Anlage-Tipp Banken und andere Krisen - so ist Ihr Geld sicher

Der europäische Bankenstresstest weckt Ängste um das eigene Ersparte. Doch keine Sorge: Ihr Geld ist sicher - solange Sie ein paar Regeln beachten.

Blick auf das Frankfurter Bankenviertel
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Blick auf das Frankfurter Bankenviertel

Eine Kolumne von


Lieber Sparer, wann haben Sie sich zuletzt Sorgen gemacht, Ihre Bank könnte unsicher sein? Ich meine die Bank, bei der Sie Ihr Gehaltskonto haben, 10.000 Euro als Tagesgeld und 20.000 als Rentenfonds oder Festgeld angelegt? Gestern? Heute? Haben Sie vor dem Radio die Ohren gespitzt, ob Ihre Bank beim Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht negativ aufgefallen ist?

Die meisten von uns haben hoffentlich andere Sorgen. Und das ist auch okay so: Denn Ihre Sparkasse oder Volksbank, Ihre Spardabank, die Deutsche Bank, die Postbank oder die ING-Diba geben zu solchen Sorgen aktuell keinen Anlass. Schon gar nicht bei den oben genannten Summen. Erspartes in der Höhe ist ohnehin Schonvermögen, 100.000 Euro an Spareinlagen sind pro Kunde von Gesetzes wegen in der EU versichert. Und die deutschen Banken garantieren freiwillig sogar für noch höhere Summen.

Krisen gibt es derzeit mehr als genug: die Brexit-Entscheidung der Briten, die 360 Milliarden Euro fauler Kredite bei italienische Banken, Erdogans Reaktionen auf den Putschversuch in der Türkei, die lahmende Konjunktur im Euroraum und mit all dem verknüpft die anhaltende Niedrigzinsphase.

Zeit also, sich über sein Geld noch mal Gedanken zu machen. Nehmen wir dazu eine kleine Überschlagsrechnung vor: 10.000 Euro zu einem Zinssatz von 1 Prozent angelegt, bringen 100 Euro Zinsen pro Jahr. Bei einem Satz von 0,01 Prozent kommt nur 1 Euro Zinsen raus.

30.000 Euro auf dem Festgeldkonto mit 1,4 Prozent im Jahr läppern sich über drei Jahre zu mehr als 1250 Euro Zinsen. Bei 0,15 Prozent Zinsen sind es im gleichen Zeitraum hingegen nur rund 135 Euro.

Ihr Bankberater hat Ihnen vermutlich schon gesagt, Sie müssten in der aktuellen Situation endlich den Schritt machen und in Aktien anlegen. (Oder er wird es bald tun.)

Achten Sie auf die richtige Streuung und die Kosten

Und weil Sie ja noch nicht so viel Erfahrung haben, empfiehlt der Bankberater einen internationalen Aktienfonds und zeigt Ihnen, dass Sie mit dem Fonds in den vergangenen fünf Jahren das eingesetzte Geld glatt verdoppelt hätten. Außerdem würden Sie mit einem solchen Fonds in Sachwerte investieren. Ihnen gehört damit schließlich ein Teil von Siemens, Apple und Nintendo. Und damit sei Wachstum garantiert.

Ihr Berater hat im Prinzip Recht. Aber eben nur im Prinzip: Es kommt auf die Details an. Oder sagen wir es genauer: Auf die richtige Streuung der Anlage und auf die Kosten.

Kaufen Sie für 10.000 Euro bei Ihrer Hausbank den angepriesenen Aktienfonds, fällt in der Regel als erstes ein Ausgabeaufschlag an. Typische Beispiele sind 3,5 Prozent für den "Deka Deutschlandgarant-2" der Sparkassen-Investmentfirma oder 5 Prozent für den "DWS Deutschland" der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Das sind gleich am Anfang schon mal 350 oder 500 Euro an Verlust, die Sie erst mal durch Rendite wieder reinholen müssen (siehe Tabelle).

Aktienfonds

Fonds WKN Ausgabeaufschlag
DWS Deutschland 849096 5%
DWS Top Dividende 984811 5%
DWS Vermoegensbildungsfonds I 847652 5%
DEKA-DIVIDENDENSTRATEGIE-CF DK2CDS 3,75%
DEKA-DEUTSCHLANDGARANT-2 DK1A6F 3,50%
Arideka CF 847451 5,26%
Uniglobal 849105 5%
INVEST-EUROLAND 975791 3%
UNIDEUTSCHLAND 975011 4%

Quelle: Onvista Finanzportal

Und während völlig unsicher ist, ob der vorgeschlagene Fonds die Rendite der vergangenen fünf Jahre auch weiter bringt, ist eines sicher: die zwei Prozent jährliche Managementgebühr, die der Fonds verlangt, also jedes Jahr zwei weitere Hunderter zusätzlich. (Die Hälfte davon bekommt übrigens auch Ihre Bank.)

Das ist im Detail also keine gute Lösung. Weil der Tipp mit den Aktien im Prinzip aber richtig ist, hier nun die preiswerte und damit sinnvolle Variante:

Bitten Sie Ihren Berater, er möge Ihnen einen vernünftigen weltweiten Indexfonds (ETF) vermitteln - und zwar einen ohne Ausgabeaufschlag. Einen mit marktüblich günstigen Verwaltungskosten von bloß rund 20 Euro im Jahr. Denn hier muss nichts gemanagt werden, niemand muss sekundenschnell kaufen oder verkaufen, geschickt auf oder gegen den Markt wetten, es muss bloß ein möglichst breiter Index - wie etwa der Dax - exakt nachgebildet werden. Teure Manager werden ebenso wenig gebraucht wie jährliche Bestandsprovisionen bei Ihrer Bank.

Gut möglich, dass Ihr Bankberater hier passen muss.

Machen Sie sich übrigens klar, dass eine weitere Verdoppelung des Wertes in fünf Jahren bei jedem Aktienfonds - gemanagt oder Index - eher unwahrscheinlich ist. Auch zwischenzeitliche Verluste sind drin. Deswegen sollten Sie die 10.000 Euro im Indexfonds 10 bis 15 Jahre liegen lassen können. Dann sind Verluste extrem unwahrscheinlich, in der Vergangenheit gab es sie bei einem Zeitraum von 15 Jahren im MSCI World, einem weltweiten Index der 1600 Unternehmen listet, gar nicht. Stattdessen gab es während der vergangenen 44 Jahre im Schnitt mehr als 6 Prozent Rendite pro Jahr.

Die oben genannten Krisen (Brexit, Italien, Türkei) zeigen auch, warum Sie Ihr Geld international streuen sollten statt nur in eine Firma in einem Land zu investieren. Mal geht es der Wirtschaft in England schlecht, mal in Frankreich, mal in Italien, in der Türkei, in Südafrika, Brasilien oder auch in den USA. Und wenn Sie als Deutscher in Deutschland arbeiten und dann auch noch in deutsche Aktien, womöglich die Ihres eigenen Unternehmens, anlegen, dann verlieren Sie im Falle einer Krise womöglich gleichzeitig Erspartes und den Job.

Wer sein Geld nicht nur in einem Land anlegt, kann also den meisten Krisen ruhig begegnen. Und wer mehr als zehn Jahre Zeit hat, schläft noch ruhiger. Und wenn Ihre Bank das nicht anbietet, ist es höchste Zeit, die Bank zu wechseln.

Wenn Sie mögen, können Sie sich jetzt noch die gestrigen Warnungen der Europäischen Bankenaufsicht aus dem Stresstest anschauen. Sie müssen aber nicht.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.


insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
tillw 30.07.2016
1. Was für eine Polemik!
Sie widersprechen sich nicht nur (weltweit gestreuten Indexfonds und dann reden sie vom breit gestreuten DAX = 30 Unternehmen!), nein Sie erwarten auch, dass ich als Bankberater Ihnen einen quasi kostenlosen ETF anbiete, an dem ich nichts verdiene und dennoch mindestens 45 Minuten Arbeitszeit investieren muss, um die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen! Glauben Sie Ihren eigenen Worten eigentlich?
ein-berliner 30.07.2016
2. Ja ja, Herr Tenhagen
Die Sprüche kennen wir: Die Rente ist sicher! Aber nur solange wie sich die Politiker nicht einmischen. Die Rente haben die Herrschaften schon zerstört, an das Geld des kleinen Mannes kommen die auch noch. Die Wette gilt.
rainerwäscher 30.07.2016
3.
Ich mache es ganz anders. Ich lasse mein Geld auf dem Girokonto. Und wenn ich mein altes Auto weiter fahre bis es auseinaderfällt, mache ich jedes Jahr mehr Gewinn als mit jeder Anktie.
duke_van_hudde 30.07.2016
4. Hmm
"100.000 Euro an Spareinlagen sind pro Kunde von Gesetzes wegen in der EU versichert." Wieviel Geld hat dies versicherung und könnte mit diesen Geld ein Bankkrot der Deutschen Bank verhidnert werden. Diese ganze Versicheurng ist wenn man die Zahlen kennt nur grober Unfug. Wenn es zum Konkurs kommt dann kann man halt hoffen das der Bund für dne Schaden aufkommt was aber eine sehr shclechte Entscheidung des Bundes sein würde. Mit viel Glück würde man ohne Bund hilfe noch zwangsweise Aktionär der Bank werden. Indem die Einlage in Aktien per Zwang umgetauscht werden. Bei Zinsen unter 1 % sollte man eher überlegen ob das Risiko so hoch ist das es günstiger sein würde das Geld bar in einen Schliessfach zu lagern. Wobei das natürlich nicht bei einer Bank sein sollte. Das kostet Gebühren aber man kann ja auch mal schätzen wie hoch man die Chance anssieht das z.b. die Deutsche Bank in dne nächsten 30 Jahren Konkurs anmelden muss. Von Anleihen würde ich auch massiv abraten vor allen von Staatsanleihen die bringen eine negative Rendite und die Staaten können auch gerne einen staatskonkurs hinlegen und das man vor Gericht in solch einen Fall nichts zu erwarten hätte ist klar. Beim Thema ETF sollte man auch klar sagen das zur Zeit immer mehr Fondgesellschaften auf alle möglichen Produkte ETF draufschreiben aber dann doch sehr hohe Gebühren nehmen. Hier werden dann wieder bestimmte Strategien beworben die in der Vergangenheit eine Überrendite erzielt haben und die Gesellschaften sagen nun das das jetzt immer noch so sein sollte. (Rechtlich sagne sie das natürlich nicht so das dürfen sie ja nicht aber den Kundne wird das durch di Blume shcon so erzählt. Dafür nehmen sie dann wieder fette jährliche Gebühren. Leider muss man bei ETF´s deshalb wieder stark aufpassen. Das Problem ist aber auch hier das die Erträge auf die man hoffen kann dank der geringen Zinsen mittelfristig auch sinken werden. Auf 6 % würde ich daher absolut nicht mehr hoffen in Zukunft und daher sollte man auch in diesen Fall nicht die Vergangenheit in die Zukunft vorranschreiben. Sollte die EZB die Zinsen nicht noch weiter absenken(-2 - -3 % sollten auch ohne Abschaffung des Bargeldes gehen) sollte man bei Aktien hoffen das man +- Null erreichen kann langfristig bei den jetzigen würde ich eher auf 3-4 % hoffen. Wenn die EZB das Bargeld abschafft kann niemand wissen wie tief sie die Zinsen senken werden. Bei -99,99 % müste eigentlich Schluss sein aber der Zeitraum ist dann ja noch ein Thema. Man kann die -99,99 % ja auch Stündlich machen.
ein-berliner 30.07.2016
5. Was nun
Mal eine ernstgemeinte Frage an Herrn Tenhagen. Was würde er denn derzeit machen wenn er zum Jahrgang 1940 gehörte und etwas Geld übrig hätte? Auch langfristige in Aktien gehen? Grandiose Antworten werden erwartet.
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