Materialmangel Baukosten steigen so stark wie seit 2007 nicht mehr

Bauen wird immer teurer. So sehr wie jetzt zogen die Preise für Wohngebäude allerdings seit fast 15 Jahren nicht mehr an. Holz, Stahl und Dämmstoffe sind zu sehr gefragt.
Dachdecker auf einer Baustelle in Halle

Dachdecker auf einer Baustelle in Halle

Foto: Jan Woitas / DPA

Der Neubau von Wohnungen in Deutschland hat sich im Mai so stark verteuert wie seit 2007 nicht mehr. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude lagen im Mai des laufenden Jahres um 6,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonates, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Dies sei der höchste Anstieg der Baupreise binnen Jahresfrist seit Mai 2007, teilte die Wiesbadener Behörde mit.

Im Mai 2007 hatte die damalige Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 Prozent auf 19 Prozent zu dem kräftigen Preisanstieg von 7,1 Prozent gegenüber dem Mai des Vorjahres beigetragen. Deutlich teurer waren im Mai vor allem die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden. Insbesondere die große Nachfrage nach Baumaterialien wie Holz, Stahl und Dämmstoffen treibt auf den Weltmärkten die Preise. Zimmer- und Holzbauarbeiten in Deutschland zum Beispiel verteuerten sich überdurchschnittlich, hier lagen die Preise im Mai 2021 um 28,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Die Preise für Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten stiegen den Statistikern zufolge im Vorjahresvergleich um 8,3 Prozent, für Klempnerarbeiten erhöhten sie sich um 8,1 Prozent und für Entwässerungskanalarbeiten um 7,8 Prozent. Den größten Anteil an den Rohbauarbeiten machen die Betonarbeiten und Mauerarbeiten aus – hier stiegen die Preise um 6,6 beziehungsweise 4,8 Prozent.

Die Preise für Ausbauarbeiten stiegen laut Bundesamt gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent. Die Preise für Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden lagen um 6,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Neubaupreise für Bürogebäude stiegen laut Statistik um 6,2 Prozent und für gewerbliche Betriebsgebäude um 6,6 Prozent. Im Straßenbau erhöhten sich die Preise gegenüber Mai 2020 mit einem Plus von 2,4 Prozent hingegen vergleichsweise wenig.

Die Umsätze im Bauhauptgewerbe in Deutschland liegen auf Jahressicht bislang dennoch unter Vorjahresniveau: Von Januar bis einschließlich April 2021 blieben die Erlöse nach Angaben des Bundesamtes um 5,6 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums, obwohl es im April im Jahresvergleich ein Umsatzplus von 3,6 Prozent gab. Das Bauhauptgewerbe umfasst die Errichtung von Gebäuden (Hochbau) sowie von Straßen, Bahnstrecken und Leitungen (Tiefbau).

Preisanstieg bei Materialien

Fast alle wichtigen Baumaterialien sind zuletzt deutlich teurer geworden. So stieg etwa der Preis für Konstruktionsvollholz binnen einem Jahr um 83,3 Prozent, der für Dachlatten um 45,7 Prozent und der für Bauholz um 38,4 Prozent. Auch die Stahlpreise treiben die Kosten. So kostete Betonstahl im Mai 2021 rund 44 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Hauptgründe für die anziehenden Holz- und Stahlpreise sehen die Statistiker in der steigenden Nachfrage im In- und Ausland sowie in Problemen in der Lieferkette während der Coronapandemie.

kig/dpa-AFX
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