Bankenkrise Milliardenloch bei KfW - Chefin Matthäus-Maier tritt zurück

Die Finanzlage der staatlichen Förderbank KfW ist schlechter als bisher bekannt: Wegen der Probleme ihrer Beteiligung IKB muss sie fast zwei Milliarden Euro abschreiben. Vorstandschefin Matthäus-Maier gibt ihr Amt umgehend auf - aus "gesundheitlichen Gründen", wie es offiziell heißt.


Frankfurt am Main/Berlin - Bei der KfW geht es drunter und drüber. Nach der Sitzung des Verwaltungsrates am Nachmittag ist klar: Die kurze Ära Matthäus-Maier ist vorbei. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bestätigte den sofortigen Rücktritt der KfW-Vorstandschefin und Ex-Politikerin. Sie gehe "aus akuten gesundheitlichen Gründen", heißt es von der KfW offiziell. Ihr Nachfolger wird das Vorstandsmitglied Wolfgang Kroh - aber nur kommissarisch. Eine dauerhafte Nachfolgelösung ist noch nicht gefunden.

Matthäus-Maier: Schnellstmöglicher Abgang
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Matthäus-Maier: Schnellstmöglicher Abgang

Zugleich rutscht die die Staatsbank wegen der Krise ihrer Beteiligung IKB tief in die Verlustzone und muss noch einmal rund 1,8 Milliarden Euro abschreiben - das bestätigte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD).

Glos sagte: Nach einer Neubewertung der KfW-Anlagen sei für 2007 ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro nach deutschem Handelsrecht angefallen. Nach Internationalem Rechnungslegungsstandard IFRS beläuft sich das Minus sogar auf 6,2 Milliarden Euro.

Grund für Bewertungskorrekturen sei die IKB-Zweckgesellschaft Rhineland Funding - die KfW musste sie in die eigenen Bücher nehmen. Ohne die Belastungen durch die IKB und Abschreibungen auf den IKB-Anteil hätte die KfW einen Gewinn von rund einer Milliarde Euro erzielt, sagte Glos. Die Staatsbank ist mit über 43 Prozent größte Aktionärin der IKB.

Steinbrück erklärte, die KfW werde die Verluste mit künftigen Gewinnen verrechnen. Deshalb werde der Bundeshaushalt von dem Minus nicht berührt.

Die IKB musste bereits mehrfach mit Milliardenhilfen des Staates und der Kreditwirtschaft vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Die bisherigen drei Rettungspakete haben ein Gesamtvolumen von rund 8,5 Milliarden Euro. Mit rund sechs Milliarden Euro trägt die KfW davon den Großteil.

Matthäus-Maier war vor allem in Unionskreisen vorgeworfen worden, in der IKB-Krise nicht rechtzeitig reagiert zu haben. Der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs nannte den Rücktritt in der " Frankfurter Rundschau" einen "überfälligen Schritt". Die Einsicht hätte früher kommen müssen, sagte der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand. Der CSU-Abgeordnete und Vorsitzende der Mittelstandsunion, Hans Michelbach, sagte, der Rücktritt biete "die Chance für einen Neuanfang mit völliger Transparenz". Die Vorgänge um die IKB müssten schonungslos aufgeklärt werden. Die Grünen bedauerten hingegen die Entscheidung. Finanzexpertin und Fraktionsvize Christine Scheel erklärte, Matthäus-Maier "musste den Kopf für Fehler hinhalten, die sie selbst nicht zu verantworten hatte". Matthäus-Maier sei auch das Opfer von durchsichtigem parteipolitischen Mobbing geworden.

Zuletzt hatte sich auch die SPD von der 62-jährigen Matthäus-Maier abgewandt. Die frühere finanzpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten war 1999 in den Vorstand der KfW eingetreten. Seit Oktober 2006 war sie Vorstandssprecherin. Matthäus-Maier erklärte, die Turbulenzen um die IKB und die andauernde Diskussion um ihre Person hätten dazu geführt, "dass ich mich nicht mehr mit voller gesundheitlicher Kraft meiner Arbeit widmen kann und zudem die KfW immer mehr Schaden nimmt".

Für Verwirrung sorgte am Nachmittag der FDP-Politiker Jürgen Koppelin. Er war in Nachrichtenagenturen mit den Worten zitiert worden, bei der IKB gebe es ein neues Milliardenloch von 1,8 Milliarden Euro - die Summe stimmte, nur nicht auf die IKB, sondern auf die KfW bezogen. Die IKB dementierte entschieden, man sehe derzeit keinen Abschreibungsbedarf. An der Börse stürzte ihre Aktie nach der Falschmeldung zunächst ins Minus, erholte sich dann aber langsam.

itz/dpa-AFX/Reuters/AP



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