Basic-Chef im Interview "Mit Lidl haben wir nichts zu tun"

Die Kunden verunsichert, die Lieferanten in Aufruhr: Die Biomarktkette Basic steckt Kritik von allen Seiten ein, seit sie die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) als Investor hereingeholt hat. Im SPIEGEL-Interview verteidigt Basic-Chef Spanrunft seine Entscheidung - und erklärt seine Expansionspläne.


SPIEGEL: Herr Spanrunft, der Einstieg der Schwarz-Gruppe bei Basic sorgt unter Eigentümern, Lieferanten und Kunden für Missmut. Wieso sollen Kunden noch bei Basic kaufen und nicht gleich zu Lidl gehen?

Basic-Kundin (in München): "Bei Bio spielen neben der Qualität auch Werte eine Rolle"
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Basic-Kundin (in München): "Bei Bio spielen neben der Qualität auch Werte eine Rolle"

Spanrunft: Weil wir ein Biofachhandel sind und Lidl ein Discounter ist. Bei uns findet der Kunde hochwertige Bioprodukte.

SPIEGEL: Bei Lidl denn nicht?

Spanrunft: Da hat er nicht die gleiche Auswahl. Wir haben über 8000 Artikel, beim Discounter gibt es vielleicht 50 Bioartikel. Außerdem führen wir sehr viel Verbandsware im Sortiment, zum Beispiel Bioland, Demeter und andere. Das macht ja die Stärke des Fachhandels aus: Sortenvielfalt und Qualität.

SPIEGEL: Gerade die sieht Ihr wichtigster Lieferant Dennree aber offenbar gefährdet. Aus Protest gegen den Schwarz-Einstieg hat er die Verträge gekündigt. Von Dennree beziehen Sie immerhin die Hälfte Ihrer Ware.

Spanrunft: Der Dennree-Ausstieg tut weh, das stimmt. Jetzt müssen wir uns anstrengen, um in der kurzen Zeit eine eigene Logistik aufzubauen.

SPIEGEL: Werden Sie dazu die Schwarz'schen Einkaufs-Kanäle nutzen?

Spanrunft: Nein, wir arbeiten in keiner Weise zusammen. Am Logistik-Aufbau wird die Schwarz-Gruppe nicht beteiligt sein. Wir werden nur mit Herstellern kooperieren, die den Fachmarkt bedienen. Bioartikel von Lidl wird es in unseren Regalen nicht geben.

SPIEGEL: Die Warenwirtschaftssysteme bleiben also getrennt? Wie soll Ihr Miteigner da künftig Synergien nutzen?

Spanrunft: Zur Schwarz-Gruppe gehört neben Lidl ja auch Kaufland, dessen Einkäufer auch unabhängig arbeiten. Genauso wird es bei Basic sein. Es wird im Warenwirtschaftsbereich keine Zusammenarbeit geben, also auch keine Synergie-Effekte.

SPIEGEL: Auch dann noch, wenn die Alteigentümer im September ihre Anteile an die Schwarz-Gruppe verkaufen und sie dann die Mehrheit an Basic hält?

Spanrunft: Natürlich. Außerdem steht noch nicht fest, ob die Schwarz-Gruppe wirklich demnächst die Mehrheit bekommt.

SPIEGEL: Die Gruppe hält inklusive einer Wandelanleihe bereits jetzt 23 Prozent. Die beiden Gründer Richard Müller und Georg Schweisfurth, sowie der Schweizer Investor Theo Häni sind verkaufswillig. Da können die Lidl-Eigner doch einfach zugreifen.

Spanrunft: Das wird sich erst in zwei Wochen entscheiden. Bisher liegen noch keine Angebote für einen Aktienverkauf vor.

SPIEGEL: Derzeit gibt es in Deutschland 25 Basic-Märkte. Wie schnell wollen Sie wachsen?

Spanrunft: Wir werden versuchen, pro Jahr 10 bis 15 neue Märkte zu eröffnen. Dann wären wir in fünf Jahren bei 70 bis 80 Märkten.

SPIEGEL: Ihre Noch-Partner Richard Müller und Georg Schweisfurth hätten sich ein behutsameres Wachstum gewünscht.

Spanrunft: Die Expansionspläne sind im Kreis des Aufsichtsrates besprochen und einstimmig beschlossen worden. Schweisfurth und Müller waren als Beiräte mit anwesend und haben ebenfalls dieser Entscheidung zugestimmt.

SPIEGEL: Mit der Auswahl des Käufers haben Sie die beiden dann aber überrascht. Verabschieden Sie sich mit der Discounter-Koalition nun vollständig vom Öko-Idealismus, für den die Gründergeneration steht?

Spanrunft: Nein, bei Bio spielen neben der Qualität auch Werte eine Rolle: Umweltschutz, guter Umgang mit den Mitarbeitern, Tierschutz und vieles andere mehr. Nur wenn all diese Werte gelebt werden, ist der Verbraucher bereit, Bioware zu kaufen.

SPIEGEL: Lassen sich diese Werte denn mit den Lidl-Werten vereinbar?

Spanrunft: Mit Lidl haben wir nichts zu tun, sondern mit der Unternehmensgruppe Schwarz. Das ist eine rein finanzielle Beteiligung. Die Werte, die jetzt bei Basic gelebt werden, werden auch in Zukunft erhalten bleiben.

SPIEGEL: Was kann die Schwarz-Gruppe von Ihnen lernen?

Spanrunft: Dass im Bio-Bereich nicht der Preis im Vordergrund steht.

Das Interview führte Julia Bonstein



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Demokratie, 01.09.2007
1.
Ich bin seit Jahren Kundin bei Basic und habe mich seinerzeit sehr darüber gefreut, dass eine Bio-Supermarkt-Kette ins Leben gerufen wurde. Deshalb bin ich nun über den Zusammenschluss von Basic mit der (Lidl)-Schwarz-Gruppe sehr enttäuscht und tief verunsichert. Warum ziehen sich die Alteigentümer eigentlich zurück von einem Unternehmen, das sie mit viel Enthusiasmus begonnen haben und womit sie so erfolgreich sind??. Aber das ist ganz typisch für unsere schnellebige Zeit. Etwas aufbauen, Gewinne herausholen und dann abstossen, so läuft es. Wir leben in einer kapitalistisch größenwahnsinnigen Wirtschaftswelt. Das Streben nach Gigantismus macht alles kaputt. Irgendwer verdient dabei zwar das große Geld, aber die Qualität und Werte gehen völlig den Bach hinunter. Ich finde es übrigens sehr anständig und nur konsequent, dass sich Bio-Lieferanten von Basic zurückziehen und keine Produkte mehr an Basic liefern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich auf längere Sicht nicht doch ganz still und leise Pseudo-Billig-Bioprodukte bei Basic einschleichen, natürlich hochpreisig angeboten. Mein Vertrauen ist auf jeden Fall dahin und ich werde künftig die Augen weit offen halten und alles genau prüfen. Neue Lieferanten werde ich auf keinen Fall mehr berücksichtigen. Das Ganze ist eine unschöne Angelegenheit, aber sie passt ganz in den vorherrschenden Wirtschafts-Zeitgeist. MfG
bg77 01.09.2007
2. Adieu Basic
Da waren meine Freunde und ich auch baff, als wir von dieser Verbindung erfuhren - seitdem kaufen wir nicht mehr bei Basic. Das war echt ein Schlag ins Gesicht! Ich mag es nicht, wenn mein Geld in die Taschen von Aktionären wandert, die sich auch an Discountern wie Lidl eine goldene Nase verdienen. Da passt die Ethik nicht zum Produkt!
kamau 01.09.2007
3. die zukunft von bio
Zitat von sysopDie Kunden verunsichert, die Lieferanten in Aufruhr: Die Biomarkt-Kette Basic muss viel Kritik einstecken, seit sie die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) als Investor hereingeholt hat. Im SPIEGEL-Interview verteidigt Basic-Chef Spanrunft seine Entscheidung und erklärt seine Expansionspläne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,503328,00.html
ich kenne die bio-bewegung seit anfang der siebziger jahre, bin bio-gärtner seit ende der siebziger. der weg von damals bis heute ist ein sehr langer weg gewesen. wer hätte vor 10 oder 2o jahren eine beteiligung von lidl im bio-bereich jemals für möglich gehalten? was hatten die bio-läden der siebziger im angebot? oft genug verschrumpelte möhren und runzlige äpfel und immer nur saisonelle angebote. irgendwann gab es die nächste welle mit größeren läden, markennamen etablierten sich. der nächste schritt war konsequenterweise die entstehung der ersten bio-supermärkte bzw. bio-supermarkt-ketten. dass jetzt die finanzgruppe einsteigt erscheint da nur konsequent. konsequent dass der konsument von heute mehr oder weniger alle früchte/gemüse das ganze jahr über kaufen jederzeit möchte. was kommt als nächstes? die bio's der siebziger waren von idealen bewegt und von geldnot geplagt, die heutigen investoren sind vom shareholder value bewegt. letzeres muss nicht unbedingt schlecht sein, aber bei der unternehmergruppe schwarz platz für ethische werte ist, wie spanrunft hofft, darf stark bezweifelt werden. ich sehe 2 entwicklungen für die zukunft: es wird einen massenmarkt geben für bio-produkte, hauptlieferant wird china sein. laden wie aldi, lidl, usw werden sich dort ihre waren besorgen. ob der anbau der waren den ethischen werten des bio-anbaues entsprechen, darf bezweifelt werden. überleben werden nur die anbauer und bio-läden, die lokale qualitätswaren anbieten, ihre kunden informieren und mit einbinden, falls es solche konsumenten in zukunft noch geben sollte. die eu-bio-verordnung wird aus merkantilen interessen weiter verwässert werden zugunsten von lidl, aldi, penny-markt "bio"-anbau. der massenmarkt will mit bio-bedient werden. schön, dass bio aus der ecke heraus kommt, doch der preis wird hoch sein, die bio-anbauer und bio-ladner der frühen jahre, die idealisten, die bio über 20-30 jahre hochgehalten haben werden zu den verlierern gehören. in den usa ist diese entwicklng schon seit vielen jahren im gange. dort spalten sich die engagierten bio-anbauer aus dem offiziell zertifizierten bio-geschehen ab. sie wollen die weitere reduzierung des bio-niveaus nicht mehr länger hin nehmen und nennen sich "beyond organics", spannend.
boam2001, 01.09.2007
4. Basic und der schnöde Mammon !
Gut zu wissen, um welche Produkte es sich handelt. Ich werde darauf achten, Basic-Produkte in Zukunft zu meiden. Wer aus Geldgier mit einem Unternehmen wie Lidl kooperiert, welches nicht gerade den Ruf hat, seine Angestellten gut zu behandeln, muss damit rechnen, das der bewusst einkaufende Kunde in Zukunft Basic-Produkte meidet. Wer, wie Basic, sich einerseits auf seiner Homepage ein soziales Image verpasst und aber dabei gleichzeitig mit einem Unternehmen zusammenarbeitet, welches ihre Belegschaft knechtet, handelt pharisäerhaft und ist unglaubwürdig. Es wundert mich, das die traditionelle Bio-Branche sich nicht gegen die Avancen von Billig-Discountern wie Lidl wehrt, die anscheinend zum Aufpolieren ihres schlechten Images die Bio-Branche zu penetrieren versucht.
t-customer 02.09.2007
5. Greed is basic
Voller Vertrauen und aus Freude über den vergleichsweise günstigen Preis wurde aus der Reihe "Basic Bio" ein Glas rotes Pesto für Spaghetti gekauft. Leicht enttäuscht über den muffigen Geschmack und die ungünstig pampige Konsistenz habe ich dann die Zutatenliste studiert und dabei entsetzt festgestellt, dass Basic ein niveauloses Billig-Pesto ohne Parmesan oder anderen Käse, sondern ersatzweise mit K A R T O F F E L F L O C K E N vertreibt. Dies ist der kulinarische Supergau, den ich zwar von Lidl-Produkten kenne, jedoch bei einer Bio-Marke nie zu befürchten gewagt hätte. Das ist der absolute Billig-Betrug. Man will sich mal ein preiswertes Pesto in Bioqualität leisten und dann stellt man fest, dass es ein überteuertes Glas Kartoffelflocken mit Öl ist, bio hin oder her. Eine berechtigte Falle für Geizkragen oder eher Enttäuschung für Arme?
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