Badisch-schwäbischer Namensstreit Daimler? Benz? Mercedes?

Chrysler ist verkauft, Konzernchef Zetsche will einen Neustart für Daimler - da regt sich Widerstand aus Baden, dem kleineren Landesteil Baden-Württembergs. In Mannheim sieht man in dem neuen Namen Daimler AG die Leistungen des Badeners Carl Benz missachtet.


Hamburg - Über den künftigen Namen von DaimlerChrysler Chart zeigen ist eine Diskussion entbrannt: Die Stadt Mannheim forderte den in Stuttgart ansässigen Autokonzern auf, wieder den Namen Benz mit ins Logo aufzunehmen. In einer gestern Abend verbreiteten Resolution des Gemeinderats der Stadt heißt es, dies sei der Konzern Carl Benz und seinen Leistungen schuldig.

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Carl Benz stehe mit seinem Schaffen für einen wesentlichen Teil der weltweiten Automobilgeschichte, heißt es in dem Papier weiter. In Mannheim sei das erste patentierte Auto der Welt gebaut worden.

Carl Benz in Mannheim und Gottlieb Daimler in Stuttgart hatten vor mehr als 100 Jahren unabhängig voneinander an der Entwicklung des Automobils gearbeitet. Die von ihnen aufgebauten Unternehmen fusionierten später. Mannheim ist eine badische Stadt, Stuttgart eine schwäbische.

Benz hatte 1885 das erste motorisierte Fahrzeug gebaut. Das berühmte Patent Nummer 37435 für das "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" vom 29. Januar 1886 gilt als die eigentliche Geburtsurkunde des Automobils. Zudem wollen die Badener den Namen Benz im Logo sehen, da Benz in Karlsruhe - ebenfalls eine badische Stadt - geboren wurde.

"Durch die beabsichtigte Trennung von Chrysler ist jetzt die Chance gegeben, den ehemaligen stolzen Firmennamen Daimler-Benz wieder aufleben zu lassen", heißt es in der Mannheimer Resolution. Zudem würde sich die Topautomobilmarke Mercedes-Benz dann nach neun Jahren wieder im Namen finden.

Wegen der Fusion mit Chrysler im Jahr 1998 wurde aus der damaligen Daimler-Benz AG der deutsch-amerikanische Konzern DaimlerChrysler. Der Autobauer verkauft nun die Mehrheit seiner US-Sparte an den Finanzinvestor Cerberus und will sich künftig Daimler AG nennen.

Der Automobilkonzern mit Sitz in Stuttgart erklärte, die künftige Daimler AG setze mit dem starken Namensbestandteil Daimler auf eine hohe Bekanntheit und hohes Vertrauen in die Kompetenz als weltweit angesehener Automobil- und Nutzfahrzeughersteller. Der Name Daimler AG sei als Unternehmens-Dachmarke zu sehen und müsse auch so positioniert werden. Er sei keineswegs als Geringschätzung von Carl Benz zu sehen.

"Daimler AG wird auch deshalb präferiert, weil dieser Name in der Positionierung für das von uns geführte Markenportfolio kommunikativ offener als zum Beispiel Mercedes-Benz AG oder Daimler-Benz AG ist", heißt es in der Stellungnahme des DaimlerChrysler-Vorstands.

Der Namensänderung muss noch eine außerordentliche Hauptversammlung zustimmen.

kaz/Reuters/AP/dpa



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