Bankenkrise Berlin Star-Anwalt Knauthe verliert Partner

Nach den neuen Verdachtsmomenten gegen die Berliner Anwaltskanzlei von Karlheinz Knauthe im Zusammenhang mit der Berliner Bankenpleite droht ihm jetzt erneut Ärger. Zum Ende des Jahres will sich Knauthes Partnerkanzlei in Frankfurt von ihm trennen.

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Berlin/Frankfurt am Main - Offiziell will in Frankfurt niemand etwas zur Spaltung der Kanzlei sagen. "Wir dementieren die Meldung nicht, alles weitere wird noch mitgeteilt", sagte ein Mitglied der Sozietät Paul, Paul und Schmitt. Der Chef der Kanzlei, Hans Georg Schmitt, war nicht zu sprechen, da er im Schwarzwald gerade seinen 70. Geburtstag feiert.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE aber sind die Bande zwischen der Kanzlei Knauthe in Berlin und der Kanzlei Paul, Paul und Schmitt in Frankfurt längst zerrissen. Zum Ende des Jahres wird demnach die Zusammenarbeit, die rund fünf Jahre dauerte, aufgelöst. Damit verliert der Berliner Anwalt Knauthe einen seiner wichtigsten Partner. In der Frankfurter Kanzlei arbeiten 13 der rund 50 Anwälte und Partner der Sozietät Knauthe, Paul und Schmitt.

Diverse Trennungsgerüchte

Zu den Gründen der Trennung gibt es bisher nur orakelhafte Aussagen. Beim Scheitern einer Ehe gebe es immer mehrere Gründe, verlautet aus der Frankfurter Kanzlei. Dass die Trennung mit den gegen Knauthe bekannt gewordenen Verdachtsmomenten wegen Parteienverrats zusammenhänge, wurde ebenfalls weder dementiert noch bestätigt.

Am Donnerstag hatte SPIEGEL ONLINE über einen weiteren möglichen Verdacht gegen die Berliner Kanzlei Knauthe wegen Parteienverrats berichtet. Im Zusammenhang mit den Nachforschungen über die Berliner Bankenkrise legen demnach Dokumente nahe, dass Knauthes Kanzlei in zwei Fällen Mandate für beide Seiten eines Rechtsstreits hatte.

"Zwei Sachverhalte"

Knauthe bestreitet den Vorwurf und erklärte, bei der AUBIS AG und der Aubis Konzept handele es sich um "zwei verschiedene Sachverhalte". Bei den Verhandlungen geht es hauptsächlich um die Zahlungsunfähigkeit der Firma AUBIS, die einen Teil des Defizits der Bankgesellschaft Berlin produzierte. AUBIS hatte von der Bankgesellschaft Darlehen in Höhe von 600 Millionen Mark erhalten, die sie später nicht zurückzahlen konnte.

In Frankfurt aber wollte man sich nicht auf diesen Grund festlegen. Es gebe aber noch andere Gründe für die Trennung, wurde in der Mainmetropole gemunkelt - doch die unerfreuliche Berichterstattung in den Medien spiele schon eine Rolle.

Knauthes Kanzlei formuliert Trennung diplomatisch

Für den Berliner Juristen Karlheinz Knauthe jedenfalls bedeutet die Trennung einen herben Rückschlag, vor allem wird sein Image als renommierter Anwalt weiter geschädigt. Am Nachmittag ließ Knauthes Kanzlei mitteilen, dass "der bestehende Sozietätsvertrag zum 31.12.2001 beendet wird. Die Initiative ging von den Kollegen aus Frankfurt aus".

Zu den Gründen jedoch halten sich auch die Berliner zurück. Nur per Fax kommunizieren die Anwälte mit der Presse. Die "geschäftspolitische Zielsetzung" sei "Gegenstand gemeinsamer Erörterungen gewesen", schreibt die Kanzlei in diplomatischen Worten. Das Frankfurter Büro wolle in Zukunft drei Kernkompetenzen im Immobilienrecht sowie im Handels-, Wirtschafts- und Kapitalmarktrecht und beim gewerblichen Rechtsschutz ausbauen.

Die "Sozietät im Übrigen" - also Knauthe in Berlin - verfolge "auch weiterhin eine internationale Ausrichtung auf der Grundlage eines Full-Service-Konzepts". Da mit dem Wegbrechen des Frankfurter Büros eine Einrichtung von "erheblicher Bedeutung" ausfalle, führe man "bereits erste Gespräche".



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