Industrieverband Siegfried Russwurm zum neuen BDI-Chef gewählt

Fast zehn Jahre saß er im Vorstand von Siemens, nun wird Siegfried Russwurm Cheflobbyist der deutschen Industrie. Der 57-Jährige fordert höhere Investitionen des Staates.
Siegfried Russwurm: früher Siemens-Vorstand, jetzt Cheflobbyist der deutschen Industrie

Siegfried Russwurm: früher Siemens-Vorstand, jetzt Cheflobbyist der deutschen Industrie

Foto: Rolf Vennenbernd / DPA

Vom kommenden Jahr an wird die deutsche Industrie ihre Interessen von einem neuen Frontmann vertreten lassen. Der frühere Siemens-Manager Siegfried Russwurm ist zum neuen Präsidenten des einflussreichen Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gewählt worden. Der 57-Jährige folgt auf Dieter Kempf, der seit Anfang 2017 an der Spitze des BDI stand und nach Ablauf seiner Amtszeit satzungsgemäß Vizepräsident des Verbandes wird.

Russwurm sieht in der aktuellen Rezession aufgrund der Corona-Pandemie das drängendste Problem, zudem will er sich für höhere Investitionen – auch staatliche – einsetzen. In der öffentlichen Infrastruktur und bei der Digitalisierung gebe es einen erheblichen Nachholbedarf. Vor allem bei der Digitalisierung seien viele Staaten weiter als Deutschland. Die entscheidende Frage für die Politik laute daher: »Wie kommen wir da endlich in die Pötte?«, so Russwurm. In Summe seien große Zahlen als Investitionen nötig. »Das schreckt mich aber nicht.« Sie würden sich lohnen.

Der BDI bündelt als Spitzenverband 40 Verbände verschiedener Branchen und sieht sich als Sprachrohr von rund hunderttausend Industrieunternehmen mit mehr als acht Millionen Beschäftigten. Russwurm gehörte von 2008 bis 2017 dem Vorstand von Siemens an und ist derzeit Vorsitzender der Aufsichtsräte der Industrieunternehmen Thyssenkrupp und Voith.

Der künftige Cheflobbyist der deutschen Industrie stammt aus einem kleinen Dorf östlich von Coburg, er wohnt immer noch in der Nähe. Russwurm bezeichnet sich selbst als Technikfreak, seit 2009 ist er Honorarprofessor an der Uni Erlangen-Nürnberg. Als Personalvorstand bei Siemens baute er zwar Tausende Stellen ab – dennoch beschreibt ihn ein Arbeitnehmervertreter des Konzerns als »umgänglich, ohne Attitüden, ohne Arroganz«.

fdi/dpa/Reuters
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