Autozulieferer Schaeffler-Familie warnt vor massiven Jobverlusten bei Zerschlagung

Autozulieferer Schaeffler rechnet im Fall seiner Zerschlagung mit dem Verlust von Tausenden von Jobs. Unternehmerin Schaeffler begegnet zudem der Kritik, sie habe sich mit der Conti-Übernahme übernommen und wolle nun Staatshilfe: Das Geld werde "mit Zinsen auf Heller und Pfennig" zurückbezahlt.


Berlin - Eine Zerschlagung der Schaeffler-Conti-Gruppe könnte nach den Worten der Eigentümer-Familie Tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland kosten und hätte schwerwiegende Folgen für die Autoproduktion weltweit. Georg F. W. Schaeffler, dem das Unternehmen zu 80 Prozent gehört, sagte der "Bild am Sonntag": "Der Verbund der Unternehmen schafft mit der Hochpräzisionsmechanik von Schaeffler und der Elektronik von Conti eine technologische Zukunftsperspektive. Dadurch behalten Tausende von hochqualifizierten Arbeitnehmern einen sicheren Arbeitsplatz in Deutschland. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Einheit von Schaeffler und Conti erhalten bleibt."

Unternehmerin Schaeffler: "Es geht nicht um ein Geschenk"
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Unternehmerin Schaeffler: "Es geht nicht um ein Geschenk"

Seine Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler sagte der Zeitung: "Schaeffler-Conti steht für eine industrielle Substanz, die es so weltweit nicht noch einmal gibt und die nicht einfach ersetzt werden kann. In jedem Auto auf dieser Welt finden Sie im Durchschnitt 60 Teile allein aus der Schaeffler-Produktion." Eine Störung in der Produktion hätte für die Automobilindustrie "weltweit schwerwiegende Auswirkungen".

Schaeffler zog auch Parallelen zur Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Chart zeigen: Eine renommierte Unternehmensberatung habe die Bedeutung von Schaeffler für die Industrie mit derjenigen von Lehman für die Bankenwelt verglichen, sagte sie.

Anfang der Woche hatte die Managementberatung Oliver Wyman in einer Studie vor einem Kollaps des Schaeffler-Konzerns gewarnt. Ein Kippen von Schaeffler käme demnach einer "Kernschmelze" für die Automobilindustrie gleich. Schaeffler und Continental Chart zeigen seien für den deutschen Automobilbau das, "was Lehman Brothers für die Bankenwelt in den USA war". Zustimmung erhielt die Beratungsfirma für diese Aussage von Gewerkschaftsvertretern.

Unternehmerin Schaeffler verteidigte zugleich den Ruf nach Staatshilfen. Sie machte deutlich, dass die Firmengruppe dringend auf staatliche Gelder angewiesen sei. "Ohne eine zeitlich begrenzte finanzielle Überbrückung durch den Staat wird es für die Einheit und Zukunft von Continental und Schaeffler schwierig."

Den Staat um Geld zu bitten, sei das Letzte, was man sich als Unternehmerin wünsche, erklärte sie. Aber die Verantwortung für das Unternehmen und die Mitarbeiter ließen ihr keine andere Wahl. Das Unternehmen werde aber "alles mit Zinsen auf Heller und Pfennig zurückbezahlen". Es gehe nicht um ein Geschenk.

Schaeffler ist nach der Übernahme des Hannoveraner Autozulieferers Conti mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldet und kann wegen der Autokrise die Zinsen nicht mehr aufbringen. Wegen der Forderungen nach Staatshilfe ist das Unternehmen in die Kritik geraten - es könne nicht sein, dass der Steuerzahler für Fehlentscheidungen des Managements einspringen müsse, heißt es. Der Schaeffler-Conti-Konzern beschäftigt in Deutschland rund 80.000 Menschen.

kaz/dpa/ddp/AFP

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