Bahn-Tarifeinigung Merkel lobt den Kompromiss

Nach der Tarifeinigung zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL herrscht Erleichterung. Die beiden anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA allerdings reagierten äußerst zurückhaltend.


Berlin – Als Spielverderber wollten die Konkurrenzgewerkschaften der GDL nicht dastehen. Doch offenkundig wurde schon, dass ihnen die Einigung nicht gefällt. Es sei "sehr wichtig, dass die Tarifeinheit im Unternehmen gewahrt bleibt", betonte einmal mehr GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel im Radiosender MDR Info. "So wie ich das Ergebnis interpretieren kann, ist das so", fügte er hinzu. Nun sei es an der Zeit, die Auseinandersetzungen der Gewerkschaften untereinander zu beenden. In Zukunft müsste eine gemeinsame und abgestimmte Tarifpolitik betrieben werden.

ICE im Kölner Bahnhof: Warnung vor Preiserhöhungen
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ICE im Kölner Bahnhof: Warnung vor Preiserhöhungen

Transnet-Tarifvorstand Alexander Kirchner verwahrte sich in diesem Zusammenhang gegen den Vorwurf, angesichts der angepeilten Lohnerhöhung für die Lokführer von elf Prozent hätten Transnet und GDBA mit ihren 4,5 Prozent mehr Gehalt für die übrigen Bahn-Beschäftigten schlecht verhandelt. Würden die Arbeitszeitverbesserungen hinzugerechnet, ergebe sich ein Volumen von neun Prozent, sagte Kirchner der "Leipziger Volkszeitung".

Euphorie kam auch beim Deutschen Gewerkschaftsbund nicht auf. Der DGB stehe für die Tarifeinheit, betonte dessen Chef Michael Sommer in der "Osnabrücker Zeitung". "Deswegen bedauern wir den tarifpolitischen Kurs der GDL." Trotzdem sei das Ergebnis "ein beachtenswerter Startschuss für die Tarifrunde 2008".

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stand dagegen die Einigung im Vordergrund. Am Ende des monatelangen Konflikts habe sich Vernunft und Kompromissbereitschaft durchgesetzt, ließ sie den stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg ausrichten. Merkel appelliere an die Tarifparteien, die letzten Details bis Ende Januar zu klären, sagte dieser heute in Berlin.

Aus der Wirtschaft kamen dagegen gemischte Signale. Der Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, Günter Elste, kritisierte, solche Abschlüsse bedeuteten "ein hohes Risiko für Stabilität und Effizienz der Wirtschaft". Womöglich werde die GDL "Nachahmer in allen Branchen" finden.

Geißler bezeichnet Kompromiss als angemessen

FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich warnte die Bahn vor neuen Preiserhöhungen. Der Tarifabschluss für die Lokführer koste die Bahn rund 50 Millionen Euro pro Jahr, rechnete Friedrich vor. Erneute Fahrpreiserhöhungen wären deswegen angesichts der für die nächsten Jahre angekündigten Milliardengewinne der Bahn nicht gerechtfertigt.

GDL-Chef Manfred Schell zeigte sich zuversichtlich, dass die Lohnerhöhungen nicht auf die Bahnkunden abgewälzt würden: "Ich gehe davon aus, dass wegen unseres Tarifabschlusses keine Preise angehoben werden müssen", sagte er dem Nachrichtensender N-TV. Auch der einstige Moderator im Tarifstreit, Heiner Geißler (CDU), nannte das Ergebnis in der "Passauer Neuen Presse" wirtschaftlich vertretbar. Die Bahn hatte dagegen erklärt, damit sei die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren bereits überschritten.

Bahn und GDL hatten sich gestern nach Vermittlung von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) auf die Eckpunkte eines Tarifwerks für die Lokführer geeinigt. Demnach bekommen die Lokführer schrittweise durchschnittlich elf Prozent mehr Gehalt sowie eine Einmalzahlung von 800 Euro und müssen nur noch 40 statt 41 Stunden in der Woche arbeiten. Die Regelungen sollen in einem eigenständigen Tarifvertrag festgehalten und in den Dachtarifvertrag für alle Bahn-Beschäftigten eingepasst werden.

Nicht nur mit der Bahn, sondern auch zwischen der GDL und den anderen beiden Bahngewerkschaften hatte es erbitterte Auseinandersetzungen darüber gegeben. Bis Ende Januar wollen die Parteien die noch offenen Details klären. Zu Streiks soll es aber nicht mehr kommen.

mik/AFP/AP



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