Autozulieferer Cabrio-Spezialist Karmann meldet Insolvenz an

Die Krise auf dem Automarkt hat nun auch einen der großen Zulieferer erwischt: Der Cabrio-Bauer Karmann meldet Insolvenz an - laut IG Metall sind 3470 Mitarbeiter betroffen. Es sollen aber "so viele Arbeitsplätze wie möglich" erhalten bleiben.


Osnabrück - Der traditionsreiche Fahrzeugbauer Karmann muss Insolvenz anmelden. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte entsprechende Angaben der IG Metall. Die Mitarbeiter seien am Mittwoch schriftlich darüber informiert worden, sagte der Firmensprecher.

Autoproduktion bei Karmann: Keine ausreichende Finanzierungskraft
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Grund für den Insolvenzantrag sei die drohende Zahlungsunfähigkeit angesichts bevorstehender finanzieller Verpflichtungen, teilte das Unternehmen mit. Der höher als erwartet ausgefallene Umsatzrückgang habe dazu geführt, dass ein mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarter Interessenausgleich und Sozialplan infolge der im Vorjahr bekanntgegebenen Umbaupläne nicht mehr zu finanzieren sei. "Karmann ist im Kern sanierungsfähig und praktisch frei von Bankkrediten", beteuerte das Unternehmen.

Die Geschäftsführung verweist darauf, dass die Zahl der bei Karmann gefertigten Fahrzeuge drastisch gekürzt worden sei. Die IG Metall machte indes nicht nur die aktuelle Wirtschaftskrise für den Zusammenbruch verantwortlich. Die Insolvenz sei "einer verfehlten Unternehmenspolitik geschuldet", sagte ein Gewerkschaftssprecher am Mittwoch. "Den Beschäftigten jetzt die Verantwortung zuschieben zu wollen, ist unverantwortlich", fügt er hinzu.

Nach Angaben der IG Metall sind von der Insolvenz insgesamt 3470 Mitarbeiter betroffen. Karmann hatte erst Anfang März die Entlassung von 1340 Beschäftigten angekündigt und dies vor allem mit der Stilllegung des Fahrzeugbaus begründet.

Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens wurde nach Firmenangaben beim Amtsgericht Osnabrück eingereicht. Ziel sei es, gemeinsam mit dem vom Gericht zu bestellenden Insolvenzverwalter "die neu strukturierte Karmann Unternehmensgruppe in eine gesicherte Zukunft zu führen und dabei so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten".

Das Sanierungskonzept der Karmann-Geschäftsführung vom vergangenen September sah für das Geschäftsjahr 2009 noch ein ausgeglichenes Ergebnis vor. In diesen Planungen seien die Kosten für den Interessenausgleich und den Sozialplan enthalten gewesen. "Die weltweite Finanzkrise und der dramatische Einbruch der Automobilnachfrage haben die ursprüngliche Planung zunichte gemacht", sagte ein Firmensprecher.

Die niedersächsische Landesregierung hat mit Bestürzung auf die Insolvenz reagiert. "Das ist ein trauriger und ernster Tag", sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei am Mittwoch in Hannover. Die Landesregierung stehe dem Betriebsrat für Gespräche zur Verfügung. Es bestehe die Chance auf eine Transfergesellschaft für die Beschäftigten.

kaz/dpa/AP/Reuters

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berlin_rotrot, 08.04.2009
1.
Zitat von sysopDie Autohersteller müssen sparen, die Zulieferer trifft die Krise besonders hart. Wie sieht die Zukunft der deutschen Automobilindustrie aus?
düster düster! wenn wir endlich serienmäßig gas- und elektro autos hätten und die korrupten politiker, manager sich nicht von der Öl-Lobby schmieren lassen würden, dann hätte die Autoinidustrie auf jedenfall eine chance!
Albedo4k8, 08.04.2009
2. In den Abgrund
Mehr braucht man dazu nicht sagen. War alles schon seit Jahrzehnten absehbar.
garfield53, 08.04.2009
3. Nicht schlecht!
Die Autoindustrie insgesamt kann sich unter dem Deckmantel der Wirtschaftskrise von vielen, in ihren Augen unnützen Dingen entledigen: alten verfehlten Technologien, Pensionverpflichtungen, Festangestellten, Arbeitnehmervertretungen, Tarifbindungen, Neue Zulieferer und Dienstleister können bei einen s.g. Neubeginn noch mehr geknebelt werden. Neue Mitarbeiter können durch die auch von den Medien unternehmerfreundlich geschaffene Situation, bei eventuellen Neueinstellungen, mit den beliebten "Ostlöhnen" erpresst werden. Was besseres, als das eigene Unvermögen und die Gier zur Reparatur an den Staat abzuschieben, kann eigentlich nicht passieren. Denn aufgrund der weitgehenden Flächendemontage des Schienennetzes in Deutschland, ist der Individual- und Güterverkehr auf der Straße nicht mehr zurück zu drängen, also Autos werden auf jeden Fall gebraucht, vielleicht anders Technik, aber da hilft bestimmt die Bundesregierung mit Milliardengeschenken. Solange an jeden verkauften Fahrzeug bis zu vierzig Prozent verdient werden. Toll!
mzwk 08.04.2009
4.
Es sieht alles nach FEIERABEND aus. Jeder Deutsche Hersteller will PREMIUM sein. Wer baut die Autos fuer den kleinen Mann? Die Politik hat noch nicht begriffen das es sich bei dieser Krise um eine Ueberproduktionskrise handelt - Es stehen Massen an Fahrzeugen auf Halde die sich keiner Leisten kann. Deutsche Autos sind "over-Engineered", d.h. es ist viel zu viel ueberfluessige Technik drin, die keiner wirklich braucht. Deswegen sind alle so teuer, und das kann sich der normalverdiener nicht leisten. Deswegen wird die Autozukunft in Deutschland sehr duester aussehen. Dazu kommt noch die Abwrackpraemie, welche den Autoverkauf in .de die naechsten Jahre sehr Alt aussehen lassen wird. mfg
Rainer Eichberg 08.04.2009
5.
Zitat von sysopDie Autohersteller müssen sparen, die Zulieferer trifft die Krise besonders hart. Wie sieht die Zukunft der deutschen Automobilindustrie aus?
Eigentlich ganz gut, denn Qualität aus Deutschland hat einen guten Ruf weltweit. Insbesondere, was Autos betrifft. Momentan halten jedoch auch ansonsten kauffreudige Menschen eher den Geldbeutel geschlossen. Schlecht für Cabrio-Hersteller und deren Zulieferer. Reden wir in 3 Jahren nochmal drüber. Dann siehts bestimmt besser aus. Hoffentlich hält Karmann solange durch.
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