BaFin-Korruptions-Prozess Unternehmensberater muss ins Gefängnis

Knapp sieben Millionen Euro - diesen Schaden hat ein Unternehmensberater der Finanzaufsichtsbehörde BaFin zugefügt. Heute wurde der Mann wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue verurteilt. Er muss für drei Jahre und fünf Monate ins Gefängnis.


Bonn - Die siebte große Strafkammer des Landgerichts Bonn befand den 62-jährigen Kaufmann und Unternehmensberater für schuldig. Er soll gemeinsam mit einem früheren Leitenden Regierungsdirektor die oberste deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin um rund 6,8 Millionen Euro geschädigt haben.

Dazu hatte er der Behörde unbrauchbare Software und nie erbrachte Dienstleistungen in Rechnung gestellt. Diese Rechnungen wurden von dem BaFin-Referatsleiter abgezeichnet. Die so zwischen Herbst 2003 und Februar 2006 bewilligten Zahlungen soll der Computerexperte ordnungsgemäß versteuert und den Reinerlös mit dem BaFin-Manager geteilt haben. Dieser war bereits im Juli zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden.

Die Bonner Richter bezeichneten das Urteil gegen den Geschäftsmann als "ausgesprochen milde". Sie hielten dem Angeklagten sein ausführliches Geständnis zugute sowie die Bereitschaft, sich überhaupt der Hauptverhandlung zu stellen. Der Mann war im Mai einen Tag vor Prozessbeginn zusammengebrochen und wochenlang in einer Berliner Klinik behandelt worden. Aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Angeklagten stand zunächst nicht fest, ob die Hauptverhandlung überhaupt zu Ende geführt werden konnte.

Darüber hinaus ging das Gericht davon aus, dass der 62-Jährige eine untergeordnete Rolle in dem betrügerischen Duo spielte. Der BaFin-Referatsleiter sei mit "seinem Geltungsbedürfnis und seiner Geldgier die treibende Kraft gewesen und hatte die wesentlich größere kriminelle Energie", sagten die Richter. Der EDV-Spezialist sei eher der Typus des Buchhalters und sei "wie eine Marionette benutzt" worden.

wal/ddp/dpa



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