Automobil VW übernimmt Mehrheit an Scania

Vom Schwerlaster bis zum Sportwagen - die Idee eines allumfassenden Automobilkonzerns verfolgt VW-Aufsichtsratschef Piëch schon lange. Heute ist Volkswagen einer Dreierfusion seiner Nutzfahrzeugsparte mit MAN und Scania einen großen Schritt näher gerückt.


Hamburg - Der Transaktion war ein lang andauerndes Tauziehen vorausgegangen. Heute schließlich meldeten die Beteiligten Vollzug: Für umgerechnet knapp 2,9 Milliarden Euro geben die schwedischen Großaktionäre von Scania, die Stiftungen der Familie Wallenberg und die von ihr kontrollierte Investor AB, ihr Aktienpaket an dem skandinavischen Lkw-Hersteller an VW ab.

Scania-Lkw: Großer Schritt hin zum allumfassenden Autokonzern
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Scania-Lkw: Großer Schritt hin zum allumfassenden Autokonzern

Der VW-Betriebsrat hat die Mehrheitsübernahme von Scania durch Volkswagen begrüßt. "Wir sind schon seit langem dafür eingetreten, die Synergieeffekte zwischen MAN, Scania und Volkswagen im Nutzfahrzeugsegment zu nutzen", sagte Konzernbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh der Zeitung "Die Welt". Wichtig sei, dass die eigenständige Identität der Marken und die jeweiligen Unternehmensphilosophien erhalten bleiben würden.

Investor erklärte, Volkswagen wolle Scania Chart zeigen als Premiummarke weiterentwickeln und "seinen Einfluss mit dem Ziel nutzen, den langfristigen Wert für alle Aktionäre zu maximieren". VW wolle die Strategie des Scania-Vorstands unterstützen. Strukturelle Änderungen zum Nachteil der Mitarbeiter seien nicht geplant.

MAN Chart zeigen begrüßte den Schritt seines Großaktionärs VW. Das verbessere die Chancen auf eine Zusammenarbeit mit Scania, sagte ein Sprecher.

Nachdem der Münchener Scania-Rivale mit einem Übernahmeversuch bei den schwedischen Großaktionären auf Granit gebissen hatte, war Volkswagen Chart zeigen mit fast 30 Prozent bei MAN eingestiegen. Doch die Verhandlungen mit Scania stockten seit einem Jahr. MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson, selbst früher im Vorstand von Scania, hatte stets auf eine einvernehmliche Lösung gedrängt, zuletzt aber keinen Zeitrahmen mehr genannt.

Durch den Erwerb von knapp 135 Millionen stimmrechtsstarken A-Aktien hält VW nun mit 68,8 Prozent der Stimmrechte eine deutliche Mehrheit an Scania. Der Kapitalanteil wächst auf 37,7 Prozent. MAN selbst hält 17 Prozent der Stimmrechte an Scania; zusammen kommen die beiden deutschen Unternehmen damit auf mehr als 85 Prozent. Nach Kapitalanteilen hätten VW (37,7 Prozent) und MAN (13,3) mit der Übernahme der Investor- und Wallenberg-Anteile nun gemeinsam mehr als 50 Prozent an Scania.

VW will sein Geschäft mit schweren Lkw in Südamerika in die Allianz mit MAN und Scania einbringen. Der Firmensitz der neuen Lkw-Sparte soll der "Welt" zufolge in Schweden sein.

Die Übernahme ist auch eines der Top-Themen an der Börse. Im vorbörslichen Handel lagen VW-Aktien 0,9 Prozent im Minus. Die Anteilsscheine von Scania-Konkurrent MAN, an dem VW ebenfalls beteiligt ist, lagen als einziger Dax-Wert mit einem Aufschlag von 0,6 Prozent im Plus.

mik//Reuters/dpa-AFX

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