BaFin-Skandal Ankläger fordert sechseinhalb Jahre Haft

Reisen nach Las Vegas, eine Luxuswohnung in Berlin - vom normalen Gehalt eines Regierungsdirektors bei der BaFin lassen sich solche Extravaganzen nicht finanzieren. Michael Raumann besorgte sich das Geld durch betrügerische Geschäfte auf Kosten seiner Behörde. Dafür soll er jetzt büßen.


Bonn - Im Prozess um den Millionen-Betrugsskandal bei der obersten deutschen Finanzaufsicht (BaFin) forderte die Staatsanwaltschaft heute vor dem Landgericht in Bonn sechseinhalb Jahre Haft für den früheren Beamten. Er habe sich in 90 Fällen der Untreue im Amt und schwerer Bestechlichkeit schuldig gemacht, rechneten die Ankläger vor.

BaFin-Beamter Raumann: 350 Quadratmeter große Luxuswohnung in Berlin
DDP

BaFin-Beamter Raumann: 350 Quadratmeter große Luxuswohnung in Berlin

Der 53-jährige Raumann hatte seinem eigenen Geständnis zufolge zwischen September 2003 und Februar 2006 bei der BaFin mehr als sechs Millionen Euro mit Hilfe von Scheinrechnungen der IT-Firma eines befreundeten Unternehmers abgezweigt. Er habe die BaFin, deren Chef Jochen Sanio wegen der Affäre selbst unter Druck geraten war, "ausgeplündert" und sei als "Hochstapler" aufgetreten, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Der frühere Leitende Regierungsdirektor hatte im Verfahren ein umfassendes Geständnis abgelegt und sich auch in Medien zu den Taten bekannt. Er entschuldigte sich bei der BaFin und sagte, er schäme sich für seine Taten. Das ergaunerte Geld hatte Raumann weitgehend verprasst.

Die Verteidigung hielt den Antrag der Staatsanwaltschaft nicht für überzogen - er sei im "grünen Bereich" - und wollte sich selbst nicht auf ein Strafmaß festlegen. Das Urteil soll am 4. Juli gesprochen werden. Das Verfahren gegen einen mitangeklagten Unternehmer, mit dem sich Raumann das Geld teilte, war wegen dessen Erkrankung abgetrennt worden.

Raumann hatte sich die Einstellung bei der Bundesbehörde mit falschen Angaben und einem falschen Doktortitel erschlichen. Als Leiter der IT-Gruppe war er bei der BaFin auch für die Beschaffung von Computer-Technologie zuständig. Durch seine Machenschaften wurde die BaFin allein um rund 6,4 Millionen Euro geschädigt. Insgesamt betrug der Schaden rund 7,3 Millionen Euro.

Mit dem ergaunerten Geld führte Raumann ein Doppelleben mit teuren Reisen etwa nach Las Vegas und einer 350 Quadratmeter großen Luxuswohnung in Berlin. Nach außen hin gab er sich als Staatssekretär im Außenministerium aus, der für Geiselbefreiungen in Afrika zuständig war. Die dem Bundesfinanzministerium unterstellte BaFin finanziert sich aus Umlagen der von ihr kontrollierten Banken, Versicherungen und Finanzinstitute.

mik/dpa



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