Autokrise Schweden erwartet endgültiges Aus für Saab

Düstere Zukunft für Saab: Der schwedische Autobauer bekommt keine Staatshilfe, Beobachter prognostizieren das Aus. Schwedens Regierung wirft der US-Konzernmutter General Motors vor, Kosten abwälzen zu wollen. Opel, ebenfalls notleidende GM-Tochter, will dagegen einen Rettungsplan vorlegen.


Stockholm - Mit der erneuten Verweigerung von Staatshilfe haben sich die Überlebenschancen des insolventen schwedischen Autoherstellers Saab massiv verschlechtert. Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt stellte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur TT in Stockholm klar, dass seine Regierung die vom Saab-Mutterkonzern General Motors Chart zeigen (GM) gewünschte Soforthilfe zur vorläufigen Fortsetzung der Produktion ablehnt. Die Chancen auf eine Zukunft zusammen mit der ebenfalls um ihr Überleben kämpfenden deutschen GM-Tochter Opel wurden in Stockholm als minimal eingestuft.

Saab-Werk in Trollhättan: Kein Zusammengehen mit Opel
AP

Saab-Werk in Trollhättan: Kein Zusammengehen mit Opel

Saab hat als erster europäischer Autohersteller in der aktuellen Krise Insolvenz beantragt. GM hatte bei der Einreichung des Antrags für Saab erklärt, man wolle die Produktion mit 4100 Beschäftigten vorerst mitfinanzieren, wenn auch der schwedische Staat helfe. Reinfeldt sagte dazu, seine Regierung werde "am derzeitigen Prozess nicht aktiv teilnehmen, solange unklar ist, wer Saab als Eigner übernimmt". Es sei offensichtlich, dass GM "alles tut, um Kosten abzuwälzen". Auch eine komplette oder teilstaatliche Übernahme lehnt Stockholm ab.

GM teilte mit, für seine schwedische Tochter alle noch laufenden Neuwagengarantien zu übernehmen. In einem Schreiben an die Saab-Händler hätten GM Europe und Saab zugesichert, "jegliche Garantieleistung in Bezug auf Saab-Produkte" weiter zu erbringen und die Versorgung mit Ersatzteilen sicherzustellen, berichtet die "Leipziger Volkszeitung".

Saab-Konzernchef Jan-Åke Jonsson kündigte an, sein Unternehmen wolle die bisher bei Opel geplante Produktion des neuen Saab-Modells 9.5 nach Schweden, ins Stammwerk in Trollhättan, zurückholen. Ursprünglich sollten vom Sommer an in Rüsselsheim jährlich 30.000 Wagen dieses Typs gefertigt werden. Für Opel ist das ein weiterer Rückschlag in der Krise. Jonsson meinte weiter, Saab strebe grundsätzlich kein Zusammengehen mit Opel an.

Im neuen SPIEGEL 9/2009:

Darf der Staat Opel retten?
Titelbild: DPA
Die Aussichten für das von Jonsson angepeilte Überleben eines selbständigen Herstellers Saab wurden von Regierungsvertretern als unrealistisch eingestuft. Der kleine schwedische Autobauer mit einer Jahresproduktion von 94.000 Wagen (Stand: 2008) hat als GM-Tochter seit 1990 fast jedes Jahr Verluste eingefahren. Jonsson hatte erklärt, entscheidend für ein Überleben von Saab seien Kredite von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Die Chance auf ein neues, selbständiges Unternehmen Saab seien "langfristig gut".

Doch selbst die schwedische Presse glaubt nicht mehr daran. Die konservative Stockholmer Zeitung "Svenska Dagbladet" titelte auf ihrer ersten Seite: "Saab ist bankrott. Schluss, finito und kaputt." Die Boulevardzeitung "Expressen" schrieb: "Das meiste spricht dafür, dass Saab jetzt untergeht. Auf längere Sicht würde man den Beschäftigten durch künstliche Beatmung keinen Gefallen tun."

In der "Göteborgs-Posten" heißt es: "Niemand will Saab-Automobile. Weder GM, noch der Staat oder das schwedische Volk. Wer sollte einen kleinen, äußerst verlustbringenden Autobauer mitten in der schlimmsten Konjunkturkrise seit Menschengedenken kaufen?" Die Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" sieht es ähnlich: "Viele Jahre mit Misswirtschaft und ständigen Verlusten machen den Glauben schwer, dass Saab noch die Wende schafft. Das ist traurig."

Kritik erntete Jonsson auch wegen seiner Ablehnung einer Zusammenarbeit mit Opel. Ein Kommentator der "Expressen" schrieb: "Man mag es unrealistisch und bekloppt finden. Aber Saab plus Opel heißt der einzige Weg, wenn nicht beide Marken auf dem Schrotthaufen landen sollen."

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Nach Angaben von Opel-Sprecher Frank Klaas will der Autobauer in den kommenden Tag einen Rettungsplan vorlegen. Mit diesem Plan hoffe Opel, den zur Rettung des Unternehmens mit rund 25.000 Arbeitsplätzen nötigen Bürgschaftsrahmen zu erhalten, sagte er am Sonntag im "Hessischen Rundfunk". Zu den Inhalten des Plans äußerte er sich nicht. Sie sollten zuerst dem Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern präsentiert werden, ehe sie der Öffentlichkeit vorgestellt würden.

Zu Berichten, wonach Opel bereits im Mai oder Juni pleite sein könnte, sagte Klaas lediglich, dass das Unternehmen momentan zahlungsfähig sei. In der Bundesregierung heizten die Berichte über noch größere Finanzprobleme bei Opel als bislang angenommen die Debatte über staatliche Hilfe für den Autobauer an. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kündigte gemeinsame Rettungsbemühungen mit den USA an. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte nach einem Gespräch mit Opel-Verantwortlichen eine europäische Lösung.

kaz/dpa/AP/dpa-AFX



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