen Tagen mehrfach behauptet, es gebe für Opel Interessenten, seriöse und weniger seriöse. Weiter sagte Homann den Berichten zufolge, dass die Opel-Mutter General Motors (GM) nicht bereit sei, Geld in den europäischen Ableger zu stecken. Das hätten Konzernchef Rick Wagoner und dessen Vize Fritz Henderson Guttenberg bei einem Treffen in Washington mitgeteilt.

Homann bestreitet die Darstellung. Der Wirtschaftsberater der Kanzlerin, Jens Weidmann, berichtete der Expertenrunde, auch Daimler habe es endgültig abgelehnt, die moderne Opel-Fertigungsstätte in Eisenach zu kaufen.

Opel droht angesichts der prekären Finanzlage bei GM die Insolvenz. Der Konzern hat europaweit staatliche Bürgschaften über 3,3 Milliarden Euro beantragt, den Großteil davon bei der Bundesregierung. Eine Entscheidung dazu steht noch aus, zumal der vom Management vorgelegte Rettungsplan aus Sicht der Großen Koalition noch viele Fragen offen lässt. Außerdem will GM sich von Opel-Anteilen trennen und auf die Position des Juniorpartners zurückziehen.

Am 31. März will Bundeskanzlerin Angela Merke den Opel-Stammsitz besuchen, um sich dort mit Werksleitung und Betriebsrat zu treffen und sich die Fertigung anzusehen. Das Schicksal von Opel wird auch beim Deutschland-Besuch von US-Präsident Barack Obama für Diskussionsstoff sorgen. Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Freitag, das Treffen am 3. April biete die Möglichkeit, sich "unmittelbar, auch im direkten Gespräch" über Opel zu verständigen.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) fordert, Opel notfalls durch eine Beteiligung des Staates zu retten. "Opel sterben zu lassen, wäre mehr als ein Fehler, es wäre ein unentschuldbares Regierungsversagen", sagte der SPD-Politiker in einem vorab veröffentlichten Interview der "Bild am Sonntag". Die Regierung dürfe auch vor einer Staatsbeteiligung an Opel nicht zurückschrecken.

Opel-Chef Hans Demant kündigte weitere Einschnitte bei dem Unternehmen an. Der Hersteller prüft demnach auch Werksschließungen. "Wenn Sie nur betriebswirtschaftlich denken, dann wäre das sicher sinnvoll", sagte Demant dem Magazin "Wirtschaftswoche" laut Vorabbericht. Erwogen würden zudem Personalabbau und eine Auflösung von Organisationen. Die deutschen Standorte könnten wegen der hohen Kosten dort nicht verschont bleiben.

Übersicht: Opel in Deutschland
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Übersicht: Opel in Deutschland

Die Opel-Belegschaft stemmt sich ihrerseits gegen den Zusammenbruch des Konzerns. "Auf die Mitarbeiter kommen harte Zeiten zu", warnte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Opel müsse in Europa eine Milliarde Euro im Jahr einsparen, fügte er hinzu. Deshalb sei eine Vier-Tage-Woche denkbar, auch über die Streichung von Zusatzleistungen wie Weihnachtsgeld werde zu reden sein.

Um Opel zu retten, plädiert Franz für den Einstieg von Mitarbeitern und Händlern. "Meiner Meinung nach können wir mit den Händlern sogar eine Sperrminorität von 25 Prozent erreichen", sagte der Arbeitnehmervertreter.

Roland Berger will Interessenkonflikt vermeiden

Unterdessen haben der Unternehmensberater Roland Berger und seine Firma, an der er noch zehn Prozent hält und die er als Chefaufseher kontrolliert, nach SPIEGEL-Informationen Vorkehrungen getroffen, um einen Interessenkonflikt im Fall Opel zu vermeiden. Berger unterstützt in diesem Komplex die Bundesregierung, sein Unternehmen den europäischen GM-Ableger.

Wie Mitglieder der eigens gebildeten Opel-Task-Force bei Roland Berger berichten, musste sich jeder von ihnen in einer Vertraulichkeitserklärung verpflichten, keinerlei Informationen über das geplante Sanierungskonzept an den Ex-Chef weiterzugeben. Umgekehrt versicherte Berger selbst, die Mitarbeiter oder Partner nicht mit Fragen zum Stand ihrer Arbeit zu löchern. Sogar den fertigen Rettungsplan, der Anfang April vorliegen soll, darf Berger sich nicht auf dem kurzen Dienstweg am Firmensitz in München beschaffen, sondern allenfalls über Wirtschaftsminister Guttenberg.

suc/ddp/Reuters/AFP/AP

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