Autoshow in Detroit Deutsche wollen Amerikanern Diesel andienen

Die deutschen Autobauer lassen sich vom schrumpfenden US-Markt nicht beeindrucken: Sie strotzen auf der Automesse in Detroit vor Selbstbewusstsein. Kein Wunder. Teils wurden 2007 Rekordverkäufe auf dem US-Markt erzielt. Dieses Jahr soll wieder gepunktet werden - mit Dieselmotoren.


Detroit - Daimler Chart zeigen-Chef Dieter Zetsche lässt sich von den schlechten Aussichten die Laune nicht verderben. Experten zufolge wird der US-Markt dieses Jahr um zwei Prozent schrumpfen. Zetsche erklärt auf der Autoshow in Detroit dennoch, er sehe gute Chancen für einen Absatzrekord – auch in den USA. Dort verkaufte der Konzern 2007 schon mit 253.400 Fahrzeugen mehr als je zuvor. Zum 14. Mal hintereinander.

Dieses Jahr will Zetsche mit Dieselmotoren punkten. "In den Vereinigten Staaten bieten wir den saubersten Diesel der Welt an", sagte Zetsche in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Deshalb dürften einzig die Stuttgarter diesen Motortyp auch in Kalifornien verkaufen, wo die strengsten Vorschriften gelten würden. "Diesel ist eine sehr moderne Technik", erklärte Zetsche. Die neue Generation dieser Motoren habe ein großes Drehmoment, laufe sehr ruhig und helfe beim Spritsparen. Bislang liegt der Diesel-Anteil in den USA erst bei rund drei Prozent, Experten trauen ihm aber rund 15 Prozent des Marktes bis 2015 zu.

Mercedes' Forschungs- und Entwicklungschef Thomas Weber rechnet nach eigenen Worten damit, dass 30 Prozent aller produzierten Fahrzeuge in einigen Modelllinien mit einem Diesel ausgestattet sein könnten. Das gelte besonders für Geländewagen. Auch die anderen deutschen Hersteller mit Ausnahme von Porsche Chart zeigen setzen darauf, dass ihre sparsamen Dieselmotoren mit neuer Abgasreinigungstechnik in diesem Jahr auf dem weltgrößten Automobilmarkt den Durchbruch schaffen. Volkswagen Chart zeigen setzt auf seine "BlueMotion" genannte Technik, BMW Chart zeigen hat die ersten sauberen Diesel für den US-Markt angekündigt.

"Es ist durchaus angebracht, wenn man das Jahr 2008 als das Jahr des Clean-Diesel-Durchbruchs in den USA bezeichnet", sagt der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann. Mithilfe der Technik könnten die deutschen Hersteller gegen den Trend zulegen in den USA: "Wir sehen gute Chancen, die Ein-Millionen-Marke in naher Zukunft zu knacken", sagte Wissmann. Im vergangenen Jahr war der US-Absatz der deutschen Hersteller um drei Prozent auf 948.000 Fahrzeuge gestiegen. Dies entsprach einem Marktanteil von knapp 5,9 Prozent. Mit der abgasarmen Diesel-Technik wollen die Deutschen auch gegenüber den erfolgreichen Japanern Boden gutmachen.

Absatzrekorde für BMW und VW

Ein Problem für die deutschen Hersteller in den USA bleibe der schwache Dollar, sagte Wissmann aber. Neben Wechselkursgeschäften werde künftig deshalb die Produktion im Ausland wichtiger. Inzwischen kämen bereits 250.000 der in Nordamerika verkauften Fahrzeuge aus Werken vor Ort. Dies solle nicht zu Lasten deutscher Jobs gehen. "Wir hoffen, dass wir 2008 die Beschäftigtenzahlen halten und vielleicht leicht steigern können." Das Wachstum liege aber woanders: "In zwei bis drei Jahren werden wir mehr Autos im Ausland bauen als im Inland."

BMW-Chef Norbert Reithofer will auf dem schwierigen US-Markt mindestens so viele Autos verkaufen wie 2007. Im vergangenen Jahr hatte BMW weltweit einen Verkaufsrekord erzielt. Der Absatz kletterte um 9,2 Prozent auf mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce. In den USA hatten die Verkäufe um 7,1 Prozent auf 335.840 Fahrzeuge zugelegt.

Volkswagen gab in Detroit ebenfalls einen Absatzrekord im vergangenen Jahr bekannt. Die VW-Gruppe steigerte die Verkäufe 2007 um 7,9 Prozent auf 6,189 Millionen Fahrzeuge. Angetrieben von einem starken Wachstum in China und Südamerika knackte VW damit erstmals die Marke von sechs Millionen Autos. VW-Konzernchef Martin Winterkorn zeigte sich zuversichtlich, 2008 wieder einen Rekord zu schaffen. Der unsicherste Absatzmarkt sei angesichts der Debatte um den Klimaschutz Deutschland. Mitunter würden Autos "verteufelt". Die VW-Tochter Audi Chart zeigen will 2008 erstmals mehr als eine Million Autos weltweit verkaufen. 2007 steigerte Audi den Absatz um 6,5 Prozent auf rund 964.000 Fahrzeuge. Audi-Chef Rupert Stadler sagte, man prüfe den Bau eines Werks in den USA.

Amerikaner demonstrieren Optimismus

Die großen amerikanischen Autobauer, die mit Absatzeinbrüchen und Milliardenverlusten kämpfen, nutzten das Heimspiel in Detroit, um Aufbruchstimmung zu demonstrieren. Ford-Chef Alan Mulally sagte, man liege im Plan, 2009 wieder Gewinne einzufahren. Der zweitgrößte US-Autohersteller hatte 2006 einen Riesenverlust von mehr als zwölf Milliarden Dollar. Im dritten Quartal 2007 gab es noch ein Minus von 380 Millionen Dollar. Ford Chart zeigen kündigte für 2008 sechs neue Modelle an, davon zwei mit Hybrid-Antrieb. Auch General Motors (GM) Chart zeigen setzte grüne Akzente. GM steigt bei einem US-Unternehmen ein, das Ethanol als Treibstoff auch aus Pflanzenabfällen oder sogar Reifen erzeugen will. Allerdings dürfte dieser Sprit nicht vor 2011 auf den Markt kommen.

Chrysler, der verlustreiche drittgrößte US-Autobauer, sucht sein Heil verstärkt im Ausland. Der Absatz außerhalb Nordamerikas solle in weniger als fünf Jahren verdoppelt werden, kündigte Chrysler-Chef Robert Nardelli an. Im vergangenen Jahr hatte Chrysler den Absatz außerhalb Nordamerikas um 15 Prozent auf 238.000 Wagen gesteigert. Nardelli zeigte sich zuversichtlich, dass sich der 2007 von Daimler an den Finanzinvestor Cerberus verkaufte Autobauer wieder "vollständig erhole". Daimlers Restbeteiligung von 20 Prozent sehe er als langfristig. Zetsche unterstütze Chrysler nach wie vor stark.

Die hohen Spritpreise und neuerdings auch finanzielle Sorgen der Verbraucher als Folge der Kreditkrise haben den US-Automarkt bereits 2007 um 2,5 Prozent auf 16,1 Millionen Fahrzeuge gedrückt. Größte Gewinner der vergangenen Jahre sind die japanischen Autobauer, allen voran Toyota Chart zeigen mit seinen Hybrid-Antrieben.

ase/dpa-AFX/Reuters



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