Bankenkrise Schweizer Großbank UBS streicht 8700 Stellen

Die UBS will im laufenden Jahr mehr als zehn Prozent ihrer Stellen abbauen. Die größte Schweizer Bank hat im ersten Quartal einen Verlust von knapp zwei Milliarden Franken erlitten - das sind umgerechnet 1,32 Milliarden Euro.


Zürich - Es sind bittere Zahlen für die einst stolze Schweizer Bank: Die UBS rechne für das erste Quartal mit einem Verlust von knapp zwei Milliarden Schweizer Franken, teilte Bankchef Oswald Grübel am Mittwoch in Zürich mit. Grund dafür seien einmal mehr bereits ausgewiesene illiquide Risikopositionen, Rückstellungen für Kreditrisiken sowie Preisanpassungen auf den letzten Positionen, die an die Schweizerische Nationalbank übertragen wurden.

UBS-Logo in Bern: Erstes Quartal lief schlechter als erwartet
REUTERS

UBS-Logo in Bern: Erstes Quartal lief schlechter als erwartet

Doch damit nicht genug: Im ersten Quartal haben die Kunden der UBS viel Geld aus dem Bankhaus abgezogen. Für den Unternehmensbereich Wealth Management & Swiss Bank habe man einen Nettoabfluss von 23 Milliarden Schweizer Franken verzeichnet. Grund dafür sei die Bekanntgabe der Einigung mit US-Behörden in den Untersuchungen über die grenzüberschreitenden Bankdienstleistungen für US-Kunden gewesen.

Gleichzeitig erzielte das Wealth Management Amerikas ein positives Ergebnis, mit Netto-Neugeldzuflüssen von rund 16 Milliarden Schweizer Franken. Dank einer Reduzierung der Bilanzsumme und der "risikogewichteten Aktiven" rechne man trotz des Quartalverlustes mit einer Kernkapitalquote von ungefähr zehn Prozent.

"Stellenabbau ist leider unausweichlich"

Wegen der dramatischen Zahlen will man allerdings sparen: Um ihre Größe den veränderten Marktbedingungen und dem reduzierten Geschäft anzupassen, plane die UBS bis Ende 2010 Einsparungen von rund 3,5 bis 4 Milliarden Schweizer Franken gegenüber ihrer Kostenbasis von 2008, hieß es weiter. "UBS wird Einsparpotentiale in sämtlichen Bereichen ausschöpfen. Ein erheblicher Stellenabbau ist leider unausweichlich."

Bei der Bank will man sich deshalb langfristig von fast 9000 Mitarbeitern trennen, das sind mehr als zehn Prozent aller Angestellten. Man gehe davon aus, dass die Anzahl der Mitarbeiter bis 2010 auf rund 67.500 fallen werde. Ende März 2009 beschäftigte UBS rund 76.200 Mitarbeiter in über 50 Ländern.

Auch die Schweiz werde von dem Stellenabbau betroffen sein, hieß es. Auf dem Heimatmarkt gingen 2500 Stellen verloren, erklärte UBS-Sprecher Christoph Meier auf Anfrage der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. Davon sollten voraussichtlich 1200 bis 1500 über Entlassungen abgebaut werden. Die Großbank nutze zudem die natürliche Fluktuation. Es bestehe ein Sozialplan. Meier betonte, die UBS habe zuerst bei den Sachkosten gespart. Zudem würden Lohnnebenleistungen, die über dem Branchendurchschnitt liegen, gestrichen.

Zwar will die UBS Chart zeigen ihrem Kerngeschäft - dem Wealth Management und dem Schweizer Bankgeschäft - treu bleiben. Auch in Zukunft werde man das mit der globalen Expertise im Investmentbanking und im Asset Management kombinieren. Allerdings werde man die Risiken weiter reduzieren. "Die UBS wird sich aus risikoreichen und aus wenig Erfolg versprechenden Geschäftsfeldern zurückziehen", sagte Bankchef Grübel. Die Bank überprüfe derzeit ihre Aktivitäten, um klar zu entscheiden, in welchen Bereichen sie aktiv bleiben wird und wachsen und aus welchen sie aussteigen wird. "Wir wissen, wo wir ansetzen müssen. Der Weg zurück zum Erfolg wird lang sein, und wir dürfen keine kurzfristigen Befreiungsschläge erwarten, sondern werden Schritt um Schritt konsequent und diszipliniert vorwärtsgehen."

sam/AP/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.