Bahnstreik In Großbritannien stehen die meisten Züge still

Wegen eines koordinierten Streiks der Bahngewerkschaften liegt der Zugverkehr in Großbritannien weitgehend lahm. Das soll vor allem ein Signal an die regierenden Konservativen sein.
Premierministerin Liz Truss: Die britische Regierung rief die Gewerkschaften auf, ihre Streiks zu überdenken

Premierministerin Liz Truss: Die britische Regierung rief die Gewerkschaften auf, ihre Streiks zu überdenken

Foto: NEIL HALL / EPA

Der Bahnverkehr in Großbritannien ist massiv eingeschränkt. Wegen eines groß angelegten Streiks bleiben am Samstag die meisten Züge stehen. Nur rund elf Prozent der üblichen Verbindungen sind laut einem Sonderfahrplan vorgesehen. In einigen Regionen des Landes, etwa zwischen London und größeren Städten wie Edinburgh, Brighton und Newcastle, fahren überhaupt keine Züge. Auch der Heathrow Express ist ausgesetzt.

Erstmals hatten mehrere Bahngewerkschaften in einer koordinierten Aktion gleichzeitig zum Streik aufgerufen. Sie fordern höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen – dafür wollten Zehntausende Bahnbeschäftigte verschiedener Betreiber für 24 Stunden die Arbeit niederlegen. Weitere Streiktage sollen in Kürze folgen. Der Tarifkonflikt läuft seit Monaten, eine Einigung ist nicht in Sicht.

Marathon und Parteitag

Manche Teilnehmer des für Sonntag angesetzten Marathons in London hatten Probleme bei ihrer Anreise. Gleiches galt auch für Mitglieder der konservativen Tory-Partei, deren Parteitag am Sonntag in Birmingham anfangen soll.

Mike Lynch, Generalsekretär der Gewerkschaft Rail, Maritime and Transport Union entschuldigte sich bei der Bevölkerung für die entstandenen Unannehmlichkeiten. »Wir haben auf keinen Fall auf den London Marathon abgezielt, eher auf den Tory-Parteitag, wenn wir ehrlich sind, denn diese Leute sind verantwortlich für die Situation«, sagte er der BBC.

Die neue britische Regierung von Premierministerin Liz Truss rief die Gewerkschaften auf, ihre Streiks zu überdenken. Die Störungen im Zugverkehr schreckten Passagiere vom Zugfahren ab, hieß es aus dem Verkehrsministerium.

Auch Postangestellte streiken

Der Streik fällt mit einer Arbeitsniederlegung in einer anderen Branche zusammen: 115.000 beschäftigte Postangestellte wollen zwei Tage lang auf diese Weise ihrer Forderung nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verleihen. Die Kampagne unter dem Motto »Genug ist genug« wird unter anderem auch von Abgeordneten der oppositionellen Labourpartei unterstützt.

Die Gewerkschaft Communication Workers Union hat die Belegschaft der Royal Mail im Oktober und November an insgesamt 19 Tagen zum Streik aufgerufen und »dramatische Auswirkungen« angekündigt, unter anderem für die Verkaufstage Black Friday und Cyber Monday Ende November sowie das Vorweihnachtsgeschäft.

Seit Monaten legen Streiks in den verschiedensten Branchen immer wieder Teile des öffentlichen Lebens in Großbritannien lahm. Die Regierung Truss hat angekündigt, das Recht auf Streiks deutlich einschränken zu wollen.

rai/dpa
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