Bank-United-Bankrott Bankenpleite in Florida erschüttert US-Finanzbranche

Es ist der bisher teuerste Zusammenbruch eines amerikanischen Geldkonzerns in diesem Jahr: US-Behörden haben die Bank United geschlossen, das größte Finanzinstitut in Florida. Die Reste übernimmt ein Konsortium aus Finanzinvestoren.


Washington/Detroit - Amerikas Finanzbranche muss erneut den Zusammenbruch einer Großbank verkraften: Wie der US-Einlagensicherungsfonds FDIC mitteilte, wurde die Bank United mit Sitz in Coral Gables in Florida am Donnerstag geschlossen. Das Institut verfügte über Aktiva von 12,8 Milliarden Dollar und verwaltete Einlagen von 8,6 Milliarden Dollar.

Bank-United-Zentrale in Florida: Größte Pleite des Jahres 2009
REUTERS

Bank-United-Zentrale in Florida: Größte Pleite des Jahres 2009

Der Finanzkonzern aus Amerikas Süden legt damit die bisher größte Bankenpleite im Jahr 2009 hin - und ist das bereits 34. Opfer der Finanzkrise seit Jahresbeginn. Anfang Mai waren bereits die in Atlanta ansässige Silverton Bank sowie zwei kleinere Institute Bankrott gegangen. Die größte Pleite einer Geschäftsbank in der US-Geschichte war 2008 der Fall der einst führenden US-Sparkasse Washington Mutual. Sie hatte eine Bilanzsumme von mehr als 300 Milliarden Dollar

Durch die Bank-United-Insolvenz kommen auf die Einlagensicherung Belastungen von 4,9 Milliarden Dollar zu. Damit wird die Pleite für die FDIC zum zweitteuersten Fall in der aktuellen Finanzkrise nach der im Juli vergangenen Jahres spektakulär zusammengebrochenen US-Hypothekenbank IndyMac, die rund neun Milliarden Dollar kostete.

Die Reste der Bank United übernimmt ein Konsortium aus mehreren Beteiligungsgesellschaften. Der Verkauf an die Finanzinvestoren WL Ross & Co., Carlyle, Blackstone Chart zeigen und Centerbridge sei die kostengünstigste Option für das Institut, erklärte die FDIC. Die Investoren würden die Bank United mit 900 Millionen Dollar an frischem Kapital ausstatten. Die 86 Filialen sollen bereits am Freitag wieder öffnen.

Die FDIC rechnet mit weiteren Bankpleiten durch die Krise. In den allermeisten Fällen konnte sie bisher neue Käufer finden. Die Kundengelder waren im Rahmen der gesetzlichen Regelungen abgesichert.

Milliardenhilfe für GMAC

Im Kampf gegen die Finanzkrise unterstützt die US-Regierung die Finanzbranche mit Milliardenhilfen aus der Steuerkasse, um weitere Zusammenbrüche zu vermeiden. So sicherte Washington jetzt dem schwer angeschlagenen Autofinanzierer GMAC eine Finanzspritze von weiteren 7,5 Milliarden Dollar zu. Das teilte das für die Opel-Mutter General Motors (GM) Chart zeigen tätige Unternehmen am Donnerstagabend mit.

GMAC-Chef Alvaro de Molina sprach von einem "wichtigen Schritt zur Stabilisierung und Stärkung" des Unternehmens. Die US-Regierung hatte GMAC Ende vergangenen Jahres bereits mit fünf Milliarden Dollar gestützt. GMAC ist die frühere Finanzierungstochter von GM. Der US-Autobauer ist noch mit knapp unter 50 Prozent an der Gesellschaft beteiligt. Der Rest gehört dem US-Finanzinvestor Cerberus.

suc/AFP/dpa/dpa-AFX/Reuters



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Chromlatte 27.04.2009
1.
Kreditkarten sind eine unsägliche Angelsächsische Erfindung deren Krise und Untergang nur zu begrüßen ist. Allein der Name ist schon so pervers, dass man da eigentlich nicht mehr viel zu sagen muss.
Hartmut Dresia, 27.04.2009
2.
Zitat von sysopUS-Bürger geraten in die Kreditkartenklemme, Banken erhöhen Zinsen und Gebühren. Schon plant US-Präsident Barack Obama neue Gegenmaßnahmen. Wie gefährliche ist die Plastikgeldkrise für die Wirtschaft?
Es kommt eben eins zum anderen, doch haben die USA den Vorteil, dass sie eine frische Administration haben, die die Probleme - bei aller Kritik - anpackt. Demgegenüber wird Deutschland zwar von einer großen Koalition regiert, aber weder diese noch eine eventuelle Alternative nach der kommenden Bundestagswahl scheint wirklich auf der Höhe der Probleme zu sein. DGB-Chef Michael Sommer fordert ein drittes Konjunkturprogramm (http://www.plantor.de/2009/dgb-chef-sommer-fordert-100-milliarden-euro-gegen-die-krise/), das ist das Mindeste, was Regierung und Parlament zu bewerkstelligen haben, bevor der letzte verfügbare Euro zur Begleichung von Bankschulden verfeuert worden ist.
Hador, 27.04.2009
3.
Zitat von sysopUS-Bürger geraten in die Kreditkartenklemme, Banken erhöhen Zinsen und Gebühren. Schon plant US-Präsident Barack Obama neue Gegenmaßnahmen. Wie gefährliche ist die Plastikgeldkrise für die Wirtschaft?
Das ist IMO schwer zu sagen. Es fängt ja schonmal damit an, dass von den großen Kreditkartenfirmen (Visa, MasterCard, American Express) eigentlich nur American Express die Risiken des Kreditgeschäftes selbst trägt. Visa und MasterCard sind ja nur für die Abrechnungen zuständig, die Risiken tragen hier direkt die Banken selbst. Das größte Risiko dürfte daher IMO darin liegen, dass auch kleinere Banken ohne großes Engagement im Investmentbanking, die von der Immobilienkrise kaum betroffen waren nun in Probleme geraten.
shine31 27.04.2009
4. Vorgaben der FED gehen "zu weit"
sagen jetzt die Vorstände und Manager der Kreditkartenunternehmen. Mal sehen, was sie sagen, wenn sie in einpaar Monaten dann vom Staat Geld oder Bürgschaft haben wollen? Ob sie dann immer noch so nach Unabhänigkeit schreien??
Baikal 27.04.2009
5.
Zitat von ChromlatteKreditkarten sind eine unsägliche Angelsächsische Erfindung deren Krise und Untergang nur zu begrüßen ist. Allein der Name ist schon so pervers, dass man da eigentlich nicht mehr viel zu sagen muss.
Vielleicht hat deshalb die Bundesregierung, angefeuert von "Finanzstandort Deutschland" Steinbrück samt Adlatus Asmussen, nun gerade die revolving card zugelassen, die nun auch Nicht-Banken ausgeben dürfen: auf das sich der Konsument (manchmal auch Wähler genannt) so richtig tief verschulden kann und die anderen verdienen? Schließlich darf der Finanzstandort Deutschland nicht hintanstehen.
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