Banken in Großbritannien Barclays startet Kreditoffensive

Das Kreditgeschäft in Großbritannien liegt am Boden: Um den Geldverkehr zu beleben, pumpt die britische Großbank Barclays jetzt zusätzlich elf Milliarden Pfund für Hauskäufer und Unternehmen in den ausgetrockneten Markt.


London - Barclays Chart zeigen startet ein eigenes Konjunkturprogramm für die britische Wirtschaft: Der Finanzkonzern wolle noch in diesem Jahr elf Milliarden Pfund für Darlehen von Haushalten und Unternehmen im Königreich zur Verfügung stellen, sagte Bankenchef John Varley am Donnerstag bei der Barclays-Hauptversammlung.

Finanzplatz London: Barclays pumpt Geld in den Markt
REUTERS

Finanzplatz London: Barclays pumpt Geld in den Markt

Mit der Kreditoffensive wolle die Bank helfen, die Wirtschaft Großbritanniens wieder auf den Wachstumspfad zurückzuführen, erklärte Varley. Das lahmende Kreditgeschäft zählt zu den Hauptproblemen der Wirtschaftskrise weltweit.

Für die nähere Zukunft sieht Barclays allerdings keine wesentliche Besserung der wirtschaftlichen Gesamtlage. "Mit der steigenden Zahl von Arbeitslosen in vielen Teilen der Welt werden wir für mindestens ein weiteres Jahr in schwierigen Zeiten leben", sagte Varley. Die Bank selbst hatte 2009 nach eigenen Angaben einen "starken Start" hingelegt. Die Kapitaldecke sei mit dem Verkauf des Fonds-Anbieters iShares aufgepolstert worden.

Im Gegensatz zu anderen britischen Großbanken war Barclays im vergangenen Geschäftsjahr nicht in die roten Zahlen gerutscht und hatte einen Vorsteuergewinn von 6,1 Milliarden Pfund verbucht. Der Geldkonzern hatte sich auch nicht aus den staatlichen Bankenrettungspaketen bedient, sondern besorgte sich sein frisches Kapital von Investoren aus dem Nahen Osten.

Jobabbau bei Lloyds

Dagegen kämpfen andere britische Finanzunternehmen weiter mit den Folgen der Krise. Die teilweise verstaatlichte britische Bankengruppe Lloyds Chart zeigen streicht bis zu 1000 Jobs. Die 985 Voll- und Teilzeitstellen würden über die kommenden zwei Jahre abgebaut, sagte ein Sprecher der Bank am Donnerstag.

Es sind die ersten größeren Stellenstreichungen in der neu gebildeten Gruppe. Die Lloyds Banking Group entstand im Januar, nachdem Lloyds TSB die Konkurrenz Halifax Bank of Scotland (HBOS) übernommen und vor dem Kollaps gerettet hatte. Der Staat ist mit 43 Prozent an dem Konglomerat beteiligt.

Die ersten Stellen fallen in einer Sparte weg, die Autofinanzierungen anbietet. Gewerkschaften fürchten einen weiteren Jobabbau. Der Konzern beschäftigt rund 140.000 Mitarbeiter. Auch andere britische Banken bauen derzeit im großen Stil Jobs ab.

suc/dpa



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