Beate Uhse AG Neuer Liebhaber gesucht

Beim Erotik-Versender Beate Uhse deutet sich ein Epochenwechsel an: Rund 60 Jahre nach Firmengründung könnte sich die Familie der Namensgeberin endgültig aus dem Unternehmen zurückziehen. Für fast ein Drittel der Aktien wird ein Investor gesucht.

Flensburg – Uhses Sohn, der Hauptaktionär Ulrich Rotermund, hat die HypoVereinsbank   mit der Suche nach einem Käufer für sein Aktienpaket beauftragt. Der Investor solle helfen, "Wachstumsperspektiven für den Konzern zu schaffen", erklärte der 58-Jährige, dessen 30-Prozent-Anteil zu aktuellen Kursen rund 70 Millionen Euro wert ist. Der Käufer solle kein reiner Finanzinvestor sein, sondern langfristig Wachstumsperspektiven schaffen.

Rotermund, Sohn der 2001 gestorbenen Firmengründerin, ist größter Hauptaktionär und Aufsichtsratschef von Beate Uhse  . Er hatte seinen Anteil im vergangenen Jahr erhöht, nachdem der einstige Geschäftspartner Richard Orthmann aus dem Unternehmen ausgestiegen war. Die niederländische Consipio Holding hält 20,8 Prozent an der Firma, 0,6 Prozent der Aktien besitzt die Beate Uhse AG selbst. 48,8 Prozent der Anteile sind breit gestreut.

Im vergangenen Jahr war der Aktienkurs des Unternehmens gegen den Börsentrend kräftig gefallen.

Die Uhse AG ist mit Niederlassungen in 12 Ländern auf 60 Märkten aktiv und mit einem Umsatz von 285 Millionen Euro das nach eigenen Angaben größte Unternehmen im Erotik-Business. Die Produkte werden über den Großhandel, im Versand und Einzelhandel und das Internet vertrieben. Mit mehr als 300 Sexshops ist Beate Uhse in zehn Ländern präsent. Zuletzt versuchte der Konzern, neue Kundengruppen zu erschließen, etwa Frauen und Paare.

Expansionspläne vielfach gefloppt

Ein Wasserschaden im Vertriebszentrum im niederländischen Walsoorden hatte Beate Uhse das wichtige Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr verdorben. Der Konzern konnte deshalb die selbst gesteckten Umsatzziele nicht erreichen. Konzernchef Otto Christian Lindemann hatte Ende Dezember einen Umsatz annähernd auf dem Vorjahresniveau von 285 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der erwartete Vorsteuergewinn von 19 Millionen Euro sei nicht mehr erreichbar, hatte er damals gesagt. 2005 hatte Beate Uhse den Vorsteuergewinn auf 20,4 Millionen Euro gesteigert.

Beate Uhse hatte in der Vergangenheit hochfliegende Expansionspläne im Ausland angekündigt, diese aber nach Einschätzung von Branchenexperten zumeist aber nicht erfüllen können. Eine Unternehmenssprecherin sagte, der neue Investor solle Zugang zu anderen Wirtschaftszweigen ermöglichen. In den Niederlanden sei etwa üblich, elektronische Sexartikel auch über Mediamärkte zu vertreiben. Auch Versandhäuser kämen in Frage.

Das Unternehmen mit Sitz in Flensburg beschäftigt rund 1500 Mitarbeiter und ist seit 1999 an der deutschen Börse notiert. Beate Uhse hatte die Firma 1946 gegründet.

itz/AP/Reuters

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