Insektenschutzgesetz »grottenfalsch« Bauernpräsident warnt vor Höfesterben

Die Bauernlobby läuft Sturm gegen das neue Insektenschutzgesetz der Bundesregierung: Es schütze vielleicht Insekten, werde aber die Existenzgrundlage vieler Familien vernichten.
Bauernprotest (Archivbild)

Bauernprotest (Archivbild)

Foto: Dominik Bund / imago images/Dominik Bund

Der Deutsche Bauernverband hat mit Nachdruck vor den Regierungsplänen für den Insektenschutz gewarnt. »Die Strategie der Bundesumweltministerin, den Insektenschutz mit Verboten durchzusetzen, halten wir für grottenfalsch und sogar für gefährlich«, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied den Zeitungen, die zum »Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)« gehören. »Viele Bauernfamilien würden ihre Existenzgrundlage verlieren.«

Das Bundeskabinett will am Mittwoch auf Vorschlag von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ein Insektenschutzgesetz beschließen, zudem eine Verordnung mit schärferen Regeln für die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln auf den Äckern.

Rukwied wandte sich dagegen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in bestimmten Schutzgebieten zu verbieten. »Wenn sich die Ministerin damit durchsetzt, wäre zum Beispiel der Weinbau im Kaiserstuhl komplett Geschichte«, sagte der Bauernpräsident. »Wir reden hier nicht nur über vernichtetes Kapital und verlorene Arbeitsplätze, sondern über das Ende eines jahrhundertealten Teils unserer Kultur.« Der Kaiserstuhl ist ein Mittelgebirge in Baden-Württemberg, in dem auch Wein angebaut wird.

Allerdings: Für viele Flächen sind Übergangsphasen und Ausnahmen im Gespräch. So sollen Ackerflächen in sogenannten FFH-Gebieten für drei Jahre vom Insektizid-Verbot ausgenommen werden. Für die Zeit danach sollen freiwillige Verzichts-Lösungen erarbeitet werden. Auch bei den Gewässerrandstreifen fällt die Regelung weniger streng aus als zwischenzeitlich diskutiert.

Bauern wollen keinen verpflichtenden Umweltschutz

Rukwied lehnte es ebenso ab, Teile der landwirtschaftlich genutzten Fläche für den Umweltschutz aus der Bewirtschaftung herauszunehmen. »Wir Landwirte wollen unsere Flächen nutzen und sie nicht brachliegen lassen.« Schon heute würden längst nicht mehr alle Flächen intensiv bewirtschaftet. Auch den von Schulze geplanten Schutz von Streuobstwiesen bewertete Rukwied kritisch. »Wenn man die Wiesen unter Schutz stellt, nimmt man den Landwirten die Fördermöglichkeit. Dann werden die Wiesen eben nicht mehr gepflegt und die Bäume nicht mehr nachgepflanzt. Dadurch wäre den Insekten auch nicht geholfen – im Gegenteil«, sagte er.

Der Bauernpräsident räumte ein, dass auch die Landwirtschaft beim Naturschutz besser werden müsse und warb für einen kooperativen Ansatz. »Wichtig wäre mir kein gesetzlicher Zwang, sondern kooperativer Naturschutz«, glaubt Rukwied.

beb/dpa