Bauwirtschaft Geschäfte so schlecht wie seit zwei Jahren nicht

Herber Rückschlag für die Bauindustrie: Die Erholung der Branche ist zu Ende, der Auftragseingang so stark zurückgegangen wie zuletzt im Frühjahr 2005. Grund sind der Wegfall der Eigenheimzulage und die höhere Mehrwertsteuer.


Berlin - Die Geschäfte liefen so schlecht wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr, teilte das britische Forschungsinstitut NTC heute anlässlich seiner Umfrage unter 250 Unternehmen mit. Zugleich gingen so wenig Aufträge ein wie zuletzt im Frühjahr 2005, weshalb die Baufirmen viele Stellen strichen. Dadurch sank der NTC-Bauindex auf 40,7 von 41,1 Punkten im Vormonat. Er blieb damit den dritten Monat in Folge unter der Marke von 50 Zählern, ab der ein Wachstum der Branche signalisiert wird.

Baukräne in Essen: Mehrwertsteuer und fehlende Eigenheimzulage drücken die Aufträge
DPA

Baukräne in Essen: Mehrwertsteuer und fehlende Eigenheimzulage drücken die Aufträge

Im ersten Quartal hatte der Durchschnittswert noch 56,1 Punkte betragen. Mit dem jetzigen Wert hat sich das Baugewerbe weiter von der guten Entwicklung in der Industrie und bei den Dienstleistern abgekoppelt, die im Juni klar auf Wachstumskurs blieben. Besonders schlecht liefen die Geschäfte im Wohnungs- und im Tiefbau.

Schuld an dem Einbruch vor allem im Wohnungsbau ist den Angaben zufolge die höhere Mehrwertsteuer und das Ende der Eigenheimzulage. Besser hielt sich der gewerbliche Bau. Er profitiert von der starken Konjunktur und steigenden Firmeninvestitionen.

Auch die Aussichten für die kommenden zwölf Monate werden von den Unternehmen pessimistischer eingeschätzt. Nur noch 17 Prozent der Befragten rechnen mit besseren Geschäften, fast genauso viele (15,5 Prozent) erwarten inzwischen eine Verschlechterung.

Wegen der sinkenden Aufträge drosselten die Firmen ihre Einkaufsmenge den dritten Monat in Folge. Dennoch verlängerten sich die durchschnittlichen Lieferzeiten so stark wie seit Januar nicht mehr. "Ausschlaggebend hierfür waren Verknappungen und anhaltende Kapazitätsengpässe auf Seiten der Lieferanten", hieß es. Wegen teurerer Vormaterialien und höherer Löhne legten die Kosten erneut kräftig zu. Der Preisauftrieb war jedoch so schwach wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Die Subunternehmer konnten zugleich ihre Verkaufspreise kräftig nach oben setzen.

Von Januar bis April hatte das Baugewerbe preisbereinigt knapp sieben Prozent mehr Aufträge erhalten als im Vorjahreszeitraum. Der Branchenverband der Bauindustrie rechnet für 2007 mit einem Umsatzplus von fünf Prozent. Die Mitarbeiterzahl soll um zwei Prozent auf 725.000 steigen. Seit Mitte der neunziger Jahre hatte sie sich etwa halbiert.

sam/Reuters



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