Autokrise VW stellt sich auf neue Sparschritte ein

Volkswagen steht in der Branchenkrise derzeit besser da als seine Wettbewerber. Dennoch stellt sich der Konzern auf härtere Zeiten ein und plant neue Sparmaßnahmen. VW-Chef Winterkorn plädiert außerdem für eine staatliche Abwrackprämie, um den Verkauf von Neuwagen anzukurbeln.


Hamburg - Europas größter Autobauer Volkswagen Chart zeigen will angesichts der Krise auf den Automärkten seine Investitionspläne überprüfen und sein Langfrist-Strategieprogramm 2018 anpassen. Dem Vernehmen nach wird der Vorstand dem Aufsichtsrat bei seiner Sitzung an diesem Freitag ein entsprechendes Papier vorlegen, hieß es am Mittwoch in Wolfsburg. VW war von der Krise zwar bisher noch weniger betroffen als viele seiner Konkurrenten. Aber auch VW blickt mit Sorgen ins nächste Jahr. Konzernchef Martin Winterkorn hat daher bereits angekündigt, die Kostenbremse müsse konsequent angezogen und nicht unbedingt notwendige Investitionen zurückgestellt werden.

VW-Montage in Wolfsburg: Absatz bis 2018 um fünf Millionen erhöhen
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VW-Montage in Wolfsburg: Absatz bis 2018 um fünf Millionen erhöhen

Winterkorn geht aber nach wie vor davon aus, den Absatz bis 2018 um fünf Millionen auf 11,2 Millionen Fahrzeuge zu erhöhen. Nach seiner Zehnjahresstrategie "Mach 18" soll dabei der Absatz der Kernmarke von 3,6 Millionen 2007 auf mindestens 6,5 Millionen Autos wachsen. Die Produktivität soll jedes Jahr um zehn Prozent steigen.

Das Wirtschaftsmagazin "Capital" schreibt, Winterkorn wolle angesichts der Autokrise nun ein neues Sparprogramm auflegen. Um ein negatives Image zu vermeiden, solle dies aber "still und heimlich" geschehen. Ein Konzernsprecher sagte dazu, es sei kein neues Restrukturierungsprogramm geplant. Er wies auch einen Zusammenhang mit Einsparungen beim Sponsoring zurück. Diese Aktivitäten würden bereits seit Monaten auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft und damit schon vor der Branchenkrise. Unter anderem wird VW sein Engagement bei den Berliner Filmfestspielen Berlinale einschränken.

Winterkorn sprach sich in einem Interview der Fachzeitschrift "auto motor sport" angesichts des Nachfragerückgangs in der Autoindustrie für eine Abwrackprämie aus. "Eine Verschrottungsprämie wäre eine überlegenswerte Maßnahme, denn sie würde nicht nur alte Autos durch neue ersetzen." Allein der Ersatz aller Pkw älter als Baujahr 1999 würde 11,2 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Auch die SPD in Berlin hatte kürzlich eine solche Prämie vorgeschlagen. Der VW-Chef unterstützte das Maßnahmenpaket der Bundesregierung für die Autoindustrie, zusätzliche Schritte seien aber notwendig.

Zur Stützung des Marktes seien jetzt schnelle Maßnahmen erforderlich, forderte der VW-Chef. Den VW-Konzern sieht er weiterhin besser aufgestellt als die Konkurrenz. Winterkorn bestätigte das Ziel, Absatz, Umsatz und Ergebnis 2008 im Vergleich zum Vorjahr zu steigern. Aber der Konzern werde sich nicht abkoppeln können von der Entwicklung. Im kommenden Jahr werde auch VW unter den schrumpfenden Märkten leiden. Winterkorn geht aber dennoch davon aus, den Marktanteil steigern zu können. "Wir werden auf jeden Fall besser als der Wettbewerb abschneiden", sagte er.

Winterkorn bestätigte im Interview zudem, dass der neue Kleinstwagen Up nicht in Tschechien gebaut werden soll. Er begründete dies mit der Kursentwicklung der tschechischen Krone, die Investitionen unkalkulierbar mache. Die neue Kleinstwagenfamilie mit dem Projektnamen Up soll Ende des Jahrzehnts zunächst in Europa auf den Markt kommen. Eine abgespeckte Version für die Schwellenländer soll folgen. Vom Up und seinen Ablegern, die nicht mehr als rund drei Liter verbrauchen sollen, erwartet VW einen deutlichen Wachstumsschub.

kaz/dpa



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