Bank-Notfallplan Bundesregierung will IKB mit Steuergeldern retten

Um die finanziell angeschlagene Mittelstandsbank IKB zu retten, denkt die Bundesregierung laut Medienberichten auch über einen Einstieg des Bundes nach. Ärger herrscht über das Management, dessen Fehler jetzt mit Steuergeldern ausgebügelt werden.


Berlin - Die Lage ist so dramatisch, dass "keine Option tabu" ist - das meldet auf jeden Fall die "Süddeutsche Zeitung". Der Präsident der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, habe in einer Telefonkonferenz Ende der vergangenen Woche sogar mit der Schließung des Instituts gedroht, schreibt auch das "Handelsblatt". Nur auf Drängen von Bundesbankpräsident Axel Weber, der in den Gesprächen vor massiven Auswirkungen auf den gesamten Finanzsektor in Deutschland gewarnt hatte, habe BaFin-Präsident Sanio den Beteiligten zusätzliche Zeit eingeräumt, hieß es demnach in Verhandlungskreisen.

Das Logo der IKB: Fonds für Bankenkrisen ist ausgeschöpft
AFP

Das Logo der IKB: Fonds für Bankenkrisen ist ausgeschöpft

Damit der KfW-Verwaltungsrat auf seiner Sitzung am kommenden Mittwoch ein entsprechendes Rettungspaket präsentieren kann, überlegt nach Informationen beider Zeitungen jetzt auch die Bundesregierung, wie er sich an der Finanzierung der Bank beteiligen kann. Das Bundesfinanzministerium arbeite an einer Lösung, die den Bundeshaushalt dauerhaft nicht belasten soll, berichtet das "Handelsblatt". Eine Beteiligung des Bundes ist notwendig, weil die IKB Chart zeigen eine kurzfristige Kapitalspritze von rund 500 Millionen Euro braucht. Insgesamt fehlen der Bank wegen Abschreibungen auf ihre Wertpapiere bis zu zwei Milliarden Euro. In welchem Umfang sich die Privatbanken und die KfW Bankengruppe, die größter Anteilseigner der IKB ist, an dem Rettungspaket beteiligen, sei dagegen noch nicht klar, hieß es laut "Handelsblatt" in Verhandlungskreisen weiter.

Der mit 5,3 Milliarden Euro dotierte Fonds für Bankenkrisen der KfW ist vor allem wegen der Probleme bei der IKB bereits ausgeschöpft. Um weitere Hilfen mobilisieren zu können, müsste sie ihr Kapital erhöhen oder ihre Fördertätigkeit für den Mittelstand einschränken. Da beides politisch nicht gewollt ist, denke die Bundesregierung nach Angaben aus den Verhandlungskreisen nun über einen Kredit an die KfW nach, schreibt auch die "Süddeutsche Zeitung". Damit komme der Staat immer noch glimpflicher davon als die britische Regierung, die beim Kriseninstitut Northern Rock sämtliche Schulden von 73 Milliarden Euro habe übernehmen müssen.

Erheblicher Unmut über die Vorstände

Eine weitere Option ist ein Verkauf der profitablen Teile der IKB. Denkbar ist auch die Gründung einer sogenannten "bad bank", die alle Risiken übernimmt oder der Verkauf an Finanzinvestoren. Das Finanzministerium lehnte jeden Kommentar zu den möglichen Optionen ab. Finanz- und das Wirtschaftsressort dringen laut "Süddeutscher Zeitung" allerdings darauf, dass sich alle Anteilseigner an einem Rettungspaket beteiligen. "Eine Insolvenz der IKB wäre für alle Beteiligten am Ende teurer als die Beteiligung an einer Rettungsaktion", zitiert die SZ aus Regierungskreisen.

Erheblicher Unmut herrsche in der Regierung über die Vorstände von KfW und IKB, die die Probleme immer noch nicht im Griff hätten. Zudem seien der KfW-Verwaltungs- und der IKB-Aufsichtsrat nur unzulänglich informiert worden.

IKB-Investoren reagierten regelrecht geschockt auf Nachrichten über neue Milliardenlöcher. Die IKB-Aktie brach um mehr als 20 Prozent auf 5,01 Euro ein. Zahlreiche Analysten senkten ihre Kursziele für das Papier. "Nach dem Scheitern der Gespräche vom Wochenende ist die Zukunft der IKB ungewisser denn je", sagte ein Händler. Bereits gestern und vorgestern hatte es ergebnislose Verhandlungen gegeben zwischen dem Haupteigentümer KfW und dem Bankenverband BdB gegeben. Seit Ausbruch der Krise im vergangenen Sommer verlor das IKB-Papier rund 80 Prozent an Wert.

sam/Reuters



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