Banken in der Krise Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer gibt Aufsichtsräten schlechte Noten

Zu groß, überfordert - und oft ineffizient. Ex-Deutsche-Bank-Manager Rolf Breuer gibt ernüchternde Einblicke in den Alltag von Aufsichtsräten bei Banken. Die Missstände in den Gremien seien mit schuld daran, dass viele Geldinstitute in den Strudel der Finanzkrise gerieten.

Frankfurt am Main - Glaubt man Rolf Breuer, verstehen viele Bankaufsichtsräte in so mancher Sitzung nur Bahnhof. Nicht, weil sie schlecht informiert wurden: Pünktlich zu jedem Quartalsende werde das ganze Zahlenmaterial "über einem ausgeschüttet", erklärt der ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratschef der Deutschen Bank  . Dazwischen sende die Pressestelle den Mitgliedern eifrig Post. "Um sie angeblich informiert zu halten". Doch schon mit den vielen Abkürzungen seien viele Nicht-Insider überfordert. "Da legt man das schnell weg", sagt Breuer trocken.

Es sind ernüchternde Einblicke, die der 71-Jährige am Donnerstag auf einer Veranstaltung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zur Corporate Governance über den Alltag der Kontrolleure bei Banken gibt. So berichtet Breuer von seinem "Aha-Erlebnis". Nämlich als er erkannt habe, dass sich der ganze Aufsichtsrat bei unklarer Sachlage oft schlicht nach der Meinung zweier Leitfiguren richtete. Einem Kollegen mit viel Fachwissen - und ihm selbst. Eine solche Dominanz des Vorsitzenden "darf nicht sein", sagt Breuer. Später spricht er von der "Gefahr des Lemmingverhaltens".

Die Missstände in den Gremien seien auch daran Schuld, dass viele deutsche Banken von der Finanzkrise in den Abgrund gerissen wurden, moniert der Banker. Die Aufseher hätten die heraufziehende Gefahr einfach nicht erkannt, weil sie nicht verstanden, "was sich da eigentlich tut".

Größe der Gremien "ein Unding"

Unverblümt stellte Breuer auch die paritätische Zusammensetzung der Kontrollgremien in Frage. Schon die Größe "eines 20-köpfigen Aufsichtsrats ist an sich ein Unding". Zudem sei die Zusammensetzung der Arbeitnehmerbank "reformbedürftig", sagte er. Die Vertreter aus der Belegschaft seien wegen ihrer internen Kenntnisse zwar eine Bereicherung - das gelte aber weniger für Gewerkschaftsvertreter. Diese hätten "ihre eigene Agenda", verfolgten eher gesellschaftspolitische oder gewerkschaftliche Interessen als die des Unternehmens.

Breuer war bis 2008 auch Mitglied der Regierungskommission für gute Unternehmensführung. Das Thema der paritätischen Besetzung sei dort auf Wunsch der Regierung nie angetastet worden, sagt er - deshalb werde sich daran auf absehbare Zeit wohl wenig ändern.

Breuer plädierte aber für eine regelmäßige Evaluierung der Aufsichtsratsarbeit, wie sie in einigen Banken bereits erfolge. Am besten erledige das ein professioneller Berater. Zudem sei es sinnvoll, verstärkt hauptberufliche Aufsichtsräte zu bestellen, sowie rund ein Zehntel der Bezahlung vom Erfolg abhängig zu machen. Diese Boni sollten zunächst auf ein Konto fließen. Von dem müssten bei schlechter Arbeit auch wieder Gelder abgehoben werden. Die Aufsichtsräte forderte Breuer auf, passende Informationen einzufordern - sie seien in der "Holschuld".

Eventuell muss sich der Ex-Deutsche-Bank-Manager bald selbst fragen lassen, ob er dieser "Holschuld" immer nachgekommen ist. In der Deutschen Bank schwelt eine Spähaffäre, deren Ausmaß noch ungewiss ist. Es gehe um Fälle, die viele Jahre zurück liegen, heißt es in der Bank. Breuer erklärte dazu in Frankfurt, er habe davon nichts gewusst, sei aber "weder Opfer noch Täter".

ase
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