Bahnstreikszenen Kunden perplex - bester Service bei der Bahn

Die Lokführer streiken bundesweit - aber mit Schwerpunkten. Besonders betroffen neben Berlin und dem Osten ist München. Allerdings bleibt dort das Chaos aus, die verhinderten Reisenden werden bei Kaffee und Gummibärchen von Service-Mitarbeitern der Bahn belagert.

Von , München


München - Dem jungen Mann reicht es jetzt aber wirklich mit dem Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). "Ey, ich will nach Augsburg und nicht hier rumsitzen!" Doch als sich der aufgebrachte Bahn-Kunde seiner Empörung mittels Solidarität erheischender Blicke und Sprüche in Richtung der anderen Wartenden versichern will ("Ist doch so, oder?"), hat er nicht mit dem flinken Service-Personal der Deutschen Bahn AG gerechnet.

Bestreikte Münchner S-Bahnen: Allein Flughafen-Linie S8 verkehrt regelmäßig
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Bestreikte Münchner S-Bahnen: Allein Flughafen-Linie S8 verkehrt regelmäßig

Rot bemützt und in eine gleichfarbige Weste gepackt, lächelt eine Bahn-Mitarbeiterin den renitenten Augsbuger an: "Kein Problem, Ihr nächster Zug geht in 20 Minuten", sagt sie nach einem Blick in ihre "Infomappe Reisendenhelfer". Der Mann ist perplex. Bester Service bei der Bahn.

Viel ist überdies auch nicht los im Münchner Hauptbahnhof. Manchmal stehen die Bahn-Mitarbeiter mit ihren Info-Mappen allein und verlassen am Gleis, weil niemand ihre Hilfe in Anspruch nimmt. Auch der kostenlos ausgeschenkte Kaffee findet wenig Abnehmer - zumindest bildet sich keine Schlange. Da hilft auch die breite Auswahl von Tee bis Gummibärchen nichts. Nebenan dagegen hat es sich eine Männer-Gruppe mit ein paar Kisten Paulaner-Bier gemütlich gemacht.

Viele Pendler und Reisende sind heute gar nicht erst zum Zug gegangen, sondern gleich ins Auto gestiegen. Jene, die den Bahn-Kaffee und die Gummibärchen verachten, sitzen jetzt im Stau in und um München fest, weiß der ADAC zu berichten.

Oder im Taxi. "Die Anzahl der Fahrten hat sich bestimmt verdoppelt oder verdreifacht", sagt Reinhard Zielinski von Taxi-München. An einem normalen Wochentag seien insgesamt etwa 2500 Taxis in der Stadt unterwegs. Während des Bahnstreiks aber seien wohl mehrere hundert Fahrzeuge zusätzlich im Einsatz.

"Es gibt Überall Schwerpunkte"

Am frühen Morgen waren vom Streik der Lokführer in der bayerischen Hauptstadt insbesondere die S-Bahnen betroffen. Während die Flughafen-Linie S8 regelmäßig verkehrte, musste die Bahn auf den anderen Strecken einen Notbetrieb organisieren. In Berlin fiel jede zweite S-Bahn aus, München sei aber stärker betroffen, sagt Bahn-Sprecher Gunnar Meyer.

Das liege aber auch daran, dass im Münchner Stadtbereich mit der Stammstrecke nur eine S-Bahn-Röhre zur Verfügung stehe. Ansonsten seien die Ausfälle neben München und Berlin in den neuen Bundesländern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg stark zu spüren. GDL-Sprecherin Gerda Seibert versichert, dass München nicht allein stark betroffen sei: "Unsinn, es gibt überall Schwerpunkte, in den meisten Großstädten bewegt sich nichts mehr."

Im Münchner Hauptbahnhof unterdessen droht sich die Situation gegen Mittag doch noch einmal zuzuspitzen. Ein entnervter Reisender läuft trotz lockenden Kaffee-Dufts stur am Service-Personal vorbei und brüllt in sein Mobiltelefon: "Die Bahn, das sind doch alles Verbrecher!"

Doch der Mann strebt so schnell dem Ausgang entegegen, dass die hilfsbereiten roten Westen nicht folgen können. Damit hat sich auch dieses Problem erledigt.

Mit dpa

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