Autostreit IG Metall bläst VW-Porsche-Gipfel ab

Der "Friedensgipfel" zwischen Volkswagen und Porsche findet nicht statt - die IG Metall, die als Vermittler auftreten sollte, hat den Termin im September abgesagt. Dabei wollten die Autobauer endlich eine Lösung finden, wie die Mitbestimmung im künftigen gemeinsamen Betriebsrat aussehen soll.


Stuttgart - Im Mitbestimmungsstreit zwischen dem Stuttgarter Autobauer Porsche Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen hat die Gewerkschaft IG Metall den sogenannten Friedensgipfel abgesagt. IG-Metall-Chef Berthold Huber habe Porsche am Mittwoch darüber informiert, dass das für den 10. September in Frankfurt anberaumte Gespräch nicht stattfinden werde, teilte Porsche in Stuttgart mit. Die IG Metall bestätigte die Absage. Sowohl der Vorstand des Sportwagenherstellers als auch der Betriebsrat bedauerten die Entscheidung der Gewerkschaft, hieß es.

IG-Metall-Chef Huber: Gespräch abgesagt
DDP

IG-Metall-Chef Huber: Gespräch abgesagt

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück appellierte an die IG-Metall-Spitze und den VW-Betriebsrat, sich auch weiterhin um eine Lösung des Konflikts zu bemühen. Er sei davon überzeugt, dass ein Kompromiss zwischen den Arbeitnehmervertretern von VW und Porsche "nur mit und in der IG Metall" gefunden werden könne, erklärte Hück.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten mehrere Zeitungen berichtet, dass das Vermittlungsgespräch zwischen den Arbeitnehmervertretern von Porsche und VW auf der Kippe stehe. Demnach hatten die Aufsichtsratschefs von Porsche und VW, Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch, die Teilnahme an dem Spitzentreffen abgelehnt. Laut "Stuttgarter Zeitung" hatte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh jedoch seine Teilnahme an dem Gipfel davon abhängig gemacht, dass auch die beiden Aufsichtsratschefs bei dem Spitzentreffen erscheinen.

In dem seit Monaten andauernden Streit um Mitbestimmung geht es um die Machtverteilung zwischen den Arbeitnehmervertretern von Porsche und VW nach einer künftigen Übernahme des VW-Konzerns durch Porsche. Bislang ist vorgesehen, dass die weltweit rund 360.000 VW-Mitarbeiter unter dem Dach der Porsche-Holding in einem gemeinsamen Betriebsrat künftig in gleicher Stärke vertreten sind wie die 12.000 Porsche-Beschäftigten.

VW-Betriebsratschef Osterloh will dagegen mehr Einflussmöglichkeiten für die rund 30-mal größere VW-Belegschaft. Die VW-Arbeitnehmervertreter stoßen sich auch daran, dass die Vereinbarung mit zehnjähriger Laufzeit gegen den Willen der Porsche-Vertreter im Betriebsrat nicht gekündigt werden kann.

Kreisen zufolge war die ablehnende Haltung der Aufsichtsratschefs von Porsche und VW der Grund für die Absage der IG Metall. Bei dem Treffen hätte unter Vermittlung von Huber die Regelung der betrieblichen Mitbestimmung in der Porsche SE diskutiert werden sollen. An dem Treffen sollten Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking, Finanzvorstand Holger Härter und Betriebsratschef Hück teilnehmen. Von Seiten von Volkswagen hatten bislang VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und Personalvorstand Horst Neumann ihr Kommen angekündigt. Die IG Metall wollte in dem erbitterten Streit die Vermittlerrolle einnehmen.

kaz/AFP/AP



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