Bahnchef Mehdorn Umwelt ist schuld an Unpünktlichkeit

Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, wehrt sich gegen Kritik und Konkurrenz. An unpünktlichen Zügen seien vor allem "Umwelteinflüsse" schuld, gegen die Bevorzugung von Fluggesellschaften will er in Brüssel zu Felde ziehen.


Bahnchef Mehdorn: 2002 über eine halbe Milliarde Minus - und dann in die Profitabilität?
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Bahnchef Mehdorn: 2002 über eine halbe Milliarde Minus - und dann in die Profitabilität?

Berlin - Sollten Airlines hier zu Lande weiter bei der Mineralöl- und Ökosteuer bevorteilt werden, "werden wir uns in Brüssel wehren", sagte Mehdorn bei der Vorlage der Bilanz 2001. Kritik an der Pünktlichkeit tat der Bahn-Chef ab: Im Vergleich zu ausländischen Bahnen schneide man sehr gut ab. Zumeist seien externe Faktoren wie Selbstmorde, Unfälle an Übergängen oder das Wetter schuld an Verspätungen.

Mehdorn versprach zwar, das bundeseigene Unternehmen solle im Jahr 2004 aus den roten Zahlen herauskommen. Die vorgelegte Bilanz aber war erneut tiefrot: Der Betriebsverlust nach Zinsen belief sich im vergangenen Jahr noch auf 204 Millionen Euro und lag damit um fünf Millionen Euro höher als 2000. Für 2002 gehe er von einem mehr als doppelt so hohen Minus von 550 Millionen Euro aus, so Mehdorn. Im kommenden Jahr rechne er aber nur noch mit leichten Verlusten, danach solle die Bahn profitabel sein - und zwar auf Dauer. Zuvor werde das Unternehmen Milliarden für die Modernisierung investieren - zwischen 2002 und 2006 sollen es 45 Milliarden Euro sein. Seit der Bahnreform 1994 sind bereits knapp 60 Milliarden Euro in die Modernisierung gesteckt worden.

Mehdorn sagte, im ersten Jahr der "Offensive Bahn" seien die Ziele weitgehend erreicht worden, teilweise habe die Bahn besser als geplant abgeschnitten. "Das ist noch nicht zum Jubeln, aber eine Bestätigung für die Strategie." Im vergangenen Jahr habe die Bahn im Personenverkehr nach einem leichten Plus bei Verkehrsleistungen das beste Ergebnis seit der Bahnreform erzielt. ICE-Züge fahren inzwischen fast 46 Prozent des Umsatzes im Fernverkehr ein. Im Güterverkehr sei bei einem leichten Rückgang trotzdem das zweitbeste Ergebnis erzielt worden. Die Fahrwegsparte profitierte beim Umsatz von den mittlerweile rund 250 fremden Bahnunternehmen, die das Netz nutzen.



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