BA in der Kritik Warum die Arbeitsagenturen besser werden müssen

Zu ineffizient, an den Bedürfnissen vorbei: Wirtschaftsverbände prangern die Arbeit der Jobvermittler an, Arbeitsminister Scholz verteidigt die Behörden vehement. Tatsächlich aber greifen Unternehmen immer seltener auf die Dienste der Arbeitsagenturen zurück.

Hamburg - Mangelnden Optimismus kann man Olaf Scholz wahrhaftig nicht vorwerfen. So wird der SPD-Arbeitsminister selbst in der größten deutschen Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit nicht müde, ehrgeizige Visionen für den Erwerbsmarkt zu propagieren. Eine davon betrifft die Jobvermittlung: "Weltweit darf uns niemand berichten, dass er es besser organisiert hat als in diesem Land", hatte Scholz bereits bei seinem Antritt als Minister gesagt. An diesen Plänen hält er fest - bis heute.

Doch bis zur besten Jobvermittlung weltweit ist es offenbar noch ein sehr weiter Weg, glaubt man den kritischen Stimmen aus der Wirtschaft. Ineffizient und nicht passgenau ist die Arbeit der Agenturen, wetterte etwa Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt in den vergangenen Tagen. Viel zu häufig beklagten die Betriebe, dass ihnen die Agenturen unpassende Bewerber schickten, sagt Hundt. Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, pflichtet ihm bei: Vor allem bei der Suche nach höher Qualifizierten werde die Agentur oft erst gar nicht eingeschaltet. Der Grund: Das Ergebnis sei häufig mangelhaft.

Ineffizient oder fast perfekt - weiter könnten die Meinungen des Ministers und der Wirtschaftsvertreter kaum auseinander liegen. Die Frage bleibt: Wie gut ist die Bundesagentur für Arbeit (BA) tatsächlich? Und wie gut ist sie für die größte Entlassungswelle gerüstet, die dem Arbeitsmarkt seit langem droht?

Zunächst einmal steht fest: Die BA ist in Bewegung - und das schon seit Jahren. Denn als der Unternehmer Frank-Jürgen Weise 2004 die Führung der Nürnberger Behörde übernahm, verpasste er ihr zunächst einen Radikalumbau. So wurden die Abläufe in der Mammutbehörde neu geregelt und gestrafft, die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen auf den Prüfstand gestellt und Arbeitsämter in Arbeitsagenturen umbenannt - immer mit dem Ziel, die Vermittlung zu verbessern.

"Mehr Transparenz schaffen" war und ist das Motto des BA-Chefs seit dieser Zeit - sicher nicht immer zur Freude der Mitarbeiter in den einzelnen Agenturen, müssen sie sich seitdem doch viel stärker miteinander vergleichen lassen als je zuvor: Wer wenig Leute vermittelt, der kriegt Druck aus Nürnberg. Für gute Leistungen hingegen gibt es Lob.

Aus Sicht von Arbeitsmarktexperten ist dieser Umbau der Behörde ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. "In den vergangenen Jahren hat sich vieles bei der Vermittlung von Arbeitslosen verbessert", sagt etwa Holger Schäfer vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. So hätten die Vermittler heute viel mehr Möglichkeiten, Arbeitslosen passgenaue Weiterbildungen anzubieten als früher. Dadurch verbesserten sich - zumindest theoretisch - ihre Chancen auf dem Erwerbsmarkt und die Firmen bekämen potentiell geeigneteres Personal. Ein weiterer Pluspunkt des Umbaus: "Heute sieht man schneller, für was genau Geld ausgegeben wird", sagt Schäfer.

Dennoch: An der Kritik der Wirtschaftsverbände ist offenbar etwas dran: Nur in 46 Prozent aller Fälle führen die Vermittlungen der Arbeitsagenturen zu einer tatsächlichen Besetzung, ergab eine Erhebung des BA-eigenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Zum Vergleich: Schalten die Betriebe eigene Anzeigen liegt die Erfolgsquote bei 62 Prozent, bei persönlichen Kontakten sogar bei 85 Prozent.

Die Folge: Die Unternehmen greifen immer seltener auf die Vermittlung der Arbeitsagenturen zurück. Während es im Jahr 2000 laut IAB noch 38 Prozent der westdeutschen Unternehmen waren, lag die Zahl zuletzt bei nur noch 32 Prozent. Selbst IW-Experte Holger Schäfer räumt daher ein: "Man hat zwar den Eindruck, dass sich durch die BA-Reform viel verändert hat, aber an den Fakten festmachen lässt sich das tatsächlich nicht ohne weiteres."

Und nicht nur auf Unternehmensseite scheint es Defizite zu geben: Auch für die Arbeitslosen selbst ist die Betreuung nicht immer optimal. So sollten den Plänen zufolge heute auf einen Vermittler etwa rund 150 Langzeitarbeitslose kommen, bei Jugendlichen sollte der Betreuungsschlüssel sogar bei 1:75 liegen. Doch von den ehrgeizigen Plänen ist man nach wie vor entfernt - und das, obwohl in den vergangenen Jahren mehr Vermittler eingestellt wurden.

Ein weiteres Problem: Viele der Vermittler sind Quereinsteiger und nur leidlich angelernt. Insbesondere Höherqualifizierte und Fachkräfte könnten sich den Gang zur Arbeitsagentur daher oft sparen - und auf eigene Faust suchen, sagt IW-Experte Schäfer. Dies sei oft erfolgsversprechender und gehe schneller.

Langfristig, so scheint es, verliert die BA so an vielen Stellen des Arbeitsmarktes ihren Einfluss - weil weder Arbeitslose noch die Unternehmen die Behörde einschalten. Dazu passt eine DIHK-Befragung, die der Verband unlängst in seinen Mitgliedsbetrieben durchgeführt hat: Nur noch rund jeder zweite Betrieb teilt demnach heute noch seine offenen Stellen der Arbeitsagentur mit.

Das bedeutet jedoch auch, dass es statt rund einer halben Million offener Stellen fast eine Million geben muss, schätzt IW-Mann Schäfer. Dass es dabei gleichzeitig rund 3,5 Millionen Arbeitslose gibt, wirft kein gutes Licht auf die Arbeit der Vermittler. Zweifellos gibt es unbesetzte Jobs, auf die keiner der Erwerbslosen passt. Doch in einer Vielzahl der Fälle sollten sich akzeptable Bewerber finden lassen - vorausgesetzt die Vermittlung leistet das.

Ob die BA der drohenden Arbeitslosenwelle in den kommenden Monaten unter diesen Umständen gerecht werden kann, ist daher mehr als fraglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Union vor mehreren Monaten die Neuregelung der Jobcenter - die für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen zuständig sind - blockiert hat. Weil die Zukunft der Behörden seitdem ungewiss ist, wollen inzwischen immer mehr Mitarbeiter an einen anderen Dienstort versetzt werden - erneut zu Lasten der Vermittlung.

Um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, schlägt IW-Mann Schäfer eine Privatisierung der BA vor. "Die Idee ist durchaus diskutabel", sagt er. Immerhin seien heute bereits Teile der Vermittlung ausgelagert. Dies könnte langfristig auf weitere Teile übertragen werden. Doch selbst Schäfer räumt ein: "Ob dann die Vermittlung wirklich besser wird, ist nicht gesagt."

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