Behinderte Betriebsrats-Wahl SPD kritisiert Drogeriekette Müller

Auf keinen Fall einen Betriebsrat: Um die Wahl von Arbeitnehmervertretern zu verhindern, will die Drogeriekette Müller kurzfristig einen Unternehmensteil verkaufen. Das stößt nicht nur bei Gewerkschaften, sondern auch bei der SPD auf harsche Kritik.


Stuttgart/Ulm - Vor Gericht konnte sie die Wahlen nicht stoppen, deshalb hat die Drogeriekette Müller zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen: Unmittelbar vor der Abstimmung verkündete das Ulmer Unternehmen, das betroffene Lager in Neu-Ulm zu verkaufen. Genutzt hat das allerdings nichts: Die Müller-Belegschaft des Lagers wählte den Betriebsrat auch gegen den Willen der Geschäftsführung. Die Drogeriekette hatte bis zuletzt vor Gericht versucht, die Betriebsratswahl zu verhindern.

Müller-Filiale in Augsburg: "Völlig überholtes Denken"
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Müller-Filiale in Augsburg: "Völlig überholtes Denken"

Die oppositionelle SPD-Landtagsfraktion kritisierte das Verhalten der Firmenmanager von Müller: "Offensichtlich haben die Müller-Manager bis heute nicht akzeptiert, dass in Deutschland Unternehmer und Arbeitnehmer eng zusammenwirken", sagte Fraktionschef Claus Schmiedel am Donnerstag in Stuttgart. Unmittelbar vor der Wahl hatte das Unternehmen dann nach Gewerkschaftsangaben angekündigt, das Lager am 1. Mai zu verkaufen. "Das ist ein völlig überholtes Denken", kritisierte Schmiedel den geplanten Verkauf an die Honold Logistik Gruppe. Die SPD wolle dies weiter beobachten sowie Arbeitnehmer und Gewerkschaften in ihrem Kampf gegen ungerechtes Verhalten von Managern unterstützen.

Der neu gewählte Betriebsrat traf sich am Donnerstag zu einer Sondersitzung, um über den geplanten Verkauf zu diskutieren. Dabei sollte nach Gewerkschaftsangaben der Beschluss gefasst werden, einen Anwalt einzuschalten. Knackpunkt des drohenden Verkaufs sei, dass die Lager- Beschäftigten ungleich behandelt würden, sagte Reiner Dacke von der Gewerkschaft Ver.di. In dem Lager arbeiten rund 170 Beschäftigte, von denen knapp 90 bei der Drogerie Dienst Ulm GmbH (DDU) und knapp 80 bei der konzerninternen Dienstleistung Beimerstetten GmbH (DLB) angestellt sind.

Doch nur den Beschäftigten der DLB sei zugesichert worden, nach einem Jahr bei der Honold Logistik wieder zur DLB zurückkehren zu können, sagte Dacke. Den DDU-Mitarbeitern, die den Betriebsrat gewählt hätten und gewerkschaftlich organisiert seien, sei dies hingegen nicht garantiert worden.

sam/dpa



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