Bahn-Gewerkschaft Transnet-Chef geht nach nur sechs Monaten

Er ist kaum im Amt - und gibt schon auf: Nach nur sechs Monaten nimmt Lothar Krauß, der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft Transnet, seinen Hut. Als einen Grund für den Rückzug nannte er den Bahn-Börsengang.


Frankfurt am Main/Berlin - Lothar Krauß, der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft Transnet, gibt sein Amt auf. Beim Gewerkschaftstag in der kommenden Woche wolle der 52-Jährige nicht mehr für den Vorsitz kandidieren, teilte Transnet nach einer Sitzung des Hauptvorstands mit.

Transnet-Chef Krauß: "Entsolidarisierend und spaltend"
DDP

Transnet-Chef Krauß: "Entsolidarisierend und spaltend"

Als Nachfolger für den Chefposten nominierte das Gremium einstimmig den bisherigen Vize-Vorsitzenden und Tarifexperten Alexander Kirchner (52). Kirchner stelle sich am Montag auf dem Gewerkschaftstag in Berlin den Mitgliedern zur Wahl, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft. Krauß werde den Gewerkschaftstag am Wochenende aber noch eröffnen.

Zur Begründung für seinen Rückzug sagte Krauß, Transnet befinde sich "in einer ihrer schwierigsten Zeiten". Die Gewerkschaft brauche daher mehr denn je "inhaltliche Geschlossenheit und eine Führung, die von breiten Mehrheiten getragen wird."

Krauß hatte erst im Mai den langjährigen Transnet-Chef Norbert Hansen ersetzt, der als Personaldirektor in den Vorstand der Deutschen Bahn gewechselt war. Dieser Wechsel ins Arbeitgeberlager habe bei vielen Mitgliedern Wut und Ärger ausgelöst und ihr Vertrauen in die Transnet-Führung erschüttert, sagte Krauß. Er nannte auch den politischen Streit um den Börsengang der Deutschen Bahn als Grund für seinen Amtsverzicht. Zudem gebe es einen Gewerkschaftsstreit, der viele Kollegen stark verunsichert habe. Dies sei "entsolidarisierend und spaltend". Eine Personaldiskussion dürfe die Gewerkschaft nicht in Lager spalten und trennen. Deshalb trete er zurück.

Zudem leidet die Bahngewerkschaft unter Mitgliederschwund. Laut "Welt" kündigten in den ersten neun Monaten des Jahres 9000 Mitglieder. Die Gewerkschaft hat nach eigenen Angaben 250.000 Mitglieder. Der Transnet-Sprecher wollte den Mitgliederschwund allerdings nicht bestätigen. Transnet werde im Januar Mitgliederzahlen veröffentlichen, sagte er.

cvk/AFP/dpa/Reuters



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