Kreditkarte Keine PIN, kein Mietwagen

Die Vorauszahlung seines Mietwagens kann Tom König problemlos per Kreditkarte leisten. Bei Abholung verlangt der Anbieter jedoch plötzlich eine obskure PIN. Ohne die gibt es kein Auto und auch kein Geld zurück - ein interessantes Geschäftsmodell.
Autovermieter Europcar: "Wir können da nichts machen"

Autovermieter Europcar: "Wir können da nichts machen"

Foto: Europcar

Ist das Internet nicht großartig? Ich möchte einige Tage durch Irland fahren. Vor 25 Jahren wäre es schwierig gewesen, dafür von Deutschland aus einen Mietwagen zu buchen. Damals! Heute reserviere ich von meinem Schreibtisch aus bei Europcar. Ich bezahle das Auto im Voraus, per Kreditkarte - Klick, Zack, Peng. Jetzt muss ich es nur noch in Dublin abholen.

Einige Wochen später versuche ich genau das. Nachdem ich lange in der Schlange gestanden habe, erkläre ich dem Mann hinter der Theke, dass ich reserviert habe.

"Alles klar, Mister König. Bräuchte ich nur noch die Kreditkarte, für das Sicherheitsdeposit."

Ich reiche ihm meine Karte. Er liest sie ein und sagt: "Jetzt bitte die PIN eingeben."

"Was für eine PIN?", frage ich. Mir war bis eben nicht bewusst, dass meine Visa überhaupt eine hat. Ich habe mit der Karte bereits Hotelzimmer, mehrgängige Abendessen und auch einen gewissen Europcar-Mietwagen bezahlt. Nie wollte jemand ein Nümmerli.

Europcar - ein etwas irreführender Markenname

"Ohne PIN kann ich ihnen das Fahrzeug nicht geben", sagt der Europcar-Mann. Es folgt ein langes und fruchtloses Gespräch darüber, dass laut den Geschäftsbedingungen von Europcar Irland bei Kreditkarten mit "Chip & PIN"-Funktion letztere stets einzugeben sei. Das sei in Dublin übrigens bei allen Autovermietungen so.

Ich rufe die deutsche Europcar-Hotline an. Der Mitarbeiter am anderen Ende sagt: "Oh weh, Sie Armer. Ich wüsste auch nicht, was meine Kreditkarten-PIN ist."

Der Agent hängt mich in die Warteschleife, um das mit seinem Vorgesetzten zu klären. Als er zurückkehrt, ist jegliches Verständnis aus seiner Stimme gewichen: "Wir können da nichts machen."

"Aber ich habe das Fahrzeug doch in Deutschland gemietet", erwidere ich.

"Sie müssen das bitte mit Irland klären."

Ich rede also weiter auf den Mann von Europcar Dublin City Centre ein, vergeblich - no PIN, no wheels. Wie ich denn meine bereits gezahlten 270 Euro wiederbekomme, frage ich.

"Das müssen Sie mit Deutschland klären. Da haben sie ja gezahlt."

Wer derlei Kleinstaaterei betreibt, sollte vielleicht über einen anderen Firmennamen nachdenken als ausgerechnet Europcar. Genervt fahre ich mit dem Taxi zur nächsten Hertz-Filiale, wo man mir für 400 Euro ein Auto gibt - ohne Schlangestehen und vor allem ohne PIN.

Nicht einen Cent Rückerstattung

Zurück daheim schreibe ich an Europcar. Ich hätte gerne meine 270 Euro zurück, außerdem die 130 Euro Differenz für den Wagen des Mitbewerbers. Ach ja, und die neun Euro fürs Taxi wären auch nett.

Europcar antwortet zunächst, man bedaure "die Unannehmlichkeiten, die bei der Reservierung des Fahrzeuges in Dublin entstanden sind." Zuständig sei Irland. Dass ich das Fahrzeug über die deutsche Europcar-Seite gemietet habe, zählt offenbar nicht.

Was soll man von solch einem Geschäftsgebaren halten? Ich will es mit einer Analogie versuchen. Stellen Sie sich vor, Sie reservierten in einem Restaurant - online. Sie müssen Ihr Wiener Schnitzel im Voraus bezahlen. Obwohl Ihnen das seltsam vorkommt, begleichen Sie den geforderten Betrag per Kreditkarte.

Am Abend gehen Sie in das Restaurant. Der Kellner kommt mit einer silbernen Cloche, unter der sich das knusprige Schnitzel verbirgt. Statt den Deckel zu lüften, sagt er: "Erst Sicherheitsdeposit. Falls Sie die Tischdecke vollsauen."

Erneut zücken Sie Ihre Kreditkarte. Aber diesmal möchte der Kellner gerne Ihre PIN, von der zuvor nie die Rede war. Als sie die nicht vorlegen können, trägt er das Schnitzel zurück in die Küche. Und das Geld? Der Kellner zuckt mit den Achseln. Da könne er leider nichts für Sie tun.

Nach dem Gerechtigkeitsempfinden der meisten Menschen wäre so etwas Betrug. Im Falle des seltsamen Restaurants würde man vielleicht sogar eine Masche dahinter vermuten.

Aber zurück zu Europcar Deutschland. Das Unternehmen meldet sich nach einigen Tagen zurück. Man habe bei Europcar Irland nachgehakt. Meine 270 Euro seien leider futsch. Das mit der PIN stehe nämlich in den irischen Vertragsbedingungen. Dummerweise bekommt man die auf Europcar.de während des gesamten Buchungsvorgangs zu keiner Zeit zu Gesicht.

Die Europcar-Pressestelle möchte sich zu der Sache nicht äußern, da der Fall "noch nicht abgeschlossen" sei. Das lässt immerhin hoffen. Und tatsächlich bekomme ich einige Tage später das Angebot, mir die 270 Euro zu erstatten. Nicht aber die 130 Euro Mehrkosten für den Hertz-Mietwagen, vom Geld fürs Taxi ganz zu schweigen.

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