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14. Dezember 2010, 19:12 Uhr

Bangladesch

Feuer in Textilfabrik tötet mindestens 22 Arbeiter

Die Arbeitsbedingungen sind schlecht - doch viele internationale Bekleidungsfirmen lassen aufgrund extrem niedriger Löhne in Bangladesch produzieren. Ein Feuer in einer riesigen Textilfabrik des Landes kostete mehr als 20 Menschen das Leben, etwa hundert weitere wurden verletzt.

Ashulia - Bei einem Großbrand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind am Dienstag mindestens 22 Arbeiter ums Leben gekommen. Die Beschäftigten des Werks nahe der Hauptstadt Dhaka seien nach Sprüngen vom Dach des Gebäudes gestorben. Etwa hundert weitere Arbeiter seien zum Teil schwer verletzt worden, teilte die Polizei mit. Brände in Textilfabriken kommen in Bangladesch wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen häufig vor.

Die Feuerwehr brachte den Brand Polizeiangaben zufolge nach einigen Stunden unter Kontrolle. An den Löscharbeiten beteiligten sich demnach dutzende Hubschrauber. Sie waren auch zur Rettung von Arbeitern im Einsatz, die sich auf das Dach des Hauses geflüchtet hatten. Nach ersten Erkenntnissen habe ein elektrischer Kurzschluss den Brand verursacht. Arbeiter berichteten, Notausgänge des Gebäudes seien verschlossen gewesen. Die Regierung kündigte eine Untersuchung an.

Das Feuer war in der Kantine im elften Stock des Gebäudes ausgebrochen und hatte sich rasch ausgebreitet. Ein Verantwortlicher des Unternehmens bezeichnete es als "in gewisser Weise glücklich", dass der Brand in der Mittagspause entstanden sei, in der viele Arbeiter das Haus verließen. In der Fabrik der Hameem Group in Ashulia in einem Industriegebiet nördlich von Dhaka sind rund 14.000 Menschen beschäftigt.

In Textilfabriken in Bangladesch brechen wegen Kurzschlüssen oder mangelhafter elektrischer Leitungen häufig Brände aus. Ihnen fallen jährlich Dutzende Arbeiter zum Opfer, die manchmal unter schwierigsten Bedingungen bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten. Seit mehreren Monaten protestieren Textilarbeiter in Bangladesch dagegen, dass Fabrikbesitzer den im Sommer vereinbarten gesetzlichen Mindestlohn nicht zahlen.

Die Textilindustrie ist mit etwa 4000 Fabriken der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Die Waren im Wert von etwa zehn Milliarden Dollar werden vor allem nach Europa und in die USA exportiert. Wegen der extrem niedrigen Löhne lassen in Bangladesch zahlreiche internationale Bekleidungsfirmen produzieren - etwa der Jeans-Hersteller Levi Strauss, die Kette H&M und der Textildiscounter Kik.

wit/AFP/dapd

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