Bahn-Tarifkonflikt Lokführer kündigen Streik für Freitag an

Tausende Bahnkunden müssen sich auf einen neuen Streik einstellen. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer hat angekündigt, am Freitag einen bundesweiten Arbeitskampf zu beginnen. Die Bahn will "mit allen Mitteln" dagegen kämpfen - und prüft juristische Schritte.


Frankfurt am Main - Nach Angaben der GDL hat sich die Deutsche Bahn geweigert, über einen eigenständigen Lokführertarifvertrag zu verhandeln. Das sagte der Vorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Manfred Schell, in Frankfurt am Main. Deshalb werde es am Freitag zu einem bundesweiten befristeten Streik im Personen- und Güterverkehr kommen.

Bahn-Mitarbeiter am Berliner Hauptbahnhof: Bundesweiter Streik sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr
AP

Bahn-Mitarbeiter am Berliner Hauptbahnhof: Bundesweiter Streik sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr

Ursprünglich war auch ein Streikbeginn am morgigen Dienstag nicht ausgeschlossen worden. Nun will die GDL die genaue Zeit der Streiks erst am Donnerstag bekanntgeben.

Nach Einschätzung des Unternehmens selbst steht die Deutsche Bahn vor einem harten Arbeitskampf. Die GDL hingegen rechnet mit einem schnellen Einlenken der Bahn. "Wir gehen davon aus, dass dieser Arbeitskampf am Freitag reichen wird", sagte Schell.

Der Konzern hatte zuvor angekündigt, "mit allen Mitteln" gegen Streiks kämpfen zu wollen. Man werde einen eingeschränkten Zugbetrieb für die Fahrgäste sicherstellen. "Die Eisenbahn wird nicht stehenbleiben", sagte Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch in Berlin.

Demnach sollen möglichst viele ICE-Linien aufrechterhalten werden. Im Regionalverkehr soll auch bei längeren Streiks mehr als die Hälfte des Angebots gewährleistet werden. Es sei aber mit Verspätungen zu rechnen. Im Güterverkehr sollen Lieferungen für wichtige Wirtschaftsbranchen gesichert werden. Personalvorstand Rausch sagte, im Fernverkehr sollten möglichst viele ICE fahren und man werde auch den Fahrplan der Auto- und Nachtzüge möglichst sicherstellen.

Ausländische Lokführer will die Bahn aber nur in "absoluten Einzelfällen" einsetzen. Zuvor war berichtet worden, das Unternehmen wolle Lokführer aus der Schweiz und aus Österreich einsetzen, um streikwillige GDL-Zugführer zu ersetzen.

Personalvorstand Margret Suckale betonte das Nein zu einem Sonder-Tarifvertrag für die Lokführer. "Wir werden uns nicht erpressen lassen." Auf die Frage, ob die Bahn wie vor einigen Wochen juristisch gegen die Gewerkschaft vorgehen wolle, sagte sie: "Wir werden auch das prüfen."

Im Vermittlungsverfahren war versucht worden, zu einer gemeinsamen Lösung für die Bahn und die drei Gewerkschaften Transnet, GDBA und GDL zu kommen - jedoch vergeblich. Schell bezeichnete das Tarifangebot der Bahn als "Witz der Woche". Nun werde die GDL wieder zu ihren ursprünglichen Forderungen zurückkehren, erklärte er. Diese beinhalteten erneut die Forderung nach 31 Prozent mehr Lohn für die Lokführer und die Zugbegleiter.

Im Rahmen des Vermittlungsverfahrens hatte sich die GDL noch bereiterklärt, nur für die Lokführer zu verhandeln und den beiden anderen Bahn-Gewerkschaften die Verhandlungen über das restliche Fahrpersonal zu überlassen. Rund 80 Prozent der Lokführer sind in der GDL organisiert.

Der Tarifkonflikt um einen Lokführer-Tarifvertrag schwelt seit März, im Juli hatte es bereits Warnstreiks gegeben. Bemühungen der Vermittler Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf für eine Abstimmung der GDL mit den anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA waren gescheitert.

wal/AFP/AP/ddp/Reuters/dpa



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