Babyphone-Affäre Staatsanwaltschaft kritisiert Porsche-Chef Wiedeking

Ärger in der Abhöraffäre: Die Ermittler sehen kaum noch Chancen, den vermeintlichen Lauschangriff auf Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aufzuklären. Grund ist die zögerliche Informationspolitik des Unternehmens.


Hamburg - Bei den Staatsanwälten in Braunschweig und den Ermittlern beim LKA Hannover wächst laut Informationen des SPIEGEL der Ärger über Porsche: Anfangs waren die Ermittler nur irritiert darüber, dass die Firma fast ein halbes Jahr verstreichen ließ, bis sie Anzeige erstattete. Jetzt sind die Fahnder sauer, weil Porsche ihnen nur einen Teil der eigenen Recherchen mitgeteilt hat. "Andere Informationen mussten wir den Zeitungen entnehmen", so ein Ermittler.

Porsche-Chef Wiedeking: Tätersuche auf eigene Faust
DPA

Porsche-Chef Wiedeking: Tätersuche auf eigene Faust

Das Unternehmen hatte Strafanzeige gestellt, weil es von einem Lauschangriff auf Wiedeking während eines Besuchs in Wolfsburg am 15. November 2007 ausgeht – in seiner Suite im Hotel Ritz-Carlton war ein eingeschaltetes Babyphone entdeckt worden. Sechs Tage nachdem die Anzeige eingegangen war, meldete die "Stuttgarter Zeitung", Porsche habe das Gerät am Platz gelassen, um dem Lauscher eine vermeintlich vertrauliche Information zukommen zu lassen, deren Verwendung ihn später verraten hätte.

Die Chancen auf Aufklärung sind jetzt nur noch minimal. Wenn das Babyphone tatsächlich von dem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma installiert worden war, wie Porsche Chart zeigen vermutet, dürfte diesem die Tat schwer nachzuweisen sein. Der Mann war zuletzt zwei Tage vor Wiedekings Besuch in der Suite. Wenn er das Gerät so früh plaziert hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es bei Reinigungsarbeiten aufgefallen wäre. "Ein professioneller Abhörversuch", so ein LKA-Beamter, "sieht anders aus."

Anders schätzt er die Lage im Fall Wolfgang Bernhard ein: In der Privatwohnung des ehemaligen VW-Vorstands wurde eine Wanze entdeckt. Doch Staatsanwälte können den Vorgang nicht untersuchen. Ein verbotener Lauschangriff gilt als Antragsdelikt und wird nur verfolgt, wenn der Betroffene Strafanzeige stellt – und Bernhard hatte keine Anzeige erstattet.



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