Bankenvergleich Vermögensverwalter für jedermann

Eine professionelle Vermögensverwaltung ist nicht nur Millionären vorbehalten. Banken und Sparkassen bieten standardisierte Programme für jedermann. Eine Studie zeigt, welcher Anbieter das Geld seiner Kunden am erfolgreichsten vermehrt.

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München - Wohin mit dem Geld? Die Kapitalanlagewelt wird immer unübersichtlicher, gleichzeitig haben viele Anleger immer weniger Zeit, sich um die Aufteilung ihres Portfolios zu kümmern. Wer auf fachkundige Hilfe zurückgreifen kann, ist meist im Vorteil.

Dabei ist eine professionelle Vermögensverwaltung längst nicht mehr den Reichen und Superreichen vorbehalten. Viele Banken bieten standardisierte, investmentfondsbasierte Programme inzwischen schon ab Mindestanlagesummen von 10.000 Euro an.

Commerzbank-Tower: Note "sehr gut" für das Produkt
DPA

Commerzbank-Tower: Note "sehr gut" für das Produkt

Das Prinzip: Die Bank gibt eine Reihe von Anlagestrategien vor, zwischen denen sich der Anleger entscheiden muss. Je nach Typus wählt er die Variante, deren Aktienquote seiner Risikoneigung beziehungsweise seiner Renditeerwartung am ehesten entspricht.

Üblicherweise haben Banken mindestens drei Strategien zu bieten, von zum Beispiel "konservativ" über "ausgewogen" bis "offensiv". Innerhalb dieser Portfolios fließen die Gelder zu beispielsweise 30, 70 oder bis zu 100 Prozent in Aktienfonds unterschiedlicher Ausrichtung. Durch das Investment der verbleibenden Mittel in Rentenfonds wird dem Sicherheitsbedürfnis Rechnung getragen.

Mehr als 30 Milliarden Euro verwalten die deutschen Banken und Sparkassen nach Angaben des Münchener Fondsverwaltungs- und Analysehauses Fondsconsult auf diese Weise derzeit für private Anleger. Mit dem Filialnetz der Sparkassen als starkem Vertriebsweg im Rücken ist die Deka-Gruppe mit großem Abstand Marktführer. Allein 66 Prozent der Gelder vereint die Sparkassen-Organisation auf sich.

Anbieter haben Fortschritte gemacht

Fondsconsult hat zum wiederholten Mal die Vermögensverwaltungsprogramme mehrerer Anbieter in einer Studie untersucht und verglichen. Sowohl Rendite- und Risiko- als auch Kostengrößen standen dabei auf dem Prüfstand. "Gegenüber unserer ersten Studie im Jahr 2002 kann man eine deutliche Verbesserung der Managementqualität feststellen", resümiert Fondsconsult-Research-Vorstand Rüdiger Sälzle. "Diese kann sich allmählich mit den Standards der Fondsindustrie messen lassen."

Vor allem im Bereich der ausgewogenen und offensiven Anlageklassen haben die Anbieter Fortschritte gemacht, schreibt Fondsconsult im Fazit der Analyse: "Im Vergleich zu den bisherigen Studien zeigt sich ein wesentlich homogeneres Gesamtbild der Anbieter."

Laut Sälzle kann sich der Einsatz der Vermögensverwaltung daher unterm Strich durchaus auszahlen, auch wenn es an Individualität mangelt. "Im Gegensatz zu einigen betreuten Kundendepots werden zumindest die Grundsätze einer Portfoliodiversifikation umgesetzt", sagt er. "Wir sprechen hier ja nicht von einem Millionenvermögen, sondern von Einstiegssummen um die 15.000 Euro."

Problematisch wird es seiner Ansicht nach lediglich bei der Betrachtung der konservativen Portfolios, wo aus heutiger Sicht nur in Ausnahmefällen ein Mehrwert gegenüber risikofreien Anlagen erzielt worden sei.

Anbieter fondsgebundener Vermögensverwaltung

Anbieter Produkt Mindest-
anlage
Risiko-
klassen
laufende Gebühren einmalige Gebühr Markt-
anteil
Commerz-
bank
ActivPlan 15.000 6 1,49% - 2,08% - 2%
Deka S Dynamik-
Depot
15.000 5 0,80% - 1,30%* 1% - 2,5% 62%
Deka Schweiz PrivatPortfolio 15.000 3 0,95% - 1,45%* - 4%
Dresdner Bank Dresdner Vermögens-
management
10.000 4 1,19% - 2,09% 2% 7%
Hypo-
Vereinsbank
KombiAnlage plus 10.000 4 1,66% - 1,96% - 13%
Hypo-
Vereinsbank
KombiAnlage Klassik** 15.000 3 2,14%** - 3%
Union Point 10.000 4 1,15% - 1,44% - 5%
Union Swiss Rubinum 25.000 4 1,25% - 1,50% - 4%

* zusätzlich 0,125% Depotgebühr (min. 38 Euro bzw. 100 CHF); ** HVB KombiAnlage Klassik wird nicht mehr aktiv vertrieben, Nachfolgeprodukt ist HVB KombiAnlage plus. Stand: 30.09.2007 (wobei bei der DekaBank die Gebühren ab 01.12.2007 herangezogen wurden), Quelle: FondsConsult:

Unterschiede bei Rendite und Gebühren

Tatsächlich zeigt ein genauer Blick, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten und ihren Programmen zum Teil nach wie vor immens sind. Stichwort Rendite: Bei den konservativ ausgerichteten Offerten lag die Deka ("Ertrag Plus") mit einer Fünf-Jahres-Performance von beinahe 30 Prozent ganz vorn. Union Investment als Letztplazierter kam im gleichen Zeitraum lediglich auf knapp 19 Prozent.

Auch die ausgewogene und chancenreiche Positionierung gelingt nicht jedem Anbieter im gleichen Maße. Besonders erfolgreich erwies sich in diesen Kategorien in den vergangenen fünf Jahren die Commerzbank, die es auf eine Performance von beinahe 55 Prozent im ausgewogenen und knapp 82 Prozent im offensiven Bereich brachte. Zum Vergleich: Auch hier bildet Union Investment mit dem Produkt "Swiss Rubinum", mit dem lediglich knapp 42 sowie 54 Prozent Wertzuwachs erzielt wurden, das Schlusslicht.

Wo Erträge abfallen, da sind allerdings auch Aufwendungen nicht weit. Oder auf die Vermögensverwaltung übertragen: Die Banken stellen ihre Expertise nicht kostenlos zur Verfügung, sie erheben Gebühren. Diese müssen von den verglichenen Renditen noch abgezogen werden, denn Fondsconsult hat reine Bruttoergebnisse untersucht. "Das Ziel der Studie ist es, die Managementqualität der Anbieter zu vergleichen", begründet Fondsconsult-Chefanalyst Sälzle das Vorgehen. "Durch die Vielzahl der Gebührenmodelle werden die Ergebnisse verzerrt. Anleger sollten in einem zweiten Schritt diesen Aspekt bei der Auswahl jedoch nicht unberücksichtigt lassen."

Insgesamt liegt die Gebührenbelastung, die Anlegern durch Nutzung der Vermögensverwaltungsprogramme entsteht, zwischen 0,91 und 2,14 Prozent. Eine "sehr hohe Gebührenspanne", wie die Fondsconsult-Analysten finden. Negativ hebt Fondsconsult zudem hervor, dass Deka und Dresdner Bank als einzige eine einmalige Einstiegsgebühr erheben, die sich im Falle der Deka zwischen 1 und 2 Prozent bewegt, und die bei der Dresdner Bank 2 Prozent beträgt. "Die Dresdner Bank will diese Einstiegssätze im Rahmen eines neuen Dachfondsproduktes nochmals kräftig erhöhen", schreibt Fondsconsult.

Phobie vor Fremdfonds

Hintergrund: Generell ist ein verstärkter Einsatz von Dachfonds bei der Vermögensverwaltung zu beobachten. Anlass dafür ist vor allem die Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009. Innerhalb der Dachfonds können die Anbieter Vermögensumschichtungen auch nach dem Start der neuen Abgabe für die Anleger steuerneutral vornehmen.

Doch nicht nur Kosten beeinträchtigen die Rendite. Auch die Tatsache, dass viele Anbieter bei der Wahl der Fonds, die im Rahmen des Asset-Managements zum Einsatz kommen, allzu sehr den Blick auf hauseigene Produkte lenken, schränkt die Möglichkeiten in vielerlei Hinsicht ein.

Fazit: Als Gesamtsieger geht das Produkt "Activplan" von der Commerzbank aus dem Vergleich hervor, das die Analysten vor allem im ausgewogenen und offensiven Bereich überzeugt hat. Im konservativen Bereich dagegen hat die Deka-Offerte "S Dynamik Depot" die Nase vorn.

"Die Commerzbank wendet einen Investmentansatz an, der sich über viele Produkte von der individuellen Vermögensverwaltung bis hin zur standardisierten Fonds-Vermögensverwaltung hindurchzieht", begründet Sälzle das Ergebnis. "In der Umsetzung der Produktphilosophie lässt sich somit eine systematische Vorgehensweise erkennen."

Außerdem haben sich nach Angaben des Fondsconsult-Vorstandes einige Investitionsentscheidungen des Hauses insbesondere in den vergangenen zwölf Monaten positiv ausgezahlt.



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pek 22.12.2007
1.
Der Knackpunkt einer guten Vermögensverwaltung ist es dem allgemeinen "sentiment", also der Einschätzung der Mehrheit der anderen Markteilnehmer zu folgen. Der Berater hat in den seltensten Fällen Zeit und Lust die individuelle Situation des Anlegers, seine Lebensplanung und seine Risikobereitschaft zu erforschen. Anlageberater und Vermögensverwalter haben, genau wie die Allgemeinheit, nicht die Fähigkeit in die Zukunft schauen zu können. Sie behelfen sich mit der Analyse der Vergangenheit, was nur hilfreich ist wenn sich der momentane Trend fortsetzt. Eime erfolgreiche Vermögensverwaltung hat die Aufgabe das Kapital zu erhalten, das Risiko zu streuen und eine Rendite zu erwirtschaften die nach Abzug von Kosten und Inflation einen positiven Ertrag liefert. So einfach klingt das und ist doch so schwer! Wer als Anleger glaubt dieses heikle Thema delegieren zu können erlebt oft später ein düsteres Erwachen. Zu diffus sind die Modelle der Risikoklassen. Zu ungewiss der Erfolg. Denn kein Vermögensverwalter will sich an Gewinn und Verlust gleichermaßen beteiligen. Das zeigt wie wenig Vertrauen sie selbst zu ihrer Tätigkeit haben. Ich empfehle jedem sich frühzeitig und intensiv mit dieser wichtigen Materie zu befassen. Es geht um viel Geld und nur man selbst kennt die eigenen Wünsche und Ziele. Und da Risiko und Ertrag diametral zusammen hängen ist es gut auch die eigene Psyche zu erkennen. Allen viel Erfolg im neuen Jahr wünscht pek
jj2 22.12.2007
2. Mässiger Erfolg
Jeder mittelmässige China-Fonds hätte in der jüngsten Vergangenheit doch zigfach besser performt als jede noch so ausgeklügelte Vermögensverwaltung hierzulande. Also meine ich, diese neuen Geschäftsmodelle der Banken namens Vermögensverwaltung sind doch nur eine neue Form der Gebührenabzockerei. Ideal wären erfolgsabhängige Fee-Vereinbarungen, die würden den Herrschaften in Nadelstreifen vielleicht etwas mehr auf die Sprünge helfen. Oder gar Verlustbeteiligung? :)
Hauke-m, 23.12.2007
3. Mit Daxentwicklung vergleichen
Müsste man die Rendite der hunderprozentigen Aktienfonds nicht mit der Entwicklung des Daxes vergleichen? Ich hab mir das mal angeguckt und der Dax hat sich meiner Meinung nach noch besser entwickelt (auch schon ohne Gebühren). Kann man nicht einfach sagen man legt sein Geld in den Teilen in Aktien an wie der Dax aufgeteilt ist und würde so mehr Rendite bekommen? Wenn man einen Fondsmanager bezahlt, dann sollte er doch besser sein als die Entwicklung des Daxes? Oder hab ich hier jetzt was falsch verstanden?
pek 24.12.2007
4. Steckt nicht viel dahinter ...
Zitat von Hauke-mMüsste man die Rendite der hunderprozentigen Aktienfonds nicht mit der Entwicklung des Daxes vergleichen? Ich hab mir das mal angeguckt und der Dax hat sich meiner Meinung nach noch besser entwickelt (auch schon ohne Gebühren). Kann man nicht einfach sagen man legt sein Geld in den Teilen in Aktien an wie der Dax aufgeteilt ist und würde so mehr Rendite bekommen? Wenn man einen Fondsmanager bezahlt, dann sollte er doch besser sein als die Entwicklung des Daxes? Oder hab ich hier jetzt was falsch verstanden?
Von einer Vermögensverwaltung erwarte ich Diversifikation, hohen Ertrag bei hoher Sicherheit. Der DAX, auch wenn er dieses Jahr eine gute Entwicklung hatte, genau wie Hongkong/China gehören in ein Portfolio, aber nicht allein. Von einem Vermögensverwalter sollte man erwarten das er "das Gras wachsen hört" und rechtzeitig umschichtet. Den jeweiligen Index zu schlagen gelingt nur wenigen Fonds. Das dürfte auch auf die meisten Vermögensverwalter zutreffen. Deshalb halte ich nichts von der Idee. pek
jj2 24.12.2007
5. Erfahrung ist alles
Wieso nicht einfach ein Zertifikat auf die Berkshire Hathaway Aktie kaufen. Der alte Fuchs Warren Buffet gilt ja bekanntlich als DER "eierlegendewollmichsau"-Oberguru der Branche. Oder die Aktie direkt (Kurs akt.: 135.000,- USD.
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