Automarkt Der Abwrack-Boom flaut ab

Die staatlich geförderte Abwrack-Begeisterung geht allmählich zu Ende. Zwar werden wurden auch im Juli mehr Neuwagen zugelassen als im Vorjahresmonat, doch im Juni war das Plus größer. Für die Fahrzeug-Hersteller gibt es dennoch Grund zur Hoffnung: Sie verkaufen wieder mehr Wagen ins Ausland.


Flensburg/Frankfurt am Main - Die Abwrackprämie hat Deutschlands Autohändlern einen Kundenansturm beschert, doch nun flaut der Kaufboom ab. Zwar registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt noch deutlich mehr Zulassungen als ein Jahr zuvor, doch der Zuwachs fiel geringer aus als in den vorangegangenen Monaten. Demnach wurden im Juli 340.000 Neuwagen zugelassen - 29,5 Prozent mehr als im Vorjahr, teilte das Bundesamt am Dienstag mit. Im Juni waren mit 427.000 Fahrzeugen noch 40,5 Prozent mehr Wagen erstmals zugelassen worden als ein Jahr zuvor.

Schrottautos: Noch 285.000 Abwrackprämien sind offen
DPA

Schrottautos: Noch 285.000 Abwrackprämien sind offen

In der Automobil-Branche wird daher davon ausgegangen, dass die Verkaufszahlen wieder auf ein niedrigeres Niveau sinken. Der Auto-Importeursverbands VDIK teilte mit, er gehe davon aus, dass der Automarkt "die Größenordnung des ersten Halbjahres" nicht mehr erreichen werde.

In den ersten sieben Monaten wurden dank der Abwrackprämie rund 2,4 Millionen Neuwagen zugelassen, ein Plus von 26,6 Prozent. Damit übertraf die Branche sogar das Ergebnis des Rekordjahres 1999. Laut VDIK lag der Anteil der Privatkunden im Jahr 2009 bisher bei 1,55 Millionen, doppelt so viel wie im vorigen Jahr. Beim zuständigen Bundesamt gingen rund 1,7 Millionen Anträge auf die Abwrackprämie ein, 285.000 Prämien sind noch offen.

Kunden fragten in den vergangenen Monaten vor allem Kleinwagen nach. Die Hersteller kleiner Fahrzeuge konnten ihren Absatz deshalb deutlich über dem Vorjahresniveau halten. Zwei von drei Neuzulassungen entfielen zudem auf Modelle deutscher Hersteller. Die Marke VW Chart zeigen konnte in den ersten sieben Monaten des Jahres ihren Absatz um 31 Prozent steigern. Höhere Steigerungsraten erzielten nur ausländische Hersteller, wobei deren Zuwachs von einem deutlich geringeren Niveau aus erfolgte. So konnten Fiat Chart zeigen und Hyundai ihren Absatz mehr als verdoppeln, Renault Chart zeigen gewann 50 Prozent, Skoda 63 Prozent und Peugeot Chart zeigen 48 Prozent.

Während der Abwrack-Boom nachlässt, zieht das Auslandsgeschäft der deutschen Autobauer wieder an. Bestellungen aus dem Ausland, die im bisherigen Jahresverlauf um 24 Prozent zurückgegangen sind, lagen im Juli nur noch acht Prozent unter dem Vorjahresniveau, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. Die Produktion erreichte wegen der starken Nachfrage im Inland und dem anziehenden Auslandsgeschäft erstmals seit Herbst 2008 fast wieder das Vorjahresniveau. Im Juli betrug das Minus nur noch fünf Prozent, im ersten Quartal war die Produktion um 30 Prozent eingebrochen.

Der VDA zeigte sich angesichts dieser Zahlen vorsichtig optimistisch. Da sich das Verbrauchervertrauen in nahezu allen westeuropäischen Ländern in den letzten Monaten deutlich verbessert habe, sollte sich die Auslandsnachfrage weiter stabilisieren, teilte der Verband mit. VDA-Präsident Matthias Wissmann sprach von einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau. "Zweifellos wird es aber noch einer längeren Strecke bergauf bedürfen, bevor wieder weltweit Verkaufs- und Produktionszahlen wie 2007 und 2008 erreicht werden", sagte er.

tko/AP/dpa/ddp



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